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Verbund baut Position bei Wasserkraft weiter aus
Der heute bekannt gegebene Deal mit E.ON ist für den Verbund ein wichtiger Schritt in Richtung Wasserkraft-Primus in Europa. Das wird aber noch eine Weile dauern.
Die geplante Übernahme von 13 Wasserkraftwerken der E.ON in Bayern durch den heimischen Stromerzeuger Verbund dürfte den Markt doch ein wenig überrascht haben. Jedenfalls baut der Verbund mit den allesamt im bayerischen Teil des Inn liegenden Laufkraftwerken mit einer Leistung von insgesamt 312 MW seine Position als einer der führenden Wasserkrafterzeuger in Europa weiter aus. "Diese Assets werden unser Handelsgeschäft in Europa gut unterstützen", sagte Verbund-CEO Wolfgang Anzengruber auf einer Pressekonferenz zu dem Deal.
Der Kaufpreis wurde zunächst nicht genannt, er beträgt aber über eine Milliarde Euro, verriet Anzengruber auf der Pressekonferenz. Der Preis setzt sich aus einem Barkaufpreis und einem 20-jährigen Liefervertrag für Strom aus der Kraftwerksgruppe Zemm/Ziller zusammen. Verbund beabsichtigt, bayerischen Kommunen einen Anteil von bis zu 30 Prozent an den erworbenen Wasserkraftwerken anzubieten, reicht somit Teile weiter.
Wegen Wettbewerbsbedenken der EU hat sich E.ON im vergangenen Jahr gegenüber der EU-Kommission verpflichtet, ihr Eigentum an deutschen Kraftwerkskapazitäten mit einer Gesamtleistung von rund 5.000 MW abzugeben. Die jährliche Erzeugung der von Verbund erworbenen Kraftwerke beträgt 1.847 GWh, das entspricht rund 9% der gesamten Laufwasserkrafterzeugung des Verbund. "Die Wasserkraftwerke erzeugen zusammen so viel wie zwei Donaukraftwerke von der Grösse Freudenau", relativiert der zuständige Verbund-Sprecher Florian Seidl.
Mit dieser Transaktion setzt Verbund in der Strategie zur Positionierung als einer der führenden Wasserkrafterzeuger in Europa einen weiteren wichtigen Schritt. "Insgesamt wird der Verbund damit über 121 Wasser-Kraftwerke verfügen. Nach durchschnittlicher Jahresproduktion ist der Verbund derzeit auf Platz fünf der europäischen Wasserkrafterzeuger und rückt dann auf Platz vier vor", weiss Seidl. Verbund überholt damit Enel. Grösser sind aber noch EdF, Statkraft und Vattenfall.
Verbund verfügt in Österreich derzeit über Lauf- und Speicherkraftwerke mit einer Kapazität von rund 6.600 MW, errichtet zusätzliche Wasserkraftwerkskapazitäten von rund 500 MW und hat bis 2015 weitere Wasserkraftwerksprojekte von rund 550 MW in Planung.
Zusätzlich verfolgt Verbund eine klare Wasserkraft-Strategie im Ausland. Im Rahmen des Ausbaus der Aktivitäten am französischen Strommarkt - über die Beteiligung an Poweo - sollen auch Wasserkraftwerkskonzessionen in Frankreich erworben werden. In der Türkei sind, gemeinsam mit dem Partner Sabanci, derzeit neun Wasserkraftwerke in Planung. Vor wenigen Tagen erfolgte zudem die Grundsteinlegung für den Bau eines 48 MW-Laufkraftwerkes in Albanien.
Der Erwerb der Wasserkraftwerke in Deutschland unterstützt die Vertriebs- und Handelsaktivitäten des Verbund in einem seiner definierten Kernmärkte. Das Absatzvolumen des Verbund am deutschen Strommarkt von rund 22.700 GWh entspricht rund 40 Prozent des Gesamtabsatzes des Verbund. Deutschland ist damit der mit Abstand wichtigste Vertriebsmarkt des Verbund im Ausland.
Analysten sehen die Transaktion vor allem hinsichtlich des gewählten Timings positiv: "Sie (Verbund, Anm.) sind für eine Shopping Tour wie diese ausreichend mit finanziellen Mitteln ausgestattet", meint etwa Analystin Nina Nedialkova von Cheuvreux in Wien gegenüber Bloomberg. "Mit den aktuellen Bewertungen ergibt sich ein idealer Zeitpunkt", so die Analystin. (nes)
Aus dem Börse Express vom 8.6.2009
Abos unter: www.boerse-express.com/abo
Die geplante Übernahme von 13 Wasserkraftwerken der E.ON in Bayern durch den heimischen Stromerzeuger Verbund dürfte den Markt doch ein wenig überrascht haben. Jedenfalls baut der Verbund mit den allesamt im bayerischen Teil des Inn liegenden Laufkraftwerken mit einer Leistung von insgesamt 312 MW seine Position als einer der führenden Wasserkrafterzeuger in Europa weiter aus. "Diese Assets werden unser Handelsgeschäft in Europa gut unterstützen", sagte Verbund-CEO Wolfgang Anzengruber auf einer Pressekonferenz zu dem Deal.
Der Kaufpreis wurde zunächst nicht genannt, er beträgt aber über eine Milliarde Euro, verriet Anzengruber auf der Pressekonferenz. Der Preis setzt sich aus einem Barkaufpreis und einem 20-jährigen Liefervertrag für Strom aus der Kraftwerksgruppe Zemm/Ziller zusammen. Verbund beabsichtigt, bayerischen Kommunen einen Anteil von bis zu 30 Prozent an den erworbenen Wasserkraftwerken anzubieten, reicht somit Teile weiter.
Wegen Wettbewerbsbedenken der EU hat sich E.ON im vergangenen Jahr gegenüber der EU-Kommission verpflichtet, ihr Eigentum an deutschen Kraftwerkskapazitäten mit einer Gesamtleistung von rund 5.000 MW abzugeben. Die jährliche Erzeugung der von Verbund erworbenen Kraftwerke beträgt 1.847 GWh, das entspricht rund 9% der gesamten Laufwasserkrafterzeugung des Verbund. "Die Wasserkraftwerke erzeugen zusammen so viel wie zwei Donaukraftwerke von der Grösse Freudenau", relativiert der zuständige Verbund-Sprecher Florian Seidl.
Mit dieser Transaktion setzt Verbund in der Strategie zur Positionierung als einer der führenden Wasserkrafterzeuger in Europa einen weiteren wichtigen Schritt. "Insgesamt wird der Verbund damit über 121 Wasser-Kraftwerke verfügen. Nach durchschnittlicher Jahresproduktion ist der Verbund derzeit auf Platz fünf der europäischen Wasserkrafterzeuger und rückt dann auf Platz vier vor", weiss Seidl. Verbund überholt damit Enel. Grösser sind aber noch EdF, Statkraft und Vattenfall.
Verbund verfügt in Österreich derzeit über Lauf- und Speicherkraftwerke mit einer Kapazität von rund 6.600 MW, errichtet zusätzliche Wasserkraftwerkskapazitäten von rund 500 MW und hat bis 2015 weitere Wasserkraftwerksprojekte von rund 550 MW in Planung.
Zusätzlich verfolgt Verbund eine klare Wasserkraft-Strategie im Ausland. Im Rahmen des Ausbaus der Aktivitäten am französischen Strommarkt - über die Beteiligung an Poweo - sollen auch Wasserkraftwerkskonzessionen in Frankreich erworben werden. In der Türkei sind, gemeinsam mit dem Partner Sabanci, derzeit neun Wasserkraftwerke in Planung. Vor wenigen Tagen erfolgte zudem die Grundsteinlegung für den Bau eines 48 MW-Laufkraftwerkes in Albanien.
Der Erwerb der Wasserkraftwerke in Deutschland unterstützt die Vertriebs- und Handelsaktivitäten des Verbund in einem seiner definierten Kernmärkte. Das Absatzvolumen des Verbund am deutschen Strommarkt von rund 22.700 GWh entspricht rund 40 Prozent des Gesamtabsatzes des Verbund. Deutschland ist damit der mit Abstand wichtigste Vertriebsmarkt des Verbund im Ausland.
Analysten sehen die Transaktion vor allem hinsichtlich des gewählten Timings positiv: "Sie (Verbund, Anm.) sind für eine Shopping Tour wie diese ausreichend mit finanziellen Mitteln ausgestattet", meint etwa Analystin Nina Nedialkova von Cheuvreux in Wien gegenüber Bloomberg. "Mit den aktuellen Bewertungen ergibt sich ein idealer Zeitpunkt", so die Analystin. (nes)
Aus dem Börse Express vom 8.6.2009
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