ROUNDUP/Aktien Frankfurt Schluss: Frankreich-Sorgen lassen Dax weiter absacken
Nach dem schwachen Vortag ist der Dax
auch am Freitag unter Druck geblieben. Enttäuschende
Konjunktursignale aus Frankreich verstärkten die wegen hoher
Ölpreise und KI-Zweifeln ohnehin großen Sorgen der Anleger noch
einmal. Der deutsche Leitindex büßte letztlich 0,75 Prozent auf
25.181,65 Punkte ein und rutschte zurück unter die 21-Tage-Linie als
Indikator für den kurzfristigen Trend. Auf Wochensicht ist der Dax
damit um 1,7 Prozent gefallen. Der MDax der
mittelgroßen Werte verlor am Freitag 0,70 Prozent auf 29.876,31
Zähler.
Die Stimmung in den Unternehmen der Eurozone hat sich im Oktober
überraschend deutlich eingetrübt, wie der Einkaufsmanagerindex von
S&P Global zeigt. Demnach wird die Wirtschaft vom Inflationsdruck
und den Sorgen um den französischen Staatshaushalt belastet. Aus
Sicht von Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank wird die
Protestwelle in Frankreich zum Konjunkturrisiko, wenngleich die
Daten für die deutsche Industrie Grund zum Optimismus seien.
Der technologielastige Nasdaq 100 konnte sich nach
seinem Kursrutsch tags zuvor zwar zunächst stabilisieren, die
Investoren hinterfragen die milliardenschweren Investitionen in
Künstliche Intelligenz aber weiterhin kritisch. Außerdem stiegen die
hohen Ölpreise vor dem Wochenende weiter. Peter Reichel von der
Investmentbank Oddo BHF sprach an den Märkten von einem "Balanceakt"
zwischen Wachstum, Inflation und Zinsen.
Die Chartexperten der HSBC sehen den Dax, der im Oktober bisher im
Bereich von 25.000 bis 25.700 Punkten schwankt, gefangen zwischen
den besonders beachteten 50- und 200-Tage-Indikatorlinien. Sie
sprechen von einem "Grad an Unentschlossenheit", sehen aber die
Chance auf einen "Nährboden" für eine neue Trendbewegung, sofern die
200-Tage-Linie nachhaltig verteidigt wird. Aktuell verläuft sie bei
etwa 24.879 Zählern. Kommende Woche rücken dann die
Zinsentscheidungen der US-Notenbank Fed und der Europäischen
Zentralbank (EZB) in den Fokus.
Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 fiel am Freitag
um 0,31 Prozent auf 6.068,22 Punkte. Außerhalb des Euroraums gaben
der Schweizer SMI und der britische FTSE 100
ebenfalls moderat nach. An der Wall Street sackte der
Dow Jones Industrial zum europäischen Handelsschluss
rund ein Prozent ab.
Einige Dax-Titel wurden von US-Werten belastet. Dazu gehörten die
0,9 Prozent schwächeren Adidas-Anteile , die laut
Händlern darunter litten, dass der US-Schuhkonzern Deckers Outdoor
seinen Ausblick senkte. Infineon-Aktien
büßten derweil 2,4 Prozent ein, mit Blick auf den
Nasdaq 100 blieben die Anleger auch im europäischen Tech-Sektor
nervös.
Noch massiver erwischte es aber MTU mit 4,8 Prozent
und die Deutsche Telekom mit 3,2 Prozent Kursminus.
Der Triebwerksbauer war Dax-Schlusslicht angesichts durchwachsener
Resultate des Wettbewerbers Safran . Die Telekom gab
ihre Vortagsgewinne wegen neuer Sorgen vor US-Konkurrenz durch
SpaceX wieder ab.
Besser erging es wegen Branchenvorgaben dem Zementkonzern Heidelberg
Materials und dem Konsumgüterhersteller Beiersdorf
. Die Titel der beiden Dax-Werte stiegen nach
überzeugenden Quartalsberichten der Konkurrenten Holcim
und L'Oreal um 1,7 beziehungsweise 2,4
Prozent.
Ein Bericht über ein nachgebessertes Kaufangebot des Chemiekonzerns
BASF hievte die Evonik-Aktien mit 2,7
Prozent ins Plus auf 21,26 Euro. BASF sei jetzt dazu bereit, etwa 24
Euro je Aktie zu zahlen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg
unter Berufung auf Kreise. Laut einem Bericht der "Financial Times"
hatten zuletzt 22,15 Euro je Aktie im Raum gestanden. BASF-Aktien
reagierten kaum darauf.
Wenig Reaktion zeigten auch die Titel von Munich Re .
Nach der jüngsten Kursrally nahmen die Anleger nüchtern zur
Kenntnis, dass der Rückversicherer nach einem starken dritten
Quartal sein diesjähriges Gewinnziel anhob. Seit Juni sind die
Aktien bereits um fast 28 Prozent gestiegen.
Bei Atoss Software entschieden sich die Anleger nach
gutem Lauf für Gewinnmitnahmen, der Kurs des im Kleinwerte-Index
SDax notierten Softwareanbieters sackte um 9 Prozent
ab. Dem erhöhten Margenausblick stand gegenüber, dass Atoss den
Gesamterlös nun eher am unteren Ende seiner Prognosespanne sieht.
SGL Carbon konnte mit dem Verkauf eines ehemaligen
Standorts in den USA punkten, die Aktien stiegen um 2,5 Prozent. SGL
erhöhte außerdem die Jahresprognose für den freien
Barmittelzufluss./niw/he