Aktien Frankfurt: Dax auf Tief seit Ende Juni - 25.000 Punkte außer Sichtweite
Der Dax hat am Donnerstag im
Handelsverlauf seine Verluste ausgeweitet. Gegenwind kam zunächst
von den schwachen asiatischen Märkten und dann auch von den
überwiegend im Minus erwarteten US-Indizes. Zuletzt drückte zudem
ein Bericht der Nachrichtenagentur Reuters auf die Stimmung.
Informierten Kreisen zufolge soll der Iran von der jemenitischen
Huthi-Bewegung Unterstützung für eine Sperrung der Ölroute durch das
Rote Meer für den Fall erbeten haben, dass die Vereinigten Staaten
wie angedroht Angriffe auf die iranische Energieinfrastruktur
starten, hieß es.
Am frühen Nachmittag büßte der deutsche Leitindex 1,14 Prozent auf
24.714 Punkte ein. Damit rutschte er sowohl auf ein Tief seit Ende
Juni als auch unter die kurz- bis mittelfristig wichtige
50-Tage-Linie. Die zuletzt umkämpfte 25.000-Punkte-Marke gerät
zunehmend außer Sichtweite.
Für den MDax ging es um 0,77 Prozent auf 31.855
Punkte nach unten. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50
sank um 0,8 Prozent.
Analyst Andreas Lipkow vom Broker CMC Markets verwies auf die
weiteren Gewinnmitnahmen im asiatischen Halbleitersektor - starke
Geschäftszahlen sowie die angehobenen Umsatz- und Investitionsziele
des taiwanesischen Chipherstellers TSMC halfen ihm
nicht. Die offiziellen Quartalszahlen hätten die teils bereits
bekannten Eckdaten lediglich bestätigt, und "die Skepsis der
Investoren über die weitere Entwicklung im KI- und
Rechenzentrumsgeschäft in der spätzyklischen Phase bleibt", betonte
der Experte.
Dementsprechend konnten die TSMC-Aussagen auch weitere Verluste im
deutschen Halbleitersektor nicht verhindern. Infineon
sanken am Dax-Ende um 4,8 Prozent. Für MDax-Schlusslicht Aixtron
sowie die Indexnachbarn Siltronic und
Suss Microtec ging es um bis zu 6,5 Prozent bergab.
Die Aktien von LPKF und Jenoptik , die
der Branchenschwäche am Mittwoch noch getrotzt hatten, gaben um 2,9
beziehungsweise 2,3 Prozent nach. Zur Wochenmitte war bereits der
gute Quartalsbericht des niederländischen Chipindustrie-Ausrüsters
ASML weitgehend verpufft.
Dass der Finanzdienstleister Hypoport für das erste
Halbjahr über eine Stagnation in der privaten Immobilienfinanzierung
berichtete, ließ die Aktien um 1,5 Prozent sinken. Nach dem
Zinsanstieg infolge des Iran-Kriegs hätten viele Verbraucher im
ersten Quartal noch schnell Kredite abgeschlossen, berichtete
Hypoport. Dieser Vorzieheffekt ging demnach zulasten des zweiten
Quartals.
Die nun offiziell vorliegende Übernahmeofferte von Uber
gab Delivery Hero kaum Impulse: Mit
einem Plus von 0,2 Prozent auf 38,26 Euro blieben die Titel des
Essenslieferdienstes deutlich unter den vom US-Fahrdienstvermittler
gebotenen 41,50 Euro je Aktie. Analysten zufolge begrenzen die zu
erwartende, langwierige Prüfung der Wettbewerbsbehörden sowie die
fehlende Fantasie für Gegengebote das weitere Kurspotenzial. Seit
Jahresbeginn haben die Aktien bereits um gut 68 Prozent zugelegt.
Die Cewe-Titel verteuerten sich um 0,9 Prozent. Der
Fotodienstleister will mit der Übernahme des Sofortfoto-Geschäfts
von Kodak Alaris sein Kerngeschäft Fotofinishing und seine
internationale Präsenz im Handel ausbauen.
Ansonsten bewegten Analystenaussagen. Für Schaeffler
ging es um 0,8 Prozent auf 8,45 Euro hoch. Die Schweizer Bank UBS
erhöhte ihr Kursziel für die Aktien des Auto- und
Industriezulieferers um einen auf 8,10 Euro und strich ihr
Verkaufsvotum.
Die Anteile von Knorr-Bremse zogen um 1,1 Prozent an,
nachdem die US-Bank JPMorgan ihnen den Stempel "Positive Catalyst
Watch" aufgedrückt hatte. Damit gab Experte Akash Gupta seinen
optimistischen Erwartungen für die Ende Juli anstehenden
Quartalszahlen des Bremsenspezialisten Ausdruck./gl/mis