Nach dem kräftigen Rückschlag in den
vergangenen zwei Handelstagen hat der Dax am
Donnerstag einen Erholungskurs eingeschlagen. Der deutsche Leitindex
stieg kurz nach dem Börsenstart um 0,5 Prozent auf 25.023 Punkte.
Noch am Montag hatte er mit 25.900 Punkten einen weiteren Rekord
erreicht, bis zur Wochenmitte aber bereits wieder mehr als 1.000
Punkte eingebüßt. Der MDax , der Index der
mittelgroßen Werte, erholte sich am Donnerstag mit plus 0,9 Prozent
auf 31.806 Zähler.
Neben Verlusten aufgrund einer spürbar eingetrübten Stimmung für
KI-Werte, die sich besonders in Asien bemerkbar machte, belastete am
Vortag die erneute Eskalation im Nahen Osten. Sie schürt einmal mehr
Sorgen vor steigenden Ölpreisen und damit vor Inflationsdruck und
einer Belastung der Konjunktur.
"Monatelang entwickelte sich der Irankonflikt in eine Richtung, die
auf ein diplomatisches Endspiel hindeutete. Die Ereignisse der
letzten Tage gehen allerdings in die falsche Richtung", kommentierte
Marktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank die jüngsten
Entwicklungen. "Das geopolitische Risiko hat spürbar zugenommen."
Die Signale bleiben, wie bereits vor der von US-Präsident Donald
Trump erklärten Beendigung der Waffenruhe, zwiespältig. Einerseits
gab es erneute gegenseitige Angriffe, andererseits will der Iran
laut Trump aber weiter ein Rahmenabkommen mit den USA. Irans
Außenminister Abbas Araghtschi erklärte, Verhandlungen über ein
endgültiges Abkommen würden nicht beginnen, solange Drohungen
anhielten. Fakt ist: Die Ölpreise sind seit Montag um gut zehn
Prozent gestiegen - und mit ihnen die Sorgen vor dadurch bedingtem
Preisauftrieb und einer Zinsreaktion der Notenbanken.
In Asien stabilisierten sich unterdessen die Aktienmärkte. Dem
südkoreanische Kospi , der besonders stark unter dem
vorläufigen Ende der KI-Rally gelitten hatte und nun zurück ist auf
Mai-Niveau, gelang am Ende des Handelstages der Dreh ins Plus.
Hierzulande half dies auch Infineon , die sich mit
plus 3,0 Prozent an die Dax-Spitze setzten. Im MDax erholten sich
Elmos oder auch Suss Microtec etwas
mit Gewinnen von mehr als 5 Prozent.
Auch Siltronic waren mit von der Partie, doch ihr
Kursplus von 10 Prozent war auch einem positiven Analystenurteil zu
verdanken. So hat die französische Investmentbank Exane BNP das
Kursziel kräftig auf 108 Euro angehoben und die Aktie auf
"Outperform" hochgestuft.
Ansonsten spielte die Musik in den hinteren Reihen. So hob der im
Kleinwerte-Index SDax notierte Pharmazulieferer
Schott nach einem starken Quartal die Jahresprognosen
für Umsatzwachstum und operative Profitabilität an. Die kanadische
Bank RBC reagierte prompt und stufte die Aktie auf "Outperform"
hoch. Mit den vorläufigen Zahlen für das dritte Geschäftsquartal
habe Schott Pharma die letzten Sorgen abgehakt,
schrieb Charles Weston. Die Aktie sprang um 16 Prozent hoch und
erreichte bei zeitweise 21,50 Euro zeitweise den höchsten Stand seit
Oktober 2025.
Das Nordex -Papier zählte zu den gefragten Werten im
MDax mit plus 3,2 Prozent. Ein kleiner Teil der Verluste der
vergangenen vier Handelstage wurde damit wettgemacht. Der
Windkraftanlagenbauer meldete für das zweite Quartal deutlich mehr
Bestellungen als ein Jahr zuvor und auch mit Blick auf das
vorangegangene Quartal. Analysten lobten die Geschäftsentwicklung
und sehen Nordex damit auf gutem Weg zu seinen Jahreszielen.
Deutz gewannen auf 3,9 Prozent. Der Motorenhersteller
beschleunigt seinen Wandel in Richtung Rüstung durch
Milliarden-Transaktion. Er wird die Flensburger Fahrzeugbau
Gesellschaft (FFG) für rund 1,6 Milliarden Euro kaufen. FFG zählt zu
den europäischen Anbietern für militärische Land- und
Spezialfahrzeuge und ist Partner von Bundeswehr und Streitkräften
der Nytao sowie der Ukraine./ck/mis