Europas Börsen haben am Donnerstag
stärker nachgegeben. "Die hohen Energiepreise halten den Kostendruck
aufrecht, während eine nachhaltige Entspannung bei den
Staatsanleiherenditen ausbleibt", beschrieb Marktanalyst Andreas
Lipkow vom Broker CMC Markets das Handelsgeschehen. "Damit fehlt den
Aktienmärkten ein wichtiger Impuls für eine dauerhafte Erholung." So
lange weder von der Zins- noch von der Inflationsseite Entlastung
komme, dürften viele Anleger Gewinne sichern und ihre Risiken
reduzieren.
Der EuroStoxx 50 verlor am Mittag 1,86 Prozent auf
6.091,82 Punkte. Nicht ganz so schwach war der Schweizer Leitindex
SMI , der um 0,3 Prozent auf 14.508,08 Punkte sank und
damit von der Stärke der defensiven Schwergewichte profitierte. Der
britische FTSE 100 gab unterdessen um 0,66 Prozent
auf 10.681,90 Punkte nach.
Die Reaktion der Einzelwerte auf neue Zahlen war nicht ganz so stark
wie am Vortag. Ausnahme waren die Aktien von Hermes ,
die um 7,5 Prozent fielen. Nach Ansicht der Analysten von Bernstein
unterstrichen die Quartalszahlen das schwierige Marktumfeld. Die
Experten von RBC sprachen von einem durchwachsenen Zahlenwerk, wobei
der Umsatz unter den Erwartungen geblieben sei. Das belastete auch
andere Werte des Sektors wie Kering und LVMH
.
Technologiewerte litten unter den Vorgaben aus Asien, wo
Halbleiteraktien nachgegeben hatte. Die Aktien von ASML
sanken um 3,4 Prozent. SAP gaben trotz
solider Zahlen leicht nach. "SAP kann aus überzeugenden
Quartalsergebnissen kein Kapital schlagen", merkte Lupkow dazu an.
"Stattdessen nutzen Investoren die Gelegenheit für Gewinnmitnahmen."
Bei Nokia kam es ebenfalls trotz solider Zahlen zu
Abgaben. Die Analysten von Oddo lobten zwar das Zahlenwerk,
vermissten aber eine erhöhte Prognose. Nokia büßten 4,4 Prozent ein.
Stattdessen hielten sich Anleger an defensive Sektoren. So lagen
Nahrungsmittelwerte nach soliden Zahlen von Nestle an
der Spitze der Einzelsektoren. Der Nahrungsmittelkonzern hatte die
Erwartungen von Analysten geschlagen. Bei JPMorgan sieht man Nestle
nach vier Jahren mit praktisch stagnierendem Mengenwachstum auf dem
"Weg zu einer nachhaltigen Erholung". Die Aktie gewann 1,2 Prozent
und näherte sich damit den Jahreshochs.
Auch Pharmawerte waren gefragt. Dabei hinkten allerdings Roche
mit leicht nachgebenden Kursen etwas hinterher. Mit
seinen Umsatzzahlen für die ersten neun Monate hatte der
Pharmakonzern im Rahmen der eigenen Ziele abgeschnitten.
Entsprechend hatte das Management denn auch die bisherigen Ziele für
das Gesamtjahr bestätigt. Aktien von Argenx fielen
sogar um 2,9 Prozent. Das Biotechnologieunternehmen hatte mit seinem
operativen Gewinn die Schätzungen verfehlt./mf/mis