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EnBW will EVN-Anteil über die Börse verkaufen

Deutschlands viertgrösster Versorger Energie Baden-Württemberg (EnBW) sortiert auf der Suche nach Expansionsmöglichkeiten seine Beteiligungen neu. Während das Karlsruher Unternehmen ein Auge auf den zum Evonik-Konzern gehörenden Kraftwerksbetreiber Steag geworfen hat, ist er beim ostdeutschen Gashändler VNG und bei der österreichischen EVN im Rückwärtsgang. EnBW-Chef Hans-Peter Villis sagte am Dienstag bei der Bilanzpressekonferenz, der Konzern wolle das 36-Prozentpaket über die Börse verkaufen.

Bis 2012 will EnBW 7,9 Mrd. Euro in den Umbau des Kraftwerksparks und neue Beteiligungen stecken. Am Stromerzeuger Steag hat EnBW-Chef Hans-Peter Villis nur Interesse, wenn sein Unternehmen massgeblich Einfluss ausüben könne, wie er am sagte. "Wir sind an einer Ausweitung unserer Erzeugungskapazitäten interessiert und werden jede Option prüfen", sagte Villis. Evonik hatte betont, dass der Vorstand die Mehrheit an der Steag unter dem Konzerndach halten wolle. Zeitungsberichten zufolge steht aber auch eine Mehrheit zur Disposition.

Villis sagte ferner, die für die EVN vorgesehene Rolle als Vorreiter im Osteuropageschäft habe die türkische Borusan übernommen, mit der sich die EnBW im vergangenen Jahr verbündet hatte. "Wir müssen jede Minderheitsbeteiligung auf den Prüfstand stellen", sagte Villis. EVN erwartet, dass EnBW ihr 36-Prozent-Paket über die Börse verkauft. In Tschechien verhandelt EnBW über den Einstieg beim drittgrössten Stromversorger PRE. EnBW will allein 2,9 Milliarden Euro in neue Kraftwerke als Ersatz für die Atommeiler des Konzerns sowie in Windräder und Wasserkraftwerke stecken.

2009 musste das Unternehmen angesichts einer steigenden Verschuldung mehr Zinsen zahlen. Diese Belastung sowie stichtagsbedingte Verluste mit Derivaten an der Strombörse EEX drückten den bereinigten Nettogewinn um ein Fünftel auf 879,1 Millionen Euro. Der Umsatz schrumpfte um 4,5 Prozent auf 15,56 Mrd. Allein die Industriekunden nahmen 17,5 Prozent weniger Strom ab. Die EnBW ist stark von der krisengeschüttelten Autoindustrie im Südwesten abhängig. Die Hauptgesellschafter EdF und OEW, die je 45 Prozent halten, müssen sich mit einer geringeren Dividende von 1,53 (2008: 2,01) Euro je Aktie begnügen. (APA)

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