ROUNDUP/Aktien Frankfurt Schluss: Euphorie dank Öffnung der Straße von Hormus
Die vorläufige Öffnung der Straße von Hormus
hat den Dax am Freitagnachmittag elektrisiert. Nach
einem Kurssprung von bis zu 2,6 Prozent schloss der schon zuvor
freundliche deutsche Leitindex 2,27 Prozent im Plus mit 24.702,24
Punkten. Damit baute er seinen Wochengewinn auf 3,8 Prozent aus - es
war der dritte in Folge. Die Kursverluste seit Beginn des
Iran-Kriegs Ende Februar hat das Börsenbarometer inzwischen fast
wieder wettgemacht. Für den MDax mit den mittelgroßen
Werten ging es am Freitag letztlich um 3,28 Prozent auf 31.952,10
Punkte hoch.
Die für den Welthandel wichtige Straße von Hormus "wird für die
verbleibende Dauer des Waffenstillstands für alle Handelsschiffe
vollständig geöffnet", teilte der iranische Außenminister Abbas
Araghchi in einem Beitrag auf der Plattform X mit. US-Präsident
Donald Trump bestätigte die Aussagen. Dadurch wurden die jüngsten
Konjunktur- und Inflationssorgen stark gedämpft. Die Ölpreise und
die Renditen sackten ab. Dass Trump dennoch an seiner Seeblockade
für Schiffe mit einem iranischen Hafen als Start oder Ziel
festhalten will, bis die Verhandlungen mit Teheran abgeschlossen
sind, ließ die Märkte kalt.
Auch die Aktienkurse in Europa und den USA reagierten euphorisch auf
diese Nachricht. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx
verabschiedete sich gut zwei Prozent höher ins Wochenende. Auch in
Zürich standen deutliche Kursgewinne zu Buche. Dagegen reichte es in
London nur für vergleichsweise bescheidene Aufschläge. In New York
erreichten der marktbreite S&P 500 sowie der
Technologie-Index Nasdaq 100 Rekordstände, während
dem Leitindex Dow Jones Industrial trotz der
deutlichsten Gewinne noch ein gutes Stück zu einer Bestmarke fehlt.
Marktanalyst Timo Emden sprach von einer überraschenden Entspannung
der geopolitischen Lage im Nahen Osten. "Mit der Öffnung der Straße
von Hormus ist sprichwörtlich Druck vom Kessel genommen worden." Die
Route gelte als "neuralgischer Punkt der Weltwirtschaft", weshalb
die Nachricht ein starkes Signal der Stabilisierung sende.
Europaweit zählten Aktien der Reise- und Freizeitbranche
zu den größten Gewinnern. Im MDax reihten sich die
Titel der Lufthansa und des Flughafenbetreibers
Fraport mit Aufschlägen von jeweils fast 7 Prozent
weit vorne ein. Ihnen half auch, dass kurzfristig keine weiteren
Streiks bei der Fluggesellschaft drohen. Im Dax legten die Titel des
Triebwerksbauers MTU um 5,1 Prozent zu.
Zudem gefragt waren die konjunktursensiblen Aktien aus dem
Industrie- und Automobilsektor , am
deutschen Markt namentlich Siemens und Continental
, die um 3,4 beziehungsweise 5,4 Prozent zulegten.
Ebenfalls zu den Gewinnern zählten ähnlich konjunkturabhängige Titel
aus der Tech-Branche . Die Softwaretitel Nemetschek
und Teamviewer zogen um 9,8
beziehungsweise 6,5 Prozent an.
Unter den größten MDax-Gewinnern stiegen Delivery Hero
um 5,2 Prozent. Der US-Fahrdienstvermittler Uber
stockt mit der Übernahme von Anteilen des
Großaktionärs Prosus seine Beteiligung an dem
Essenlieferdienst auf.
Dagegen büßten die Titel von Dax-Schlusslicht RWE 3,8
Prozent ein. Sie litten unter Berichten über den Kampf
Großbritanniens gegen hohe Strompreise. Händler verwiesen auf einen
Artikel der "Financial Times", wonach die britische Regierung nach
Lösungen sucht, um die direkte Kopplung zwischen Strom- und
Gaspreisen aufzuheben.
Bei K+S mussten die Anleger einen Kursrückgang von
4,9 Prozent verkraften, womit die Aktien die kurze Verliererliste im
MDax anführten. Der Düngerhersteller hatte wegen sprunghaft
gestiegener Preise für seine Produkte zeitweise deutlich vom Krieg
im Nahen Osten profitiert und litt nun naturgemäß unter der
Entspannung der Lage./gl/he