ROUNDUP/Aktien New York: Trumps Fed-Nominierung bringt Verluste mit sich
Die New Yorker Börsen steuern am Freitag mit
einem schwachen Handelsauftakt auf eine durchwachsene Wochenbilanz
zu. Während der von US-Präsident Donald Trump vorgeschlagene
Nachfolger für den Chef der Notenbank Fed die Risikofreude der
Anleger dämpfte, konnten eigentlich starke Quartalszahlen von Apple
das Stimmungsbild nicht aufhellen. Der
iPhone-Hersteller kämpft nach einem Rekordquartal mit
Chip-Engpässen.
Der Leitindex Dow Jones Industrial lag nach einer
Handelsstunde 0,4 Prozent tiefer bei 48.890 Punkten. Für die Woche
zeichnet sich damit ein ähnlich hohes Minus ab, doch für den Januar
verbleibt er mit 1,7 Prozent im Plus. Der marktbreite S&P 500
fiel am Freitag auch um 0,4 Prozent auf 6.943 Zähler,
während der Nasdaq 100 0,7 Prozent auf 25.716 Punkte
verlor. Seine Wochenbilanz bleibt damit positiv und für den Januar
weist der Tech-Index noch einen Anstieg um 1,8 Prozent auf.
Einem Marktbeobachter zufolge sind die Kursrückgänge am Freitag eine
Folge davon, dass der von Trump vorgeschlagene Kevin Warsh von
Anlegern nicht so stark als Verfechter tiefgreifender Zinssenkungen
empfunden wird. Dieser gilt eigentlich als Vertreter einer eher
restriktiven Geldpolitik, soll sich allerdings zuletzt
Medienberichten zufolge offen für niedrigere Zinsen gezeigt haben.
Ob Warsh tatsächlich den Wünschen von Trump nach niedrigeren Zinsen
folge, bleibe abzuwarten, meint Thomas Gitzel, Chefvolkswirt bei der
Liechtensteiner VP Bank. Dieser verstehe aber, dass die Fed und
deren guter Ruf essenziell für das Wohlergehen der Vereinigten
Staaten sei. Es gehe dabei auch um die Stabilität des
US-Finanzsystems. "Die schlimmsten Befürchtungen, dass die Fed ihren
guten Ruf als verlässliche Notenbank verliert, dürften sich nicht
bewahrheiten."
Neben der Geldpolitik blieb vor dem Wochenende die Berichtssaison
der Unternehmen im Fokus. Bei Apple reichte ein
überraschend starkes iPhone-Rekordquartal nicht für eine positive
Kursreaktion, wie der Abschlag von zuletzt 1,4 Prozent zeigt. Der
Technologieriese verpasste seinen Anlegern einen Stimmungsdämpfer,
indem er von Lieferengpässen für Chips gesprochen hatte. Tim Long
vom Analysehaus Barclays setzte hinter die Nachhaltigkeit des
Aufschwungs ein Fragezeichen.
Gute Reaktionen gab es im Telekomsektor, angeführt vom Mobilfunker
Verizon . Nachdem dieser im vierten Quartal deutlich
mehr neue Mobilfunkkunden gewonnen hat als erwartet, ergab sich ein
Kursanstieg um acht Prozent. Im Schlepptau zogen die Aktien von
T-Mobile US um 3,4 Prozent an. Auch Charter
Communications hatte Gutes zu berichten, wie der
Anstieg um zehn Prozent zeigt.
Weniger gut war das Bild im Kreditkartensektor, der am Vortag noch
von Mastercard gestützt worden war. Visa
und American Express rutschten im Dow
mit Abschlägen größer zwei Prozent an den unteren Indexrand. Die
Resultate der beiden Unternehmen waren durchwachsen, sie blieben
aber auch belastet davon, dass die US-Kreditkartenbranche derzeit
unter Beschuss von US-Präsident Donald Trump steht.
Durchwachsen war auch das Feedback der Anleger auf die Zahlen zweier
großer Ölkonzerne: Während Chevron um Dow mit 1,2
Prozent der zweitgrößte Gewinner nach Verizon waren, kamen die Titel
von Exxonmobil im S&P 500 mit einem Prozent unter
Druck. Dem Ölriesen Chevron attestierte Expertin Betty Jiang von
Barclays ein "solides Quartal nebst Ausblick".
Im Tech-Sektor litt der Halbleiterzulieferer KLA Corp
nach der jüngsten Rekordjagd mit minus 7,9 Prozent unter
Gewinnmitnahmen. Dass mehrere Analysten die Geschäftsentwicklung im
vergangenen Quartal lobten, konnte dem Kurs nicht weiter nach oben
verhelfen. 2026 hatten sie ihre Rally zuletzt nochmals verschärft,
indem sie ihren Wert bis zum Vortag um 40 Prozent gesteigert hatten.
Begehrt waren ansonsten noch die Aktien des Konsumgüterkonzerns
Colgate-Palmolive , dessen überraschend gute Zahlen
für einen Kursanstieg um 3,3 Prozent sorgten./tih/he