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Brezinschek: Fokus China und Indien

China: Emissionen lösen Yuan als Thema abDer Trubel um den wieder flexibleren Yuan hat sich wieder gelegt; die Erwartung einer grösseren Einmalmassnahme wurde enttäuscht, ebenso die bis herige Geschwindigkeit der Aufwertung. Aktuell liegt der von der der Notenbank täglich festgelegte USD/ CNY Kurs bei 6,7858. Die Wiedereinführung des Währungsregimes wie es vor der Krise bereits bestanden hat, wird generell begrüsst, der Weg der Anpassung dürfte dennoch ein langer bleiben. Das wird auch vom IWF so dargestellt. Einerseits versucht der IWF China ins Boot zu holen: der Yuan könnte einen Bestandteil des Währungskorbes ausmachen, auf den sich die SDR (Special drawing rights) be ziehen (oft als quasi Reservewährung bezeichnet). Andererseits wird dafür die freie Kursbildung am Markt erforderlich sein. Der Forderung wird in unmittelbarer Zukunft nicht nachgekommen werden. Ob die Handelskonflikte mit den USA bei dem Aufwertungstempo ausbleiben ist strittig.

Grössere Aufmerksamkeit erregt derzeit die neu angelaufene Emissionswelle. Das Preisband der AgroBank (ABC - Agricultural Bank of China) wurde für die Notiz in Shanghai auf CNY 2,52 - 2,68 festgesetzt (für die Notiz in Hongkong wurde letzte Woche ein Band von HKD 2,88 - 3,48 festgelegt). Oberes Ende des Preisbandes von Hongkong und Shanghai zusammengenommen, ergeben ein Volumen von USD 20,2 Mrd. Für den Aktienmarkt ist die Emission belastend. Mittel am Sekundärmarkt werden abgezogen um sie für die IPOs parat zu haben. Die Shanghaier Börse ist dadurch auf den niedrigsten Stand seit 14 Monaten gefallen. Nicht ganz so schlimm sieht es mit dem Hongkong Segment aus. Insgesamt ist aber auch wieder von Kapitalzuflüssen auszugehen, die den Markt in den nächsten Wochen wieder unterstützen könnten.

Auf der konjunkturellen Seite wird die Erwartung eines schwächeren Konjunkturverlaufes in Richtung Potenzialwachstum unterstrichen. Sowohl der quartalsweise veröffentlichte leading indicator, als auch der PMI signalisieren, dass die Wirtschaft einen Gang zurücknimmt. Der offizielle PMI von Chinas Federation of Logistics and Purchasing (CFLP) fiel von 53,9 im Mai auf 52,1 im Juni zurück, liegt aber das 16. Monat infolge über der Expansionsmarke von 50. Härter getroffen hat es den PMI, der von HSBC veröffentlicht wird. Dieser fiel von 52,7 auf 50,4 und somit auf ein 14-Montstief zurück. Seid März 2009 fallen auch die Subkomponenten Output und Neuaufträge. Die Befürchtungen einer harten Landung werden aber auch von diesen Daten nicht unterstützt.Indien geht Reformen anAuch Indien brachte ein „Mitbringsel“ in das G20 Treffen mit. Die Preisderegulierung von Treibstoffen passt zu den Commitments der Regierung, Energie effizienter nutzen zu wollen. Die Reform war lange erwartet worden. Sämtliche Versuche der letzten 2 Jahre scheiterten aber am Widerstand der Koalitionspartner, aber auch innerhalb der von Premier Singh geführten Kongresspartei. Die Ankündigung kam daher ziemlich überraschend. Im Detail wurde die ganze Palette an Treibstoffpreisen erhöht (zwischen 5 und 30 %); gleichzeitig wurde überraschend begannt gegeben, die Preisbildung von Benzin zukünftig dem Markt zu überlassen (Engriffe bei zu massiven Preiserhöhungen behält sich die Regierung dennoch vor). Auch Dieselpreise sollen zu einem späteren Zeitpunkt liberalisiert werden.

Die Massnahmen stärken das Vertrauen in die von der Regierung angepeilte Konsolidierung des Staatshaushaltes. Das Defizit der Zentralregierung soll nach einem 22 jährigen Höchststand von 7,8 % mittelfristig auf 3,0% reduziert werden. Die Reduzierung der Subventionen sollte ausgabenseitig einen wichtigen Beitrag liefern. Das Ausmass der Subventionen (wobei die Treibstoffsubventionen den Grossteil ausmachen) betrugen 2008/09 4,0 % des BIP. Bei einer gänzlichen Beseitigung der Treibstoffsubventionen könn te der Betrag auf unter 1% des BIP fallen.

Negativ dürfte sich hingegen die Treibstoffpreiserhöhung auf die Inflationsrate auswirken. Der Effekt wird mit einem Prozentpunkt angenommen. Der Grosshandelspreisindex stieg im Mai wieder über die 10 % Marke; das ohnehin sensible Inflationsthema dürfte die Notenbank daher bei ihrem nächsten Quartalsmeeting am 27. Juli veranlassen, die Zinsen weiter zu erhöhen.

Die Ankündigung, die Preisregulierung bei Treibstoffen zu beseitigen, hat nur kurzfristig zu Zugewinnen bei den Energietiteln geführt, was aber bald wieder verpufft war. Der indische Aktienmarkt konnte sich diesmal den internationalen Vorgaben nicht entziehen. Wir bleiben dennoch auf der optimistischen Seite und gehen für die nächsten 3 Monate von Zugewinnen - unter zwischenzeitlich beträchtlichen Schwankungen - von ca. 10 % aus.