AKTIEN IM FOKUS 3: Chip- und KI-Titel weltweit wieder auf Talfahrt
(neu: Schlusskurse)
FRANKFURT/PARIS (dpa-AFX) - Tiefrote Kurse im internationalen
Halbleiter- und KI-Sektor haben am Freitag auch bei deutschen und
europäischen Branchentiteln ihre Spuren hinterlassen. Laut
Marktexperte Stephen Innes sorgte neben Gewinnmitnahmen nach dem
guten Lauf seit Jahresbeginn auch eine Korrektur bei gehebelten
Anlageprodukten für KI-Investments für Druck. Dieser Prozess könnte
nach seiner Einschätzung noch eine Weile andauern.
In New York hatte der Tech-Auswahlindex Nasdaq 100 am
Donnerstag wegen erneuter Gewinnmitnahmen bei Halbleiteraktien
bereits rund 1,6 Prozent eingebüßt - diese gelten als
Hauptprofiteure des Booms rund um Künstliche Intelligenz (KI). Am
Freitag sackte der Nasdaq 100 zum europäischen Handelsschluss um
weitere 1,4 Prozent ab. An den schwachen asiatischen Handelsplätzen
stach der technologielastige japanische Nikkei 225 vor dem Wochenende mit einem weiteren vierprozentigen
Kursrutsch hervor.
Marktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank sprach von einer
anhaltenden Rotation im Markt aus dem Chipsektor heraus. Zudem
fürchteten sich die Anleger davor, dass "der Anschein einer immer
schneller rollenden Verkaufslawine im KI- und Chipsektor" andere
Branchen in Mitleidenschaft ziehen könnte.
Der hohen Bewertungen im Technologiesektor sorgten zunehmend für
Druck auf die Unternehmen, die hohen Investitionen in Rechenzentren,
Cloud-Infrastruktur, Halbleiter und Stromnetze mit entsprechend
steigenden Umsätzen, Margen und Gewinnen zu rechtfertigen, ergänzte
Sören Wiedau von der Weberbank.
Außerdem belastete, dass das vom Amazon-Konkurrenten
Alibaba unterstützte chinesische Start-up Moonshot AI sein neues
Sprachmodell "Kimi K3" präsentierte. Nach eigenen Angaben soll es
mit den Spitzenmodellen der US-Konkurrenten OpenAI und Anthropic in
einer Liga spielen. Beobachter ziehen bereits Parallelen zum
sogenannten "DeepSeek-Moment" Anfang 2025. Damals hatte ein
chinesisches KI-Modell erstmals die Annahme einer US-Dominanz in
diesem Bereich erschüttert und die Tech-Aktienmärkte weltweit
einbrechen lassen. Von Dauer war das aber zumindest damals nicht.
Im Dax belegte der Halbleiterkonzern Infineon
mit einem weiteren Kursrückgang um 1,6 Prozent erneut
einen der hinteren Plätze. Zu den größten Verlierern im MDax
zählten der Waferhersteller Siltronic
sowie die Chipindustrie-Ausrüster Aixtron und Suss
Microtec mit Abschlägen zwischen 1,5 und 4,6 Prozent.
Auch Infineon-Branchenkollege Elmos und der
Technologiekonzern Jenoptik präsentierten sich
schwach. Gleiches galt für den Laserspezialisten LPKF
, dessen Aktien als Schlusslicht im Nebenwerte-Index
SDax 6,8 Prozent einbüßten.
Die Papiere von Siemens Energy und Hochtief
gerieten mit Verlusten von 0,7 beziehungsweise 2,2
Prozent ebenfalls unter Druck. Der Energietechnikspezialist gilt
genau wie der Baukonzern wegen des hohen Energiebedarfs durch den
rasanten Ausbau von Rechenzentren als indirekter Profiteur des Booms
rund um Künstliche Intelligenz.
Im Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 büßten die Aktien
des Chipindustrie-Ausrüsters ASML 3,8 Prozent ein,
und im französischen Cac 40 führte Infineon-Rivale
STMicro mit minus 3,9 Prozent die Verliererliste an.
Der europäische Technologie-Index war mit einem
Rückgang um 2,4 Prozent Schlusslicht im marktbreiten Stoxx Europe
600 .
Softwaretitel waren zumindest teilweise gefragt. Für SAP
ging es im schwächelnden Dax um 0,2 Prozent bergauf.
Nemetschek aus dem MDax verloren jedoch 0,7 Prozent.
Zuletzt zeigte sich mehrfach das Muster, dass die Branche bei
Gewinnmitnahmen im KI-Bereich tendenziell von Umschichtungen
innerhalb des Tech-Sektors profitiert./gl/niw/stk/niw/he