ROUNDUP/Aktien Frankfurt Schluss: Dax rutscht mit Tech-Schwäche deutlich ab
Der Dax hat am Freitag eine
wechselhafte Woche mit deutlichen Verlusten beendet. Dem Abwärtssog
der asiatischen Märkte konnte sich der deutsche Leitindex nicht
entziehen. Zudem kam auch von den uneinheitlichen US-Börsen keine
Unterstützung.
Zum Handelsschluss verlor der Dax 1,29 Prozent auf 24.671,22 Punkte.
Damit verpuffte nicht nur der Erholungsversuch vom Donnerstag. Der
Dax rutschte zudem wieder unter die für den kurzfristigen Trend
wichtige 21-Tage-Linie. Der Wochenverlust ist fast identisch mit dem
Tagesminus. Für den Monat Juni steht ein Rückgang um 1,7 Prozent zu
Buche und für die erste Jahreshälfte noch ein Plus von 0,7 Prozent.
Für den MDax ging es am Freitag letztlich um 1,20
Prozent auf 31.588,65 Punkte bergab. Der Eurozonen-Leitindex
EuroStoxx 50 verabschiedete sich mit einem
Tagesverlust von 0,7 Prozent. Für den Schweizer SMI
ging es weniger deutlich und für den britischen FTSE 100
nur moderat bergab.
In Asien hatten die Anleger nach den gefeierten Resultaten des
US-Halbleiterkonzerns Micron bei Tech-Werten gleich
wieder Gewinne mitgenommen - vor allem in Tokio und Seoul. Der
US-Leitindex Dow Jones Industrial legte zum
europäischen Handelsende moderat zu, wogegen der technologielastige
Nasdaq 100 nachgab.
"Bei den Investoren wachsen nach den jüngsten Nachrichten die
Zweifel, ob die Konsumenten die Preiserhöhungen der
Technologiekonzerne noch in der Masse mittragen werden", schrieb
Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst bei CMC Markets. Er verwies
darauf, dass Apple erstmals die gestiegenen Halbleiterpreise an
seine Kunden weitergebe.
"Noch kommen die Gewinne und hohen Margen der Chipunternehmen
zustande, weil Konzerne wie Apple diese bezahlen."
Doch wenn Kunden die höheren Preise nicht mehr akzeptierten, dann
"spult sich die Kette von hinten auf", warnte Lipkow. Dies würde die
hoch bewertete Halbleiterbranche empfindlich treffen.
Marktexperte Jürgen Molnar nannte zudem Berichte über eine mögliche
Verschiebung des OpenAI-Börsengangs als Stimmungsbremse.
Im Chipbereich erfasste die erneute Abwärtsbewegung viele deutsche
Aktien, darunter den Halbleiterhersteller Infineon
mit einem Abschlag von 4,5 Prozent. Für die Branchenausrüster Suss
, Aixtron und PVA Tepla
sowie den Waferhersteller Siltronic ging es am Ende
um bis zu knapp sechs Prozent bergab. Die Abwärtsbewegung erfasste
mit Siemens Energy und Hochtief auch
KI-Profiteure aus anderen Branchen.
Am Dax-Ende büßten Zalando-Aktien etwas mehr als
sechs Prozent ein. Die Finanzaufsichtsbehörde Bafin leitete bei dem
Modehändler eine Prüfung des Konzernabschlusses ein. Sie sieht
Anhaltspunkte, dass gegen Rechnungslegungsvorschriften verstoßen
wurde. Eine Stellungnahme, dass es sich "um einen rein formellen,
aber materiell unwesentlichen Aspekt in den Anhangsangaben" handele,
sorgte im Verlauf für etwas Entlastung.
Im Rüstungssegment erholte sich Renk mit plus 3,2
Prozent vom jüngsten Kursrutsch, der im Zuge eines verlorenen
Rheinmetall -Großauftrags weite Teile der Branche
erfasst hatte. Die US-Regierung gab am Vorabend den
Vertragsabschluss für einen Auftrag an Renk im Wert von 691
Millionen US-Dollar bekannt.
Einen Bogen machen die Anleger weiter um Autowerte. VW
wurden zwar zeitweise von einem Medienbericht über
noch weitreichendere Umstrukturierungen gestützt. Letztlich tauchten
aber auch die Titel der Wolfsburger mit 3,9 Prozent ins Minus ab.
Dem "Manager Magazin" zufolge könnten in den kommenden Jahren bis zu
100.000 Stellen wegfallen und vier Werke geschlossen werden.
Die am Ende unveränderten Bayer-Aktien verteidigten
ihren Vortagskurssprung wegen eines wichtigen Erfolgs in den
Glyphosat-Rechtsstreitigkeiten weitgehend. Analyst James Quigley von
Goldman Sachs sieht in der Entscheidung des Obersten Gerichts in den
USA einen großen Schritt, um eine Dekade der Rechtsrisiken im
Zusammenhang mit dem Unkrautvernichter zu beenden./gl/zb