, boerse-express

Skylink-Debakel - Flughafen-Aufsichtsrat berät am Freitag

Diesen Freitag Nachmittag treten die Aufsichträte der börsenotierten Flughafen Wien AG wieder zusammen. Einziger Tagesordnungspunkt: Der vernichtende Rohbericht des Rechnungshofes (RH) zur teuren Flughafen-Terminalbaustelle Skylink. Unmittelbare Konsequenzen werden in dieser Sitzung aber noch nicht erwartet. Dafür werden erst die formalen Stellungnahmen des Vorstands abgewartet, die Anfang Oktober vorliegen müssen.

Nicht abwarten hingegen wollen die Flughafen-Kontrollore unter Vorsitz des Anwalts Christoph Herbst für ihre Entscheidungen die Stellungnahmen der beiden Länder Wien und Niederösterreich. Das sind die mit jeweils 20 Prozent beteiligten Grossaktionäre des Flughafens. Sie haben insgesamt drei Monate, um zu den sie betreffenden Kritikpunkten im RH-Rohbericht Stellung zu beziehen.

Herbst sagte am Dienstag zur APA, dass sich das Kontrollgremium in seiner Sondersitzung diesen Freitag ein erstes Bild machen muss über die einzelnen Kritikpunkte des Berichts und erste Kommentare des Vorstands dazu erwartet. Da werde man die weitere Vorgangsweise festlegen. "Für Entscheidungen ist es viel zu früh."

Einem Bericht des "Standard" (Dienstag) zufolge soll schon innerhalb von ein oder zwei Wochen über personelle Konsequenzen entschieden werden. Dem Blatt zufolge wird der Austausch aller drei Vorstandsmitglieder Herbert Kaufmann, Ernest Gabmann und Gerhard Schmid immer wahrscheinlicher.

Zu personellen Konsequenzen sagte Herbst am Dienstag nichts. Er sprach heute nur allgemein von Entscheidungen über Folgen der Rechnungshof-Prüfung "in absehbarer Zeit". Basis dafür würden die Feststellungen des Vorstands zum Rohbericht. Bis die Äusserungen der beteiligten Länder vorliegen, will Herbst hingegen ausdrücklich nicht warten.

"In den nächsten Wochen wird entschieden werden, egal in welche Richtung", sagte Herbst zur APA. "Da ist der Aufsichtsrat gefordert. Der Aufsichtsrat muss ja auch den Kopf hinhalten."

Im "Standard" ist von einem bevorstehenden Kahlschlag im Airport-Management die Rede, auch wird schon über neue Köpfe spekuliert, abhängig vom Ausgang der Wiener Wahlen im Oktober. Sollte die SPÖ die Absolute verlieren, könnte die jetzige Vize-Bürgermeisterin und Finanzstadträtin Renate Brauner an der Flughafen-Spitze landen, schreibt die Zeitung, auch Verkehrsstadtrat Rudolf Schicker werde als Vorstandsmitglied gehandelt.

Am "Skylink" wird nach einem wegen der dramatischen Kostenüberschreitung - das Projekt ist mittlerweile doppelt so teuer wie veranschlagt - und anderer aufklärungswürdiger Vorkommnisse an der Grossbaustelle seit einigen Monaten wieder gearbeitet. Offenbar wurden schon vor Baubeginn (2005) gravierende Mängel bei der Planung offenkundig. Der Rohbericht selbst liegt unter Verschluss. Bisher wurden Kritikpunkte in "Häppchenform" bekannt, die allesamt ein schlechtes Licht auf das ganze Projekt werfen. Von Fehlverhalten der Airport-Verantwortlichen, Überforderung des Bau-Managements ist ebenso die Rede wie vom Einfluss der Syndikatspartner Niederösterreich und Wien aufs Management. Der Flughafen-Vorstand hat sich bisher immer gegen die Rechnungshofkritik verteidigt und wiederholt erklärt, gravierende Mängel seien schon beseitigt worden. (APA)

Relevante Links: Flughafen Wien AG