VW-Tochter Audi rutscht fast in die roten Zahlen - Ziele gesenkt
Der Autobauer Audi hat im dritten Quartal nur
knapp die roten Zahlen vermieden. Nach Steuern verdiente die VW
Nach neun Monaten hat Audi 1,22 Milliarden Euro Gewinn eingefahren,
und 42 Milliarden Euro Umsatz gemacht. Beides sind starke Rückgänge.
Angesichts des ausgesprochen schlechten dritten Quartals senkte Audi
nun auch seine Prognose für das Gesamtjahr. Der Umsatz dürfte nur
noch 55 bis 59 Milliarden Euro betragen, die operative Rendite 3 bis
5 Prozent. Zuletzt waren noch 58 bis 63 Milliarden Erlös bei einer
Marge von 5 bis 7 Prozent angepeilt worden. Der Mutterkonzern
Volkswagen
"Die Geschäftsentwicklung wurde insbesondere durch den Markteinbruch in China - vor allem bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor -, die steigende Wettbewerbsintensität sowie den zunehmenden Exportdruck chinesischer Hersteller auf den europäischen Markt belastet", heißt es von Audi. "Hinzu kommen anhaltende Unsicherheiten infolge der Lage im Nahen Osten und dem damit verbundenen Anstieg der Energiekosten sowie durch US-Zölle."
Das ist die Krise, der sich alle deutschen Hersteller
gegenübersehen, doch die Ingolstädter werden besonders hart
getroffen - auch weil sie kein eigenes Werk in den USA haben und
gerade bei wichtigen Modellen Wechsel laufen. Zum Vergleich:
Konkurrent Mercedes
Rittersberger: Handlungsbedarf duldet keinen Aufschub
"Die Kennzahlen zeigen deutlich: Der Handlungsbedarf bei Audi ist hoch und duldet keinen Aufschub", sagte Rittersberger. "Vor allem im dritten Quartal hat sich das Umfeld noch einmal erheblich verschärft. Unsere Maßnahmen wirken, aber aufgrund des enormen Wettbewerbsdrucks müssen wir sie verstärken. Deshalb setzen wir auf konsequente Kostendisziplin, reduzieren Komplexität und erhöhen die Effizienz unserer Strukturen."
Dazu, was das für die deutschen Standorte bedeutet, bleibt Audi aber unkonkret. Mit der im vergangenen Jahr geschlossenen Zukunftsvereinbarung, habe man wichtige Maßnahmen auf den Weg gebracht, heißt es. "Darauf aufbauend sollen weitere Maßnahmen entwickelt werden, um Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung nachhaltig zu sichern. Die hierfür notwendigen Schritte sollen gemeinsam mit dem Gesamtbetriebsrat im Dialog erarbeitet werden." Die Zukunftsvereinbarung beinhaltete unter anderem den Abbau Tausender Jobs in Deutschland.
Aktuell wird um weitere Einsparungen gerungen. Dabei steht sogar das Aus des Werks in Neckarsulm im Raum. Anfang Oktober hat Audi angekündigt, die sogenannte Schlechtwetterklausel zu ziehen. Das ist eine Vereinbarung aus dem Jahr 2019, die festlegt, dass Geschäftsführung und Betriebsrat in Verhandlungen über Sparmaßnahmen treten müssen, wenn sich wesentliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen deutlich verschlechtern.
Ärger für den Chef
Ausgerechnet der Versuch, die Probleme in den USA in den Griff zu bekommen, hat Audi zudem eine weitere Krise beschert. Denn am Rande von Verhandlungen zum Bau eines Werks im US-Bundesstaat Georgia trat Audi-Chef Gernot Döllner am Wochenende überraschend zusammen mit US-Präsident Donald Trump auf. Dieser verkündete auf einer Wahlkampfveranstaltung Audis Pläne, dort ein Werk zu bauen, bevor er Döllner auf die Bühne rief, der Trump für dessen Unterstützung dankte.
Seither reißt die Kritik an Döllner, die bis hin zu Rücktrittsforderungen geht, nicht ab. Dabei geht es weniger um das Werk - dass sein Bau für Audi sinnvoll ist, wird weitgehend anerkannt - als um den Auftritt mit Trump kurz vor den wichtigen US-Zwischenwahlen am 3. November. Kritiker werfen Döllner vor, damit gegen Audis eigene Regeln verstoßen zu haben, die solche Auftritte ausschließen.
Döllner hat seinen Auftritt als im Interesse des Unternehmens verteidigt. Im Rahmen der Gespräche zum Werk in Georgia sei man gebeten worden, "unsere Pläne gemeinsam mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika öffentlich vorzustellen". Er hat bereits am Wochenende klargemacht, dass man eine solche Einladung nicht ablehne. Das gebiete alleine der Respekt vor dem Amt.
Zu den genauen Bedingungen für das geplante Werk hielt sich Rittersberger am Freitag bedeckt. Die Entscheidung für Georgia habe viele Gründe gehabt, von der Infrastruktur bis zu den Arbeitskräften, aber auch die Förderkulisse sagt er. Es ist also plausibel, dass größere Summen fließen. Dazu, ob der Deal schon im Vorfeld des Produktionsstarts Auswirkungen auf die von Audi zu zahlenden Zölle in den USA haben wird, sagte er nichts.
Diese Dinge und Döllners Auftritt dürften im weiteren Tagesverlauf auch Thema im Audi-Aufsichtsrat sein, der sich zu einer außerplanmäßigen Sitzung trifft./ruc/DP/men
ISIN DE0005190003 DE0007100000 DE0007664039
AXC0097 2026-10-30/09:19
Relevante Links: BMW AG, Mercedes-Benz Group, Volkswagen AG