Überwiegend negative Einflussfaktoren dürften
am deutschen Aktienmarkt am Donnerstag für Zurückhaltung sorgen. Die
wieder zunehmenden Spannungen in Nahost, hinterfragte hohe
KI-Bewertungen und die Aussicht auf steigende Zinsen sollte die
Anleger Vorsicht walten lassen. Knapp eine Stunde vor Handelsbeginn
signalisierte der X-Dax als außerbörslicher Indikator
für den Dax ein Minus von 0,2 Prozent auf 24.156
Punkte.
Die USA und der Iran haben sich in der zweiten Nacht in Folge heftig
gegenseitig beschossen. Laut dem Marktbeobachter Thomas Altmann von
QC Partners glaubt aber kaum jemand an eine langfristige erneute
Eskalation. "Alle gehen davon aus, dass sich Donald Trump während
der heute beginnenden Fußball-Weltmeisterschaft als
Friedenspräsident inszenieren will", kommentierte der Experte am
Morgen.
Am Donnerstag wird nun fest damit gerechnet, dass die Europäische
Zentralbank (EZB) wegen der Folgen des Iran-Kriegs ihren Leitzins am
Nachmittag um 0,25 Prozentpunkte anhebt. Auch eine weitere
Zinserhöhung in diesem Jahr gilt unter Experten bereits weitgehend
eingepreist. Der Anlegerfokus werde darauf liegen, welche Signale
hinsichtlich künftiger geldpolitischer Schritte gegeben werden,
bemerkte Ökonom Arnaud Mares von der Citigroup.
Der US-Software- und Datencenter-Konzern Oracle
erhielt im vierten Geschäftsquartal weiter deutlich Schwung von den
KI-Ausgaben seiner Kunden. Der Umsatz mit Cloud-Infrastruktur - das
sind vor allem KI-Rechenzentren - wuchs um 93 Prozent, wie der
SAP-Rivale mitteilte. Experten bemängelten aber hohe
Kosten für Rechenzentren und entsprechend starke Geldabflüsse. Zudem
verlangsamte sich das Erlöswachstum bei SaaS-Software. Die
Oracle-Aktie brach am Mittwoch nach US-Börsenschluss um 10 Prozent
ein. Ein Händler sprach am Morgen von negativen Auswirkungen auf den
gesamten Unternehmenssoftware-Sektor und damit auch auf SAP, auch
wenn die Walldorfer bei den Investitionen deutlich zurückhaltender
seien als Oracle. Die SAP-Papiere sackten im vorbörslichen Geschäft
auf der Handelsplattform Tradegate zuletzt um weitere 1,5 Prozent
ab.
Der Großaktionär Frasers Group will den schwäbischen
Modehersteller Hugo Boss übernehmen. Frasers will im
Rahmen eines freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebots 38 Euro je
Boss-Aktie bieten. Zuletzt kamen die Briten nach eigenen Angaben auf
einen direkten Anteil von gut 26 Prozent. Die Hugo-Boss-Titel
sprangen auf Tradegate zuletzt um 5,1 Prozent hoch.
Der Großaktionär Ennoconn hat beim Technologieunternehmen Kontron
die 30-Prozent-Schwelle überschritten und will den
restlichen Aktionären nun ein Pflichtangebot zur Übernahme machen.
Der Angebotspreis soll bei 23,50 Euro je Aktie liegen. Die
Kontron-Aktie hatte im Xetra-Haupthandel am Mittwoch bei 22,40 Euro
geschlossen. Auf Tradegate legte der Kurs am Morgen um 5,0 Prozent
auf 23,51 Euro zu.
Die US-Investmentbank Goldman Sachs stufte die Aktien der Porsche AG
von "Neutral" auf "Buy" hoch und erhöhte das Kursziel
von 39 auf 59 Euro. Struktureller Gegenwind für den Sportwagenbauer
bleibe zwar die Realität, sei aber in den massiv gesunkenen
Erwartungen inzwischen angekommen, schrieb Analyst Christian Frenes.
Bis 2030 rechnet er mit einem durchschnittlichen jährlichen
Gewinnanstieg von 30 Prozent. Die Aktien der Porsche AG stiegen auf
Tradegate um 1,9 Prozent.
Die Anteilsscheine von Renk und Patrizia
dürften rein optisch im Minus notieren, da sie am
Donnerstag mit einem Dividendenabschlag gehandelt werden./edh/stk