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RZB: Bondtausch soll Buchgewinne bringen
Die RZB (im Bild: Generaldirektor Walter Rothensteiner, rechts, und Vize Herbert Stepic) versucht dieser Tage, ihre Kapitalquote zu erhöhen und nebenbei Buchgewinne zu lukrieren. Konkret hat die Raiffeisen International-Mutter Bondgläubigern, die in der Vergangenheit 500 Mio. Euro Hybridkapital gezeichnet haben, folgendes Angebot gemacht: Tausch dieser Anleihen mit einem Kupon von 5,169% zu 55% in neue Papiere (heisst für 1 Euro Nominale gibt es 55 Cents Nominale). Dafür sind die neuen Papiere allerdings mit einem Kupon von satten 15% versehen. Das Angebot lief bis Freitag, 17.00 Uhr. Die Annahmequote dürfte zwischen 25% und 50% zu liegen kommen.
Als Emittentin der alten und der neuen Papiere tritt die RZB-Tochter RZB Finance (Jersey) IV Limited auf. Die Emissionen sind jeweils mit einer Unterstützungserklärung von Mutter RZB versehen. Sinn und Zweck der Aktion aus Sicht der RZB: Würden sämtliche Anleihegläubiger das Angebot annehmen, könnte sie einen Buchgewinn von bis zu 225 Mio. Euro lukrieren. Bei einer geringeren Annahmequote ist es dementsprechend weniger, im Vergleich zu einem Periodenüberschuss von 26 Mio. Euro im ersten Quartal 2009 aber auch nicht unbedeutend. Zudem können die neuen Bonds dem sogenannten Core-Tier-1-Kapital angerechnet werden.
Per Ende März wies die RZB eine Kernkapitalquote bezogen auf das gesamte Risiko von 6,8% aus, inkl. des im April aufgenommenen staatlichen Kapitals sind es 8,4%. Das Core-Tier-1 wird nicht explizit angeführt.
Die nun zum Tausch anstehenden Hybridbonds der RZB notierten im Zuge der Finanzkrise im Tief bei um die 35%, aktuell haben sie sich auf knapp unter 50% erholt. Der Kupon mutet mit 15% für die neuen Bonds extrem hoch an, das damit zu bedienende Fremdkapital verringert sich aber durch den Umtausch, argumentieren Marktteilnehmer. Würden alle Bondgläubiger tauschen, würden die Fremdkapitalkosten (gerechnet auf die ursprünglichen 500 Mio. Euro) einem Zinssatz von etwas mehr als 8% entsprechen. Das koste auch das vom Staat aufgenommene PS-Kapital.
In den vergangenen Wochen haben einige andere Banken derartige Massnahmen gesetzt, etwa Standard Chartered, Credit Agricole, UBS, Barclays und die Rabobank. Letztere musste - dank Triple-A-Rating - für die neuen Papiere einen Kupon von "nur" 11% bieten.
Generell sind Bonds-Restrukturierungen, bei denen Gläubiger auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten sollen, dafür aber höhere Zinsen oder sonstige Anreize erhalten, dieser Tage kein Einzelfall. In Österreich betraf es zuletzt die Immoeast und den Sportartikelhersteller Head - beides Unternehmen, die dies aus einer schwierigen Situation heraus versuchen.
Seitens Ratingagenturen wird bei derartigen Umtauschangeboten - egal ob von Finanzkonzernen oder Non-Financials - daher stark differenziert. Nämlich ob den Gläubigern ein solches Angebot aus einer "distressed"-Situation heraus gemacht wird - also das Unternehmen quasi "mit dem Rücken zur Wand steht" - oder ob das Unternehmen in guter Verfassung ist und damit Opportunitäten nutzen, ein gutes Geschäft machen, will.
Im ersten Fall wird ein "Default", also Zahlungsausfall oder -verzug, unterstellt und die Papiere zurückgestuft. Im zweiten Fall hat das Umtauschangebot keine Ratingrelevanz, wie aus einem diesbezüglichen Report zu "Exchange Offers" von S&P hervorgeht. Ein Kriterium, an dem ein mögliches "distressed offer" gemessen wird, ist das Rating. Und hier wird es erst bei "B-" - das ist mitten im Junk-Bereich - heikel.
Bettina Schragl
Aus dem Börse Express vom 26. Juni 2009
Als Emittentin der alten und der neuen Papiere tritt die RZB-Tochter RZB Finance (Jersey) IV Limited auf. Die Emissionen sind jeweils mit einer Unterstützungserklärung von Mutter RZB versehen. Sinn und Zweck der Aktion aus Sicht der RZB: Würden sämtliche Anleihegläubiger das Angebot annehmen, könnte sie einen Buchgewinn von bis zu 225 Mio. Euro lukrieren. Bei einer geringeren Annahmequote ist es dementsprechend weniger, im Vergleich zu einem Periodenüberschuss von 26 Mio. Euro im ersten Quartal 2009 aber auch nicht unbedeutend. Zudem können die neuen Bonds dem sogenannten Core-Tier-1-Kapital angerechnet werden.
Per Ende März wies die RZB eine Kernkapitalquote bezogen auf das gesamte Risiko von 6,8% aus, inkl. des im April aufgenommenen staatlichen Kapitals sind es 8,4%. Das Core-Tier-1 wird nicht explizit angeführt.
Die nun zum Tausch anstehenden Hybridbonds der RZB notierten im Zuge der Finanzkrise im Tief bei um die 35%, aktuell haben sie sich auf knapp unter 50% erholt. Der Kupon mutet mit 15% für die neuen Bonds extrem hoch an, das damit zu bedienende Fremdkapital verringert sich aber durch den Umtausch, argumentieren Marktteilnehmer. Würden alle Bondgläubiger tauschen, würden die Fremdkapitalkosten (gerechnet auf die ursprünglichen 500 Mio. Euro) einem Zinssatz von etwas mehr als 8% entsprechen. Das koste auch das vom Staat aufgenommene PS-Kapital.
In den vergangenen Wochen haben einige andere Banken derartige Massnahmen gesetzt, etwa Standard Chartered, Credit Agricole, UBS, Barclays und die Rabobank. Letztere musste - dank Triple-A-Rating - für die neuen Papiere einen Kupon von "nur" 11% bieten.
Generell sind Bonds-Restrukturierungen, bei denen Gläubiger auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten sollen, dafür aber höhere Zinsen oder sonstige Anreize erhalten, dieser Tage kein Einzelfall. In Österreich betraf es zuletzt die Immoeast und den Sportartikelhersteller Head - beides Unternehmen, die dies aus einer schwierigen Situation heraus versuchen.
Seitens Ratingagenturen wird bei derartigen Umtauschangeboten - egal ob von Finanzkonzernen oder Non-Financials - daher stark differenziert. Nämlich ob den Gläubigern ein solches Angebot aus einer "distressed"-Situation heraus gemacht wird - also das Unternehmen quasi "mit dem Rücken zur Wand steht" - oder ob das Unternehmen in guter Verfassung ist und damit Opportunitäten nutzen, ein gutes Geschäft machen, will.
Im ersten Fall wird ein "Default", also Zahlungsausfall oder -verzug, unterstellt und die Papiere zurückgestuft. Im zweiten Fall hat das Umtauschangebot keine Ratingrelevanz, wie aus einem diesbezüglichen Report zu "Exchange Offers" von S&P hervorgeht. Ein Kriterium, an dem ein mögliches "distressed offer" gemessen wird, ist das Rating. Und hier wird es erst bei "B-" - das ist mitten im Junk-Bereich - heikel.
Bettina Schragl
Aus dem Börse Express vom 26. Juni 2009
Relevante Links: Raiffeisen Bank International AG