Aktien Frankfurt: Sinkender Ölpreis und EZB-Zinsentscheid stützen Dax
Der deutsche Aktienmarkt hat sich am
Donnerstag von einer schwächeren Eröffnung erholt und im Zuge
fallender Ölpreise merklich zugelegt. Am letzten Tag der
feiertagsbedingt verkürzten Handelswoche stehen neben den Bilanzen
wichtiger US-Technologiekonzerne und einer Fülle an Zahlen deutscher
Unternehmen auch die jüngsten Zinsentscheidungen der US-Notenbank
Fed sowie der Europäischen Zentralbank (EZB) im Fokus.
Der im frühen Handel noch schwächelnde Dax stieg nach
dem EZB-Zinsentscheid auf sein Tageshoch und notierte zuletzt 0,9
Prozent im Plus bei 24.176 Punkten. Damit deutet sich für den
Leitindex ein Wochengewinn von rund 0,2 Prozent an. Der MDax
mit den mittelgroßen Werten gewann zuletzt 1,7
Prozent auf 30.520 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50
legte um 0,5 Prozent zu.
Grund für die Dax-Erholung war, dass die Ölpreise von ihrem
Mehrjahreshoch deutlich zurückkamen. Nachdem US-Präsident Donald
Trump einen iranischen Vorschlag, zunächst die Seeblockade zu
lockern und Gespräche über ein Abkommen zum Atomprogramm später zu
führen, abgelehnt hatte, stieg Rohöl der Nordseesorte Brent zur
Lieferung im Juni am Morgen bis auf 126,41 US-Dollar. Danach
bröckelte der Preis aber stetig ab und lag zuletzt bei rund 114
Dollar.
Die Verhandlungen über eine Beilegung des Konflikts zwischen den USA
und dem Iran sind zuletzt ins Stocken geraten. Trump sagte am
Mittwoch, es habe zwar Fortschritte gegeben, ein Durchbruch sei aber
noch nicht erreicht. Eine Einigung werde es nur geben, wenn Teheran
vollständig auf Atomwaffen verzichte.
Die Europäische Zentralbank ließ die Leitzinsen im Euroraum trotz
des Ölpreisschocks wie erwartet unverändert. Volkswirte erwarten
jedoch, dass die Zentralbank im Jahresverlauf die Zinsen anheben
wird, wenn ihr mehr Daten vorliegen, um die Folgen des Nahost-Kriegs
zu beurteilen. Auch die Bank of England entschied sich für
unveränderte Zinsen. Am Vorabend hatte zudem die US-Notenbank Fed
den Leitzins erwartungsgemäß nicht angetastet.
Die Quartalsergebnisse von Alphabet , Amazon
, Microsoft , Meta und
Qualcomm am Mittwochabend hätten die Investoren nicht
vollends zufriedengestellt, erklärte Analyst Andreas Lipkow von CMC
Markets. Am Donnerstag nach US-Börsenschluss veröffentlicht mit dem
iPhone-Produzenten Apple ein weiteres Unternehmen aus
der Gruppe der "Glorreichen Sieben" seine Quartalsbilanz.
Aus Branchensicht waren die vom KI-Hype erfassten deutschen
Halbleiterwerte gut gefragt. Aixtron stiegen nach
Quartalszahlen um 2,6 Prozent und profitierten von der Nachfrage im
Optoelektronik-Geschäft. Infineon legten um 1,8
Prozent zu, nachdem sie zur Wochenmitte von guten Zahlen des
niederländischen Chipkonzerns NXP profitiert hatten.
Suss-Microtec-Anteile erklommen ein Rekordhoch und
verbuchten zuletzt einen Zuwachs von 9,8 Prozent. Siltronic
und PVA Tepla gewannen 4,3
beziehungsweise 4,7 Prozent.
Bei der DHL Group stieg der operative Gewinn (Ebit)
im ersten Quartal stärker als erwartet. Die freien Barmittelzuflüsse
vor Zu- und Verkäufen von Unternehmensteilen fielen ebenfalls
deutlich besser als prognostiziert aus. Derweil sank der Umsatz
etwas stärker als geschätzt. Die Jahresziele bestätigte der
Logistikkonzern. Für die Aktien ging es an der Dax-Spitze zuletzt um
5,4 Prozent aufwärts.
Der Chemiekonzern BASF bekam auch im ersten Quartal
den Wettbewerbsdruck zu spüren. Der Umsatz schrumpfte um drei
Prozent. Das operative Ergebnis (Ebitda) ging um knapp sechs Prozent
zurück. Unter dem Strich stieg der auf die Aktionäre entfallende
Gewinn um knapp 15 Prozent. Dies hängt mit Dividendenzahlungen von
der Beteiligung von Wintershall Dea zusammen. Die Ziele für das
Gesamtjahr bestätigte der Vorstand. Die Aktien stiegen um 0,2
Prozent.
Der VW-Konzern geriet im ersten Quartal in einem
schwierigen Umfeld und wegen Kosten für die US-Einfuhrzölle bei der
Profitabilität weiter unter Druck. Die operative Marge lag bei 3,3
Prozent, rund 0,4 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert. Analysten
hatten im Schnitt mit 3,7 Prozent gerechnet. Das operative Ergebnis
ging insgesamt um gut 14 Prozent zurück, der Umsatz sank leicht. Die
VW-Vorzugsaktie gewann 1,5 Prozent.
Der Triebwerksbauer MTU steigerte den Umsatz im
ersten Quartal trotz eines negativen Umfelds und des schwachen
US-Dollar um sechs Prozent. Der um Sonderposten bereinigte operative
Gewinn (Ebit) wuchs ebenso stark und übertraf die durchschnittlichen
Erwartungen von Analysten. Der Vorstand um MTU-Chef Johannes
Bussmann hält an seinen Jahreszielen fest, rüstet sich aber für
mögliche Belastungen durch den Iran-Krieg. Die MTU-Papiere
verteuerten sich um 3,3 Prozent.
Brenntag-Aktien verzeichneten einen Kursanstieg von
3,4 Prozent auf 61,74 Euro. Zuvor hatte die Schweizer Großbank UBS
die Papiere des Chemikalienhändlers von "Sell" auf "Neutral"
hochgestuft und das Kursziel von 42 auf 60 Euro angehoben. Der
Nahost-Krieg habe die Weichen neu gestellt, Preissprünge bei Energie
und Chemieprodukten sorgten für bessere Gewinnaussichten bei
Brenntag, schrieb Analystin Nicole Manion.
Die Aktien von Gea , Hochtief , Munich
Re , Rational und RTL
werden am Donnerstag mit Dividendenabschlägen gehandelt./edh/jha/