Aktien Frankfurt: Dax auf Rekordhoch - US-Jobdaten mindern Zinssorgen
Der Dax ist am Freitag auf ein
Rekordhoch gestiegen. Der schon zuvor guten Stimmung verliehen am
Nachmittag US-Arbeitsmarktdaten den notwendigen zusätzlichen Schub
für eine erneute Bestmarke, die nun über 26.440 Punkten liegt.
Zuletzt gewann der Leitindex 1,1 Prozent auf 26.433 Punkte. Auf
Wochensicht zeichnet sich für ihn ein Plus von rund drei Prozent ab.
Der MDax stieg am Freitagnachmittag um 0,6 Prozent
auf 32.638 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50
setzte seine Rekordjagd auch fort mit einem Anstieg
um 0,9 Prozent.
Die Aussichten für eine dauerhafte Einigung zwischen den USA und dem
Iran zur Wiederöffnung der Straße von Hormus bleiben zwar ungewiss,
schwerer wogen aber gute deutsche Exportdaten sowie der
US-Arbeitsmarktbericht. Dieser milderte Sorgen etwas, dass die
US-Notenbank Fed die Leitzins schon bald anheben könnte.
"Der Nahostkonflikt bleibt der größte Bremsklotz für die globale
konjunkturelle Entwicklung in den kommenden Monaten. Zwar deutet
sich eine Erholung in den größten Wirtschaftsräumen an, aber diese
hängt am seidenen Faden der Energiepreise", kommentierte Analyst
Andreas Lipkow von CMC Markets.
Überdurchschnittlich gefragt war am Freitag der Chipsektor, auch
infolge von Geschäftszahlen von Microchip Technology .
Das US-Halbleiterunternehmen hatte für das erste Geschäftsquartal
einen Gewinnsprung ausgewiesen und einen Ausblick gegeben, der gut
ankam. Hinzu kam für Chipausrüster die Nachricht, dass der
südkoreanische Speicherchiphersteller SK Hynix viele
Milliarden US-Dollar in den Ausbau seiner Produktion im Heimatland
stecken will.
Hierzulande legten sowohl Halbleiter- als auch bei Software-Aktien
zu. Im Dax stiegen SAP um knapp drei Prozent sowie
Infineon um mehr als vier Prozent. Auch im MDax
lagen Papiere aus diesen beiden Bereichen auf den
vorderen Plätzen, etwas Aixtron , Suss Microtec
, Ionos und Nemetschek .
In der jüngeren Vergangenheit war dies nicht immer so: Entweder
hatte es Gewinne bei Chipwerten gegeben und Verluste im
Software-Bereich oder umgekehrt. Bei Chip- und KI-Werten gaben die
hohen Bewertungen teils Anlass zur Sorge, die Bewertungen haben aber
mittlerweile teils deutlich korrigiert. Bei Software-Papieren
wiederum hinterließ die Furcht, dass durch KI Geschäftsmodelle
gefährdet werden könnten, ihre Spuren. Diese Furcht weicht aktuell
ein Stück weit.
Geringe Katastrophenschäden und gute Geschäfte in allen Bereichen
bescherten dem Versicherer Allianz derweil im zweiten
Quartal ein Rekordergebnis. Der operative Gewinn stieg um fast elf
Prozent auf ein Rekordhoch. Unterm Strich hatten sich Analysten aber
mehr versprochen. Jefferies-Analyst Philip Kett sprach in einer
ersten Reaktion von einem enttäuschenden Wachstum im
Nicht-Lebensversicherungsgeschäft. Die Allianz-Aktie notierte
zuletzt kaum verändert.
Der Rückversicherer Munich Re bekommt den
Preisabschwung im Geschäft mit Erstversicherern wie der Allianz
deutlich zu spüren. Nach weiteren Abschlägen bei der jüngsten
Vertragserneuerung kappte Vorstandschef Christoph Jurecka sein
Umsatzziel für das laufende Jahr. Die Kürzung habe ihn nicht
überrascht und auch der Konsens habe dies bereits in seinen
Schätzungen berücksichtigt, betonte JPMorgan-Analyst Kamran Hossain.
Die Papiere der Münchener gaben um 2,3 Prozent nach.
Der Nutzfahrzeughersteller Daimler Truck musste beim
Nettogewinn im zweiten Quartal deutliche Abstriche machen. Das
Ergebnis je Aktie sackte im Jahresvergleich um fast die Hälfte ab.
Unter anderem belasteten Zölle die Profitabilität auf dem wichtigen
nordamerikanischen Markt. Analysten bemängelten vor allem die
Auftragslage der Stuttgarter. Vorläufige Zahlen zum Tagesgeschäft
hatte das Unternehmen bereits vor gut zwei Wochen vorgelegt. Für die
Aktien der Stuttgarter ging es am Dax-Ende um 3,3 Prozent abwärts.
Die Papiere von Brenntag beschleunigten am Morgen
ihre Anfang Juli gestartete Kursrally mit einem deutlichen
Kursanstieg auf den höchsten Stand seit März 2025. Im weiteren
Verlauf bröckelten die Papiere jedoch merklich ab und notierten
zuletzt nur noch mit 0,6 Prozent im Plus. Die aktuelle
Nachfrageentwicklung stimmt den Chemikalienhändler noch
optimistischer für das laufende Jahr.
Die Aktien von Scout24 machten ihre am Vortag infolge
der Veröffentlichung von Quartalszahlen verzeichneten Verluste fast
wett. Zuletzt gewannen sie im Dax 3,6 Prozent. Die DZ Bank hatte die
Papiere des Internetportal-Betreibers auf ihre "Equity Long
Ideas"-Liste gesetzt.
Der Spezialchemiekonzern Lanxess steigerte im zweiten
Quartal das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis (Ebitda)
leicht, Lanxess-Chef Matthias Zachert betonte allerdings, dass "kein
nachhaltiger Aufschwung der Nachfrage in unseren Kernmärkten in
Sicht" sei und die Marktbedingungen anspruchsvoll blieben. Die
Aktien fielen um 4,7 Prozent./mis/edh/tih