ROUNDUP/Aktien Frankfurt Eröffnung: Wenig bewegt trotz Nahost-Eskalation
Der deutsche Aktienmarkt hat sich am
Donnerstag trotz zunehmender Spannungen in Nahost zunächst
weitgehend behauptet. Der Dax sank zuletzt um 0,1
Prozent auf 24.172 Punkte. Der MDax mit den
mittelgroßen Werten gewann 0,1 Prozent auf 31.336 Zähler. Für den
Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 0,5
Prozent aufwärts.
Die USA und der Iran haben sich in der zweiten Nacht in Folge heftig
gegenseitig beschossen - womit sich der Konflikt trotz der seit zwei
Monaten geltenden Waffenruhe gefährlich hochschaukelt. Irans Militär
reagierte auf neue US-Angriffe nach eigenen Angaben mit einer
kompletten Sperrung der Straße von Hormus sowie mit Gegenattacken
auf Ziele in den Golfstaaten Bahrain und Kuwait.
Laut dem Marktbeobachter Thomas Altmann von QC Partners glaubt aber
kaum jemand an eine langfristige erneute Eskalation. "Alle gehen
davon aus, dass sich Donald Trump während der heute beginnenden
Fußball-Weltmeisterschaft als Friedenspräsident inszenieren will",
kommentierte der Experte am Morgen.
Wegen der Folgen des Iran-Kriegs gehen Experten fest davon aus, dass
die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins am Nachmittag um
0,25 Prozentpunkte anhebt. Auch eine weitere Zinserhöhung in diesem
Jahr gilt bereits als weitgehend eingepreist. Der Anlegerfokus werde
darauf liegen, welche Signale hinsichtlich künftiger geldpolitischer
Schritte gegeben werden, bemerkte Ökonom Arnaud Mares von der
Citigroup.
Unter den Einzelwerten stehen die Aktien von SAP nach
Quartalszahlen des Konkurrenten Oracle im Fokus. Mit
einem Kursabschlag von 4,4 Prozent waren sie erneut schwächster
Dax-Wert und bauten ihre Verlustserie seit dem Zwischenhoch von
Anfang Juni auf nunmehr gut 17 Prozent aus. Der US-Software- und
Datencenter-Konzern Oracle steigerte im vierten Geschäftsquartal den
Umsatz mit Cloud-Infrastruktur - das sind vor allem KI-Rechenzentren
- um 93 Prozent. Experten bemängelten aber hohe Kosten für
Rechenzentren und entsprechend starke Geldabflüsse. Bedeutend für
Firmensoftware-Anbieter wie SAP sei, dass sich das Erlöswachstum der
Amerikaner im Cloud-Softwarebereich (SaaS) verlangsamt habe, sagte
ein Händler.
Der Aktienkurs des Modehändlers Hugo Boss verteuerte
sich an der MDax-Spitze um 6,6 Prozent auf 38,87 Euro und liegt
damit etwas über der Offerte des Großaktionärs Frasers Group
. Frasers will im Rahmen eines freiwilligen
öffentlichen Übernahmeangebots 38 Euro je Boss-Aktie bieten. Zuletzt
kamen die Briten nach eigenen Angaben auf einen direkten Anteil von
gut 26 Prozent. Analysten bezeichneten das Kaufgebot in ersten
Reaktionen als nicht besonders attraktiv.
Die Papiere von Kontron sprangen aufgrund von
Übernahmeaussichten um 5,0 Prozent auf 23,52 Euro hoch. Der
Großaktionär Ennoconn hat bei dem Hightech-Unternehmen die
30-Prozent-Schwelle überschritten und will den restlichen Aktionären
nun ein Pflichtangebot zur Übernahme machen. Der Angebotspreis soll
bei 23,50 Euro je Aktie liegen.
Die US-Investmentbank Goldman Sachs stufte die Aktien der Porsche AG
von "Neutral" auf "Buy" hoch und erhöhte das Kursziel
von 39 auf 59 Euro. Struktureller Gegenwind für den Sportwagenbauer
bleibe zwar die Realität, sei aber in den massiv gesunkenen
Erwartungen inzwischen angekommen, schrieb Analyst Christian Frenes.
Bis 2030 rechnet er mit einem durchschnittlichen jährlichen
Gewinnanstieg von 30 Prozent. Die Aktien der Porsche AG stiegen um
1,8 Prozent.
Die Anteilsscheine von Renk und Patrizia
bewegen sich klar im Minus, weil sie mit einem
Dividendenabschlag gehandelt werden./edh/stk