Der Dax ist am sogenannten
großen Verfallstag eingeknickt. An diesem Freitag liefen an den
Termin- und Derivatebörsen Futures und Optionen auf Aktienindizes
aus, was immer wieder für größere Kursschwankungen sorgt. Wegen der
angespannten Lage im Nahen Osten und der Öl- und Gasversorgung
bleiben die Anleger vorsichtig, auch wenn der Ölpreis über Nacht
nochmals etwas nachgab.
Der Dax notierte am Freitagnachmittag 1,3 Prozent tiefer bei 25.394
Punkten. Auf Wochensicht deutet sich damit für den Leitindex ein
Minus von rund einem halben Prozent an. Der MDax der
mittelgroßen Unternehmen sank um 0,3 Prozent auf 31.343 Zähler. Für
den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 1,4
Prozent abwärts.
Marktteilnehmern zufolge richtet sich das Augenmerk der Anleger auf
die Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern an diesem
Wochenende. Das schlimmste Szenario für Bundeskanzler Friedrich Merz
(CDU) wäre der Verlust des Berliner Oberbürgermeisteramtes und/oder
das Verfehlen der 5-Prozent-Hürde in Mecklenburg-Vorpommern, hieß
es.
Als möglichen Belastungsfaktor nannte Analyst Andreas Lipkow von CMC
Markets aktuelle deutsche Inflationsdaten. Der Anstieg der
Erzeugerpreise beschleunigte sich im August stärker als erwartet.
Damit verdichteten sich die Hinweise auf einen wieder zunehmenden
Preisdruck in Deutschland, so Lipkow.
Die Aktien von Infineon standen mit einem Kursplus
von 2,4 Prozent an der Dax-Spitze. Die Investmentbank Oddo BHF hatte
die Anteilsscheine des Halbleiterkonzerns von "Neutral" auf
"Outperform" hochgestuft. Mittlerweile ließen sich die Aussichten
auf eine hervorragende Geschäftsdynamik des Unternehmens im Jahr
2027 kaum noch ignorieren, betonte Analyst Stephane Houri.
Auch andere Werte aus dem Halbleitersektor setzten ihre Erholung
fort, nachdem Anfang der Woche noch die Sorge dominiert hatte, dass
der KI-Ausbau überhandnimmt und Sicherheitsrisiken mit sich bringt.
Zuletzt gab es aber beruhigende Stimmen, dass dies eher mehr
Rechenleistung erforderlich macht als weniger. Dies wirkte sich am
Freitag dann auch stützend auf die Aktien der deutschen
Chip-Branchenausrüster Jenoptik , Suss Microtec
sowie Aixtron aus.
Besonders deutlich legten zu Wochenschluss die Siltronic-Papiere
mit plus 7,8 Prozent zu. Sie profitierten davon, dass
die Schweizer Großbank UBS ihnen mit einem 120-Euro-Ziel noch viel
Potenzial zutraut, obwohl der Kurs in diesem Jahr schon um mehr als
die Hälfte zugelegt hat.
Der Aktienkurs der Deutschen Telekom verlor nach
einem negativen Analystenvotum für den französischen Wettbewerber
Orange 4,3 Prozent. Damit fiel die T-Aktie auf den
tiefsten Stand seit Anfang August und bildete das Schlusslicht im
Dax.
Die Anteilsscheine von Renk verteuerten sich um 4,7
Prozent, nachdem die US-Investmentbank Goldman Sachs die Papiere des
Getriebespezialisten im Rüstungsbereich von "Neutral" auf "Buy"
hochgestuft hatte. Der jüngste Kursrückschlag biete Anlegern eine
attraktive Einstiegsgelegenheit, schrieb Analyst Sam Burgess. Renk
zeichne sich durch eine gut absehbare Wachstums- und
Gewinnentwicklung aus.
Die Aktien von Redcare Pharmacy knüpften an ihren
elfprozentigen Kurssprung vom Donnerstag an und stiegen um weitere
2,9 Prozent. Am Freitagmorgen wurde ein Kommentar der Deutschen Bank
bekannt, der am Donnerstag womöglich schon bei einigen Anlegern
durchgesickert war. Demnach sieht Analyst Jan Koch in der jüngsten
Kursschwäche aktuell eine besonders gute Einstiegschance. Die
Ergebnisse der Online-Apotheke zum dritten Quartal dürften die
jüngst angehobenen, aber immer noch konservativ erscheinenden
Jahresziele untermauern, hieß es./edh/stk