Meinl-Reisinger will in Kanada Partnerschaft mit EU festigen / "Partnerschaft mit EU" im Fokus - Außenministerin besucht in Ottawa Wasserkraftwerk der Firma Andritz - Premier Carney stellte Budgetplan "Masters of Our Destiny/Maîtres chez nous)" vor
--------------------------------------------------------------------- AKTUALISIERUNGS-HINWEIS Neu: Meldung mit weitere Details zu Beziehungen USA-Kanada und der Präsentation des Budgetentwurfs ergänzt und adaptiert. Abschnitt über Sorge über mögliches Vorgehen von US-Präsident Trump nach Midterms gestrichen. ---------------------------------------------------------------------
Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) ist am Freitag in Kanada zu Gast. In der Hauptstadt Ottawa sind gegen Mittag (Ortszeit/Nachmittag MEZ) Treffen mit ihrer Amtskollegin Anita Anand und Transportminister Steven MacKinnon geplant. Im Zentrum stehe "die Partnerschaft zwischen Kanada und der EU für mehr Sicherheit und mehr Wohlstand", wurde seitens des Außenministeriums betont. "In einer Welt, die sich geopolitisch neu sortiert, wird Kanada für Europa immer wichtiger."
Daher müsse die Kooperation in multilateralen Fragen und bei der Verteidigung der internationalen Ordnung sowie die bilateralen und wirtschaftlichen Beziehungen forciert werden. Kanada hat sich in den vergangenen Monaten zunehmend von den USA abgewandt und der EU angenähert. Hintergrund der Entfremdung sind die Verhängung aggressiver Strafzölle, geopolitische Provokationen und Eingriffe in die wirtschaftliche Souveränität durch US-Präsident Donald Trump.
Nach dem Erfolg der Demokraten bei den Midterms am Dienstag (Ortszeit), die von Beobachtern auch als Denkzettel für Trump interpretiert wurden, machte sich in Kanada laut Medienberichten vorsichtiger Optimismus breit, dass sich die Dynamik bei der US-Handelspolitik einschleifen könnte. Doch warnen Regierungsberater vor der Annahme, dass ein von Demokraten kontrollierter Kongress automatisch alle Strafzölle, etwa auf Stahl oder Aluminium, aufheben wird.
Insider berichteten indes laut der Nachrichtenagentur Reuters, dass eine Senkung des Zolls auf kanadisches Metall von 50 Prozent auf 25 Prozent nur noch eine Frage der Zeit sei. Auch aus Trump-nahen Kreisen habe es diesbezüglich Andeutungen gegeben. Das wären laut Reuters-Quellen "good news für amerikanische Verbraucher", könnte aber "für europäische Aluminiumabnehmer eine sehr schlechte Nachricht sein.
Budgetentwurf "Masters of Our Destiny/Maîtres chez nous" vorgestellt
Der kanadische Premierminister Mark Carney erklärte indes, dass Kanada seine Souveränität angesichts externer Bedrohungen und Handelskonflikte weiter stärken werde. Darauf hätte das Wahlergebnis in den USA keinen Einfluss. Demonstrativ stellte Carney daher auch am Donnerstag gemeinsam mit Finanzminister François-Philippe Champagne einen neuen Budgetentwurf unter dem Titel "Masters of Our Destiny" ("Herren über unser Schicksal") vor. Der Haushaltsplan habe das Ziel, das nordamerikanische Land unabhängiger zu machen und die eigene Wirtschaft anzukurbeln und die traditionelle Abhängigkeit von den USA zu verringern, erklärte der Premier laut Medienberichten.
Ein Großteil der neuen Ausgaben fließt Berichten zufolge in dauerhafte Steuervergünstigungen der Regierung, die es Unternehmen ermöglicht, Projektkosten im Voraus als Aufwendungen geltend zu machen. Außerdem werden damit Infrastrukturmaßnahmen, eine Aufstockung der Lebensmittelrabatte für Verbraucher, Anreize für den sozialen Wohnungsbau, den Kampf gegen Wohnungsnot und Obdachlosigkeit sowie die Verteidigung finanziert.
Erster Besuch nach Kanada-EU-Gipfel in Montréal
Die NEOS-Politikerin ist die erste Chefdiplomatin, die Ottawa nach dem Kanada-EU-Gipfel besucht, der vergangene Woche in Montréal abgehalten worden war. Bei dem zweitägigen Summit schmiedeten die Europäische Union und Kanada eine "Allianz für die Zukunft". Beide Seiten brachten zahlreiche neue Projekte auf den Weg. Sie sollen etwa die Abhängigkeit von Großmächten wie China und den USA bei Künstlicher Intelligenz (KI) und kritischen Rohstoffen reduzieren.
Auch Außenministerin Anand hatte zuletzt mehrfach betont, wie wichtig eine wirtschaftliche und strategische Abkopplung von den USA sei, weshalb Kanada seine Handelsbeziehungen deutlich diversifizieren müsse.
Meinl-Reisinger, die Sonntag früh nach Wien zurückkehren wird, unterstütze die angestrebte Vertiefung der Partnerschaft zwischen der Europäischen Union und Kanada ausdrücklich, wird seitens des BMEIA betont. "Mit dem Handelsabkommen CETA wurde ein Rahmen für den Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen geschaffen, von dem auch österreichische Unternehmen profitieren können, die in Kanada in den Bereichen Infrastruktur, grüne Energien und Zukunftstechnologien bereits stark vertreten sind."
Auch bei Verteidigung, Energieversorgung und kritischen Abhängigkeiten wollen beide Seiten künftig stärker zusammenarbeiten. Im Zuge der politischen Gespräche sollen daher "Bereiche für eine vertiefte wirtschaftliche und sicherheitspolitische Zusammenarbeit sowie multilaterale Kooperationsmöglichkeiten" erörtert werden, zumal Österreich in der Periode 2027/28 einen nichtständigen Sitz im UNO-Sicherheitsrat einnehmen wird. Das nordamerikanische Land teile "unsere Werte und Interessen", hieß es weiters seitens des Außenministeriums.
"Zusammenarbeit mit der EU soll weiter wachsen"
"Deshalb soll die Zusammenarbeit mit der EU sicherheitspolitisch wie wirtschaftlich weiter wachsen." Für Österreich gehe es dabei um sehr konkrete Dinge, etwa um neue Märkte für heimische Betriebe, stabile Lieferketten und "einen verlässlichen Verbündeten für unsere Sicherheit".
Lokalaugenschein bei Andritz-Wasserkraftwerk in Ottawa
In Ottawa absolviert die NEOS-Politikerin einen Lokalaugenschein beim Wasserkraftwerk Chaudière Falls der Firma Andritz, das 20.000 Haushalte mit Strom versorgt. Das Kraftwerk wurde laut Angaben des österreichischen Unternehmens unterirdisch errichtet, um das Stadtbild zu schonen und den Lärmausstoß zu minimieren. Zudem sollte die Ansicht der historischen Wasserfälle nicht beeinträchtigt werden.
Am Samstag wird Meinl-Reisinger auch eine Keynote an der Norman Paterson School of International Politics an der Carleton University in Ottawa halten und sich mit Studierenden austauschen. Die Universität lädt regelmäßig internationale Politikerinnen und Politiker zum Austausch, im Vorjahr etwa den finnischen Präsidenten Alexander Stubb.
Enge Kooperation in internationalen Organisationen
Österreich und Kanada arbeiten eng in internationalen Organisationen zusammen und teilen grundsätzliche Ansichten in Bereichen wie Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Klimaschutz. Die diplomatischen Beziehungen gehen im Grunde über erste honorarkonsularische Vertretungen bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Aufgrund der stark ansteigenden Migration aus der Habsburgermonarchie wurde von der Monarchie Österreich-Ungarn 1902 in Montréal ein von Berufsdiplomaten geführtes reguläres Konsulat eröffnet.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden 1952 formelle diplomatische Beziehungen aufgenommen. 1958 folgte die Eröffnung einer österreichischen Botschaft in Ottawa. Bereits zwei Jahre zuvor hatte Kanada in Wien eine Vertretung etabliert.
Stabile Wirtschaftspartner
Kanada ist ein stabiler Wirtschaftspartner. Das bilaterale Handelsvolumen lag 2025 bei rund 2,3 Milliarden Euro, wobei österreichische Exporte nach Kanada knapp 1,7 Milliarden Euro und Importe aus Kanada knapp 670 Millionen Euro ausmachten. Der Fokus lag dabei in den Branchen Maschinen- und Kraftfahrzeugbau und erneuerbare Energien. Zudem bilden Holz-, Forst- und Metallprodukte eine wichtige Säule. Etwa 200 österreichische Unternehmen sind in Kanada aktiv.
(Redaktionelle Hinweise: Compliance-Hinweis: Die Reise erfolgt auf Einladung des Außenministeriums (BMEIA). Die Kosten werden zum Teil vom BMEIA, zum Teil von der APA getragen. Die Berichterstattung erfolgt unter unabhängiger redaktioneller Verantwortung der APA-Redaktion.) ed/tes/hhi
ISIN AT0000730007
WEB http://www.andritz.com
www.neos.eu
Relevante Links: Andritz AG