Aktien Frankfurt: KI-Korrektur belastet den Dax - Ursprung in Asien
Der Dax ist am Dienstag wieder
klar unter die Marke von 25.000 Punkten gesunken. Erneut gelang es
dem Leitindex nicht, einen Sprung über die Tausendermarke zu
bestätigen. Eine von den Asien-Börsen ausgehende Korrektur bei
Profiteuren des Megatrends der Künstlichen Intelligenz sorgte im
Technologiebereich für Katerstimmung. Dies zeigte sich vorbörslich
auch in New York.
Am Nachmittag büßte der Dax ein Prozent auf 24.890 Punkte ein,
nachdem er am Montag mit 25.176 Punkten ein Hoch seit Anfang Juni
erreicht und sich seinem Rekord genähert hatte. Der MDax
fiel am Dienstag um 1,5 Prozent auf 32.080 Zähler. In
Asien waren die Gewinnmitnahmen zuvor so heftig gewesen, dass der
Handel in Südkorea zeitweise ausgesetzt wurde. In New York steuert
der Nasdaq 100 auf einen fast drei Prozent hohen
Abschlag zu.
"Wir sehen einen in höchstem Maße stimmungsgetriebenen Handel.
Gerade in der Nähe von Rekordnotierungen werden Anleger schnell
nervös, wenn sich die Rally dann nicht direkt mit Schwung nach oben
fortsetzt", schrieb der Marktbeobachter Jochen Stanzl von der
Consorsbank. Im Tech-Sektor äußere sich dies bei dem
Rekord-Börsengang SpaceX , dessen Kurs vorbörslich
wieder zeitweise das Niveau zum Börsenstart erreichte.
Europäische Werte mit viel eingepreister KI-Fantasie folgten am
Morgen der internationalen Entwicklung. Im Energietechnik-Bereich
galt dies für Siemens Energy und den frisch in den
Dax aufgestiegenen Baukonzern Hochtief mit Abgaben,
die bis zu sechs Prozent groß waren. Beide Aktien waren in den
vergangenen Monaten starke Profiteure der gigantischen Investitionen
in Rechenzentren.
Besonders stark waren die Rückschläge aber im globalen Chipsegment,
aus dem hierzulande Infineon mehr als fünf Prozent an
Wert einbüßten. Sie kamen damit von ihrem 26-Jahreshoch zurück. Für
die Titel der Halbleiter-Branchenausrüster Suss Microtec
, Aixtron und PVA Tepla
ging es um bis zu elf Prozent bergab.
Die Messlatte im Chipbereich hängt laut Stanzl hoch. Daher richte
sich der Blick bereits auf die am Mittwochabend erwarteten Resultate
von Micron . "Die Zahlen des Chipherstellers dürften
zu einem Stresstest für den gesamten Sektor werden", betonte der
Consorsbank-Experte. Angesichts einer Vervierfachung der
Micron-Aktien in diesem Jahr würden wohl "nur noch allerbeste
Quartalszahlen" akzeptiert.
Abseits der Tech-Werte rückte RWE in den Fokus. Wie
zuletzt schon spekuliert, will der Energiekonzern die Mehrheit am
Übertragungsnetzbetreiber Amprion übernehmen. Eine dafür
erforderliche Kapitalerhöhung stand dem eigentlich positiven
Feedback von Analysten gegenüber. Die Aktien bewegten sich zuletzt
mit 1,3 Prozent im Minus.
Bei Vonovia lastete auch eine Finanzierungsmaßnahme
auf dem Kurs. Eine Wandelanleihe zog bei dem Wohnimmobilien-Konzern
einen Abschlag von 2,8 Prozent nach sich. Üblicherweise müssen
Anleger dabei einen Verwässerungseffekt befürchten, wenn die
Anleihen später in Aktien gewandelt werden.
Gewinner waren allgemein rar in der Dax-Familie. Robust entwickelten
sich Werte aus defensiven Bereichen wie etwa Telekommunikation oder
Gesundheit. Das Index-Schwergewicht SAP sorgte im Dax
mit einer Erholung um 2,5 Prozent für ein nicht ausreichendes
Gegengewicht. Software-Aktien hatten sich zuletzt konträr zum
Tech-Sektor sehr schwach entwickelt aus Sorge vor einer Bedrohung
durch KI.
Im MDax hoben sich die DWS -Titel mit fast sechs
Prozent Plus positiv ab. Der Analyst Arnaud Giblat von der
Investmentbank Exane BNP stufte die Aktien des Fondsanbieters wegen
einer verbesserten Geschäftsdynamik auf "Outperform" hoch. Mit
seinem Kursziel von 74 Euro liegt der Experte deutlich über dem
bisherigen Rekord von 65,80 Euro, der am Dienstag in der Spitze
nochmals eingestellt wurde./tih/jha/