ROUNDUP/Aktien Frankfurt Eröffnung: Rheinmetall hält Dax unter Druck
Nach dem Vortagsrückschlag meiden die Anleger
am Mittwoch bei deutschen Aktien weiter das Risiko. Neu belastet von
den absackenden Rheinmetall-Aktien entfernte sich der
Dax weiter von der zuletzt umkämpften
25.000-Punkte-Marke. Mit einem Abschlag von 0,8 Prozent auf 24.693
Punkte rutschte der deutsche Leitindex unter seine 21-Tage-Linie.
Der MDax gab auch um 0,8 Prozent auf 31.889 Punkte
nach.
Vor dem Hintergrund der jüngsten Korrektur, die am Vortag im
Technologiesektor eingesetzt hatte, warten die Anleger auf die nach
US-Börsenschluss erwarteten Quartalszahlen des US-Chipkonzerns
Micron . Am Vortag waren sie nervös geworden ob der
enorm hohen Erwartungen, die als eingepreist gelten. Die Commerzbank
sprach von wieder aufgekommenen "Zweifeln an der Nachhaltigkeit der
KI-getriebenen Aktienrally".
Die Rheinmetall-Aktien brachen um bis zu 16 Prozent ein, weil ein
Großauftrag der Bundeswehr für neue Fregatten laut Medienberichten
zugunsten des Schiffsbauers TKMS umgeleitet wird.
Analyst David Perry von JPMorgan sieht darin einen größeren
Rückschlag für den Rüstungskonzern, dessen Titel in den vergangenen
Jahren ein gewisses Gewicht im Dax aufgebaut haben. Nach mehr als
einem Jahr wurden sie wieder unter 1.000 Euro gehandelt. Vom
Rekordhoch im vergangenen Oktober hat sich der Kurs jetzt halbiert.
Perry bezifferte den eigentlich für Rheinmetall vorgesehenen
Auftragswert für Fregatten des Typs F126 auf 12 Milliarden Euro. Er
befürchtet, dass das diesjährige Ziel für die Auftragseingänge
verfehlt werden könnte. Die Nachrichten setzten auch die deutschen
Rüstungswerte Hensoldt und Renk unter
Druck. Die TKMS-Titel dagegen zogen im MDax mächtig um zehn Prozent
an. Der "Spiegel" berichtete, stattdessen wolle
Verteidigungsminister Boris Pistorius kleinere Fregatten des Typs
MEKO-A-200 von dem Schiffbauer beschaffen. Rheinmetall wollte sich
dazu nicht äußern.
Die DHL-Aktionäre verdrängten die Enttäuschung, die
erste Reaktionen auf die Zahlen des US-Konkurrenten Fedex
ausdrücken. Rückläufige Margen im Zustellgeschäft
belasteten außerbörslich zwar deutlich die Titel der Amerikaner,
doch die DHL-Aktien zeigten sich mit einem Anstieg um 0,7 Prozent
davon unbeeindruckt.
Unter den Dax-Gewinnern zeigten sich die
Infineon-Aktien mit einem Prozent Plus vor den
Micron-Zahlen stabilisiert. Zum Spitzenreiter im Leitindex wurden
die MTU-Papiere, die ihre Erholungsrally um fast drei
Prozent ausbauten. Für den Triebwerksbauer sieht der
JPMorgan-Analyst Perry die Aussichten an vielen Fronten verbessert,
unter anderem wegen der nachlassenden Treibstoffkosten in der
Flugbranche.
Im MDax erholten sich die Puma-Aktien um 2,8 Prozent
von ihrem Vortags-Kursrutsch, der mit Aussagen im Rahmen eines
Analysten-Briefings zum nächsten Quartalsbericht begründet wurde.
Die US-Bank Goldman Sachs hielt am Mittwoch an ihrer Kaufempfehlung
fest. Analyst Richard Edwards rechnet im zweiten Halbjahr mit einer
stärkeren Umsatzdynamik als im ersten.
Gut für die Kurse von 1&1 und dem Mutterkonzern
United Internet waren Hochstufungen auf "Outperform"
eines Barclays-Analysten. Ganesha Nagesha sieht nicht nur
schrittweise Besserung der fundamentalen Lage, sondern auch
Konsolidierungsfantasie. Als Mobilfunkanbieter stehe 1&1 enorm gut
da, sollte es in der Branche zu Deals kommen.
Basler dagegen wurden im SDax von einer
Verkaufsempfehlung mit drei Prozent belastet. Die Auftragsdynamik
des Spezialisten für Bildverarbeitungslösungen sei inzwischen
eingepreist, lautete das Argument des Analysten Malte Schaumann von
Warburg Research. Er erinnerte außerdem an eine Kursverdopplung seit
dem Bericht zum ersten Quartal./tih/stk