Aktien Frankfurt: Dax mit Rekordhoch - Schwarzer Tag für Rheinmetall-Anleger
Die Anleger am deutschen Aktienmarkt haben am
Donnerstag weiter befreit auf den Erfolg der Demokraten bei den
US-Zwischenwahlen reagiert und den Dax auf ein
Rekordhoch getrieben. Am Nachmittag verbuchte der deutsche Leitindex
ein Plus von 0,67 Prozent auf 26.615 Punkte, nachdem er zuvor einen
Höchststand von über 26.671 Punkten erreicht hatte.
"Die neue Bestmarke ist in erster Linie das Ergebnis der Klarheit
und Eindeutigkeit der US-Zwischenwahlen", resümierte Timo Emden,
Marktanalyst beim Broker CapTrader. Der Startschuss für eine
mögliche Jahresendrally könnte nun gefallen sein.
Der MDax der mittelgroßen Unternehmen legte um 0,56
Prozent auf 31.352 Zähler zu. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50
gewann 0,6 Prozent.
Geo- und geldpolitische Unsicherheiten blendeten Marktteilnehmer für
den Moment aus, so Experte Emden weiter. "Investoren sollten sich
weiterhin vor Augen halten, dass mit den schwelenden Nahostrisiken,
Inflations- und Zinssorgen sowie KI-Fragezeichen erhebliche
Unsicherheitsfaktoren unter der Oberfläche glimmen."
Die Anleger von Rheinmetall können sich über den
Rekord im Dax kaum freuen. Nachdem der Rüstungskonzern am Vorabend
nach Börsenschluss erneut die Prognose senken musste, brach der
Aktienkurs um mehr als 15 Prozent ein. Die Strategie der
Düsseldorfer sei nicht falsch, die bisherigen Ziele seien aber wohl
unrealistisch, schrieb JPMorgan-Experte David Perry. Im
Rüstungssektor gerieten nach Quartalszahlen auch die Aktien von Renk
im Sog von Rheinmetall unter die Räder und verloren
fast 7 Prozent.
Aus dem Dax berichteten neben Rheinmetall die Deutsche Telekom
, die DHL Group , Siemens Healthineers
, die Commerzbank sowie am Nachmittag
Hochtief über die Entwicklung im abgelaufenen
Quartal.
Die Papiere des Baukonzerns Hochtief sackten nach der Zahlenvorlage
deutlich ab, grenzten das Minus dann aber auf zuletzt unter 2
Prozent ein. Lange Zeit als Profiteur vom Bau von Rechenzentren
gesehen, befinden sich die Anteile bereits seit Mai in einem
Abwärtstrend. Mit dem Wahlsieg der Demokraten könnten Rechenzentren
nun stärker hinterfragt werden.
Die Aktien der Telekom gaben um gut 2 Prozent nach. Die Zahlen seien
stark ausgefallen und lägen über den Erwartungen, sagte ein Händler.
Er verwies allerdings auch auf wieder aufkommende Sorgen bezüglich
einer kompletten Fusion mit T-Mobile US . Die Telekom
will die Dividende um zehn Prozent erhöhen. Am Markt war aber mit
einer noch stärkeren Steigerung gerechnet worden.
Die Anteile des Medizintechnikers Siemens Healthineers
sanken um knapp 1 Prozent. Der Ausblick sei nicht gut
genug, um das hohe Kursniveau zu halten, hieß es am Markt. Für die
Papiere der Commerzbank ging es um 1,5 Prozent hinab. Oben im Dax
bauten die Titel von Zalando , Heidelberg Materials
und Deutsche Bank mit deutlichem
Zuwachs ihre Kursgewinne vom Vortag aus.
Die Anteile des Chemiekonzerns Lanxess sprangen im
MDax um fast 17 Prozent hoch. Die Resultate des dritten Quartals und
der präzisierte Ausblick galten unter Börsianern und Analysten
eigentlich als wenig aufregendes Ereignis. Am Markt hieß es, dass
vermutlich auch Eindeckungen durch Leerverkäufer, die auf fallende
Kurse gesetzt hätten, die hohen Kursgewinne ausgelöst hätten - ein
sogenannter Short Squeeze also.
Der IT-Dienstleister Bechtle hob nach einem weiteren
guten Quartal erneut seine Jahresprognosen für das Ergebnis an. Dies
brachte den Anlegern ein Kursplus von fast 6 Prozent.
Beim Kochboxenversender Hellofresh liefen die
Geschäfte auch im dritten Quartal schlecht. Sowohl bei Kochboxen als
auch bei Fertiggerichten blieb die Nachfrage schwach. Weil
Hellofresh seine Marketingkosten weiter reduziert, fiel der
operative Gewinn aber höher aus als gedacht. Der Aktienkurs
schnellte um über 17 Prozent hoch./ajx/jha/