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Brezinschek: Bankenstresstest: Nicht perfekt, aber zumindest verbesserte Transparenz
Am Freitag Abend wurden die Ergebnisse des europäischen
Bankenstresstest veröffentlicht. Die Ergebnisse sind nach den im Vorfeld
kursierenden Informationen und Gerüchten insgesamt nicht überraschend
ausgefallen.
Von den 91 getesteten Banken haben 7 die im strengsten Szenario
geforderte Tier 1-Kapitalquote von 6 % nicht erreicht und damit nicht
bestanden: Die Hypo Real Estate aus Deutschland, die griechische
Agricultural Bank of Greece (ATEbank) sowie fünf spanische
Sparkassengruppen. Zusammen beläuft sich ihr Kapitaldefizit auf rund EUR
3,5 Mrd. Weitere 31 Institute haben diese Kapitalquote nur knapp
erreicht (zwischen 6 und 8 %). Das beste Institut ist mit der Banca
March (19 %) eine kleine spanische Privatbank.
Der Test wurde im Vorfeld massiv kritisiert. Die Kritik bezog sich
insbesondere auf die gewählten Kriterien, die als zu schwach angesehen
wurden, um eine wirkliches Stressszenario durchzurechnen. Insbesondere
die zu berücksichtigenden Abschreibungen auf die Portfolios mit
Staatsanleihen wurden von Marktteilnehmern als zu gering angesehen.
Daneben wird die geringe Anzahl der „durchgefallenen“ Institute als
Grund dafür genannt, dass der Stresstest nicht ernst genommen werden
könne. Sicherlich wären härtere Bedingungen hinsichtlich der
Konjunkturerwartungen und Ausfallwahrscheinlichkeiten für die
Staatsanleihen möglich und vielleicht auch realistischer gewesen. Aber
wir geben zu bedenken, dass es unmöglich ist, die genaue Entwicklung
vorherzusehen und damit ein realistisches Bild zu testen. So gelten die
nach härteren Stresstests rekapitalisierten Banken in den USA und
Großbritannien inzwischen als überkapitalisiert. Daneben haben die
europäischen Banken seit dem Ausbruch der Krise über EUR 200 Mrd. an
neuem Kapital aufgenommen (nicht unwesentlich in Form von staatlichen
Kapitalspritzen). Dies steht im Vergleich zu den rund USD 75 Mrd., die
sich die US-Banken nach ihrem Stresstest durch Verkäufe von
Vermögenswerten und Kapitalerhöhungen besorgen mussten.
Marktreaktion: Die nach Börsenschluss in Europa veröffentlichten Ergebnisse wurden zumindest Freitag Abend von den US-Märkten positiv aufgenommen.
Ausblick/Empfehlung: Aller Kritik zum Trotz sollte der Test zumindest ein deutliches Mehr an Transparenz bringen, wie gut einzelne Banken und das Banksystem in Summe mit einer neuerlichen Rezession umgehen könnten (unterstellt wurde immerhin eine ernsthafte neuerliche Rezession). Hier ist auch das Ergebnis gut genug, um die Sorgen weiter zu dämpfen. Damit sehen wir das Ergebnis des Stress-Tests zwar nicht als großen Katalysator für eine Rallye bei Risky Assets, aber als tendenziell weiter zur Beruhigung beitragenden Faktor, der einer weiteren Erholung von Risky Assets zumindest nicht im Wege steht. Wer sich von den Stresstests einen Befreiungsschlag für die schwelende Sorge um die Tragfähigkeit der Staatshaushalte und den Auswirkungen von Staatsbankrotten auf das Bankensystem erhoffte, dürfte zwar enttäuscht sein; um zu wissen, dass Staatsbankrotte in der Eurozone für viele Banken ein ernstes Problem wären, braucht es allerdings keinen Stress-Test (das wurde nebenbei auch im US-Stresstest nicht untersucht). Unsere Empfehlung bleibt deshalb auf Quartalssicht ein Kauf für Unternehmens- und Bank-Anleihen, ein Kauf für Aktienmärkte, und kurzfristig ein Verkauf für deutsche und US-Staatsanleihen. Auch Staatsanleihen der EUR-Peripherie (exkl. Griechenland) bieten immer noch attraktive Renditeaufschläge für Investoren, die bereit sind diese Anleihen bis zur Endfälligkeit zu halten.