ROUNDUP/Aktien New York: Tech-Ausverkauf verschärft sich wegen Amazon und Intel
Die US-Technologiebörse Nasdaq beschleunigt am
Freitag ihren jüngsten Rückschlag wegen zugespitzter Sorgen um den
Megatrend der Künstlichen Intelligenz (KI). Wieder belasteten
negativ aufgenommene Geschäftsaussagen die Stimmung - dieses Mal vom
Internetriesen Amazon sowie vom Halbleiterhersteller
Intel .
Am Vortag hatte schon Alphabet die Befürchtung
exzessiver KI-Ausgaben wieder angeheizt. Nun aber wurde die Talfahrt
noch rasanter: Nach gut einer Handelsstunde hatte der Nasdaq 100
sein Minus mit 28.557 Punkten auf 2,9 Prozent
ausgeweitet. Er erreichte sein niedrigstes Niveau seit Anfang
August. Seine Wochenbilanz wurde trotz der Erholungsphase zu
Wochenbeginn wieder negativ. In der Oktober-Bilanz weitete der
Tech-Leitindex sein Minus auf etwa sechs Prozent aus.
Andere Indizes, die weniger technologielastig sind, schlugen sich
etwas besser. Den marktbreit aufgestellten S&P 500
belastete die Tech-Schwäche zwar noch relativ deutlich mit 1,5
Prozent auf 7.606 Punkte. Der stärker von traditionellen Branchen
dominierte Leitindex Dow Jones Industrial lag aber
viel weniger deutlich mit 0,6 Prozent im Minus bei 52.007 Zählern.
Seine Wochenbilanz liegt jetzt mit 0,4 Prozent im Minus, seine
Oktober-Bilanz bleibt mit mehr als zwei Prozent aber erfreulich.
Laut den Experten der DZ Bank kann sich die bisherige Berichtssaison
eigentlich "sehen lassen", doch im US-Technologiesektor falle sie
gerade unter den "Magnificent 7" weniger überzeugend aus. "Gute
Ergebnisse allein reichen nicht mehr aus", hieß es in einem
wöchentlichen Strategiepapier der Bank. Häufig machen derzeit neben
KI-Investitionen auch Cashflow-Entwicklungen den Unterschied.
Mit Amazon musste am Freitag der nächste Technologieriese den Sorgen
Tribut zollen: Die Aktien sackten um bis zu sechs Prozent auf ihren
tiefsten Stand seit Ende Juli ab, konnten ihren Abschlag dann aber
etwas auf 2,4 Prozent reduzieren. Der Kursverlust sei der
enttäuschenden Umsatzentwicklung der Cloud-Sparte AWS geschuldet,
schrieb der UBS-Experte Stephen Ju. Auch bei Amazon lasteten hohe
KI-Ausgaben auf der Aktie.
Die größten negativen Schlagzeilen kamen aber von Intel mit einem
Kurseinbruch um 28 Prozent. Der Chipkonzern sorgte mit seiner
Prognose für das Schlussquartal für eine herbe Enttäuschung. Das
Umsatzziel bleibe selbst hinter den pessimistischsten Schätzungen
zurück, merkte Analyst Timothy Arcuri von UBS an.
Anleger des Speichermedienherstellers Sandisk wurden
am Freitag von einem insgesamt starken Zwischenbericht und
überraschend hohen Ziele für das laufende Quartal nicht belohnt. Die
Papiere wurden auf ganzer Linie von der schlechten Branchenstimmung
erfasst, wie der zehnprozentige Abschlag zeigt. Auch ein Aktiensplit
wurde von dem Unternehmen vermeldet.
Im Nebenwertebereich wurden mit Roblox und Reddit
zwei Internetaktien mit prozentual zweistelligen
Kurseinbrüchen davon belastet, dass im vergangenen Quartal unter
anderem die Nutzerentwicklung enttäuschte. Im Falle von Reddit wurde
ein Viertel des Börsenwertes eingebüßt. Hier blieb auch die
Umsatzprognose für das vierte Quartal hinter den Erwartungen zurück.
Positive Kursentwicklungen waren selten und wenn, dann eher in
defensiven Branchen zu beobachten. Aus dem Pharmasektor schnellten
die Aktien von Regeneron um 11 Prozent hoch, gefolgt
vom Konkurrenten Gilead mit 3,4 Prozent Plus.
Außerhalb der Gesundheitsbranche legten die Papiere des
Lebensmittelherstellers Mondelez um mehr als drei
Prozent zu. Die drei Unternehmen überzeugten die Anleger mit ihren
vorgelegten Resultaten.
Mit dem Elektroautobauer Rivian gab es aber auch eine
positive Ausnahme aus der Technologiebranche. Dank einer
überraschend guten Umsatzentwicklung und der nach oben hin
eingeengten Absatzprognose legten die Anteilscheine um fünf Prozent
zu. Die US-Bank Jefferies reagierte mit einer Kaufempfehlung.
Auch die Ölriesen Chevron und ExxonMobil
konnten mit ihren Quartalsberichten punkten, wie
Kursanstiege von jeweils 1,8 Prozent belegten. Chevron profitierte
im dritten Quartal von den kräftig gestiegenen Preisen für Rohöl und
deutlich höheren Raffineriemargen./tih/he