Aktien Frankfurt: Dax wieder unter Druck nach Kursrutsch in Asien
Die Vortagserholung erweist sich am Freitag am
deutschen Aktienmarkt als Strohfeuer. Nach teils deutlichen
Kursverlusten in Asien rutschte der Dax um 1,1
Prozent ab. Mit 24.722 Punkten näherte er sich seinem Wochentief vom
Mittwoch. Die zeitweise wieder erreichte Marke von 25.000 Punkten
blieb für den Leitindex erneut eine zu hohe Hürde. Auf Wochensicht
liegt der Leitindex jetzt wieder klar in der Verlustzone.
Auf europäischer Bühne verbuchten deutsche Aktien in der Breite
überdurchschnittliche Verluste, denn für den MDax
ging es am letzten Handelstag der Woche um 1,1 Prozent auf 31.626
Zähler bergab. Der EuroStoxx fiel etwas moderater um 0,7 Prozent. In
Asien hatten die Anleger nach den gefeierten Resultaten des
US-Konzerns Micron direkt wieder Gewinne mitgenommen
- vor allem in Tokio und Seoul. In New York bahnt sich auch ein
schwächerer Start an.
Die Bedenken angesichts hoher Bewertungen rund um Künstliche
Intelligenz seien zurück, schrieb am Morgen der Marktbeobachter
Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. Hinzu komme die
Sorge vor einer Knappheit von Speicherchips. "Die Stimmung ist
gerade dabei, sich zu drehen. Anlegerinnen und Anleger werden
generell vorsichtiger. Die Risikoaversion nimmt zu."
Im Chipbereich erfasste die erneute Abwärtsbewegung viele deutsche
Aktien, darunter den Halbleiterhersteller Infineon
mit einem Abschlag, der bis zum Mittag auf vier Prozent angewachsen
ist. Für die Branchenausrüster Aixtron , Suss
und PVA Tepla sowie den
Waferhersteller Siltronic ging es zuletzt um bis zu
4,3 Prozent bergab.
Die erneute Abwärtsbewegung erfasste aber auch andere Aktien, die
wegen des Rechenzentren-Booms schon länger zu den KI-Profiteuren
zählen. Neben dem Energietechnik-Konzern Siemens Energy
zählt dazu auch der Baukonzern Hochtief
. Die Anteile gehörten mit 4,1 und 2,5 Prozent zu den
größeren Dax-Verlierern.
Etwas deutlicher erwischte es die Zalando -Aktien. Die
Finanzaufsichtsbehörde Bafin hat bei dem Modehändler eine Prüfung
des Konzernabschlusses eingeleitet wegen Anhaltspunkten, dass gegen
Rechnungslegungsvorschriften verstoßen wurde. Eine Stellungnahme,
dass es sich "um einen rein formellen, aber materiell unwesentlichen
Aspekt in den Anhangsangaben" handele, sorgte aber für etwas
Entlastung. Das mehr als zehn Prozent große Spitzenminus halbierte
sich fast auf zuletzt 5,6 Prozent.
Im Rüstungssegment erholte sich Renk vom jüngsten
Kursrutsch, der im Zuge eines verlorenen Rheinmetall
-Großauftrags weite Teile der Branche erfasst hatte.
Die US-Regierung gab am Vorabend den Vertragsabschluss für einen
Auftrag im Wert von 691 Millionen US-Dollar bekannt. Mit einem Plus
von 4,2 Prozent hob sich Renk positiv ab in einem Umfeld
schwächelnder Rüstungswerte.
Die Bayer-Aktien verteidigten ihren Vortagskurssprung
wegen eines wichtigen Erfolgs in den Glyphosat-Rechtsstreitigkeiten
mit einem weiteren Anstieg. Analyst James Quigley von Goldman Sachs
sieht mit der Entscheidung des Obersten Gerichts in den USA einen
großen Schritt, um eine Dekade der Rechtsrisiken im Zusammenhang mit
dem Unkrautvernichter zu beenden./tih/jha/