ROUNDUP/Aktien Frankfurt Schluss: Dax erholt sich dank fallendem Ölpreis und EZB
Der deutsche Aktienmarkt hat sich am
Donnerstag von einer schwächeren Eröffnung erholt und im Zuge
fallender Ölpreise merklich zugelegt. Die Zinsentscheidung der
Europäischen Zentralbank (EZB) und Rekorde an den US-Börsen stützten
zusätzlich. Letztlich ging der deutsche Leitindex 1,41 Prozent höher
mit 24.292,38 Punkten ins feiertagsbedingt verlängerte Wochenende.
Damit steht für den Dax ein Wochengewinn von 0,7 Prozent zu Buche,
im April hat er sogar um gut 7 Prozent zugelegt. Der Kursverlust
seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar beträgt aber noch knapp 4
Prozent. Der MDax mit den mittelgroßen Werten
verabschiedete sich am Donnerstag 1,93 Prozent höher bei 30.589,95
Zählern aus dem Handel.
Hauptgrund für die Erholung war eine leichte Entspannung am Ölmarkt.
Die stockenden Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran trieben
die Ölpreise zunächst auf ein Mehrjahreshoch, schließlich kamen sie
aber spürbar zurück. US-Präsident Donald Trump sagte bereits am
Mittwoch, es habe zwar Fortschritte im Gespräch mit Teheran gegeben,
ein Durchbruch sei allerdings noch nicht erreicht. Berichten zufolge
erwägt Trump, wieder größere Kampfeinsätze aufzunehmen. Der Iran
drohte daraufhin mit Vergeltung.
Die Europäische Zentralbank ließ die Leitzinsen im Euroraum wie
erwartet unverändert - obwohl der Ölpreisschock die Inflation in der
Eurozone im April auf 3,0 Prozent getrieben hatte. Volkswirte
erwarten aber, dass die EZB die Zinsen im Jahresverlauf anheben
wird. "Wir sehen nur begrenzten Spielraum für die Notenbank, über
erhöhte Energiepreise und Angebotsstörungen hinwegzusehen",
kommentierte Kapitalmarktstrategin Ann-Katrin Petersen vom
Vermögensverwalter Blackrock. Auch die Bank of England entschied
sich für unveränderte Zinsen. Am Vorabend hatte zudem die
US-Notenbank Fed den Leitzins erwartungsgemäß nicht angetastet.
Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 stieg am
Donnerstag um 1,12 Prozent auf 5.881,51 Punkte. In London und Zürich
ging es ebenfalls aufwärts. In den USA legte der Wall-Street-Index
Dow Jones Industrial zum europäischen Handelsschluss
um fast anderthalb Prozent zu, während sich der technologielastige
Nasdaq 100 sogar zu einem weiteren Rekordhoch
aufschwang - angetrieben von satten Kursgewinnen der Tech-Giganten
Amazon , Alphabet und Qualcomm
.
In der Folge waren aus Branchensicht die vom KI-Hype erfassten
deutschen Halbleiterwerte gefragt. Aixtron stiegen
nach Quartalszahlen um 5,1 Prozent und profitierten von der
Nachfrage im Optoelektronik-Geschäft. Infineon legten
um 2,6 Prozent zu, nachdem sie zur Wochenmitte von guten Zahlen des
niederländischen Chipkonzerns NXP profitiert hatten.
Suss-Microtec-Anteile erklommen ein Rekordhoch und
verbuchten letztlich ein Plus von 9,4 Prozent. Siltronic
und PVA Tepla gewannen 6,3
beziehungsweise 3,9 Prozent.
Die DHL Group war mit einem Plus von 7,5 Prozent
größter Gewinner im Dax. Das operative Ergebnis (Ebit) des
Logistikkonzerns liege im ersten Quartal vor allem dank des starken
Express-Geschäfts klar über dem Konsens, lobte UBS-Analyst Cristian
Nedelcu. Er attestierte den Bonnern insgesamt gute Zahlen.
Der Chemiekonzern BASF bekam auch im ersten Quartal
den Wettbewerbsdruck zu spüren. Analyst Chetan Udeshi von der
US-Großbank JPMorgan sprach in einer ersten Reaktion von einem
durchwachsenen Quartal. Umsatz und operatives Ergebnis gingen
zurück, BASF bestätigte aber die Jahresziele. Die Aktien stiegen
schlussendlich um 1,3 Prozent.
Für die Aktien von Volkswagen ging es um 0,9 Prozent
nach oben. Der Autobauer geriet zwar in einem schwierigen Umfeld bei
der Profitabilität weiter unter Druck. JPMorgan-Analyst Jose
Asumendi verwies aber auf einen starken Barmittelzufluss. Auf diesen
hätten viele Anleger ihr Augenmerk gerichtet und er sei deutlich
besser ausgefallen als von ihm erwartet.
Auch Triebwerksbauer MTU konnte mit seiner
Quartalsbilanz punkten, die Anteilscheine kletterten um 2,8 Prozent
höher. MTU fürchtet trotz der hohen Kerosinpreise keine stärkeren
Auswirkungen des Iran-Kriegs auf sein Geschäft. Analysten zeigten
sich außerdem mit dem ersten Quartal des Triebwerkbauers zufrieden
und lobten einhellig den starken Barmittelfluss.
Brenntag-Aktien verzeichneten einen Kursanstieg von 4
Prozent auf 62,08 Euro. Zuvor hatte die schweizerische Großbank UBS
die Papiere des Chemikalienhändlers von "Sell" auf "Neutral"
hochgestuft und das Kursziel von 42 auf 60 Euro angehoben. Der
Nahost-Krieg habe die Weichen neu gestellt, Preissprünge bei Energie
und Chemieprodukten sorgten für bessere Gewinnaussichten bei
Brenntag, schrieb Analystin Nicole Manion.
Im MDax setzten sich Delivery Hero mit einem Kursplus
von 7,1 Prozent an die Spitze. Der Essenlieferdienst wird bei seinem
Gewinnziel fürs laufende Jahr etwas optimistischer. Obendrein habe
Delivery Hero die Erwartungen insbesondere mit dem sehr starken
Bruttowarenwert (Gross Merchandise Value, GMV) übertroffen und zeige
trotz des Nahostkonflikts eine starke Auftragsdynamik, schrieb
Analyst Wassachon Udomsilpa von der kanadischen Bank RBC.
Die Aktien von Gea , Hochtief , Munich
Re , Rational und RTL
wurden am Donnerstag mit Dividendenabschlägen gehandelt./niw/he