Aktien Frankfurt: KI-Werte belasten den Dax - Lage trübt sich weiter ein
Der deutsche Aktienmarkt hat am Dienstag an
den schwachen Wochenauftakt angeknüpft. Im Dax prägten Kursverluste
bei Einzelwerten mit KI-Fantasie das Gesamtbild negativ. Aber auch
die hohen Energiepreise sowie die Unruhen in Frankreich mit ihren
Auswirkungen am Anleihemarkt wurden weiterhin als Belastungen
genannt.
Mit zuletzt 25.073 Punkten stand der Dax am
Nachmittag mit gut einem Prozent im Minus. Der Leitindex rutschte
nach einigen Tagen wieder zurück unter die kurzfristig relevante
Indikatorlinie des 21-Tage-Durchschnitts. Der MDax
verlor 1,7 Prozent auf 29.982 Zähler und an der New Yorker Nasdaq
bahnten sich zeitgleich Verluste an.
Charttechnisch wackelt in der neuen Woche der am Freitag versuchte
Dax-Ausbruch aus dem jüngsten Korrekturtrend, der Ende August mit
dem Rekord begonnen hatte. Als nun wichtige Unterstützungen werden
zuerst die 25.000-Punkte-Marke und darunter dann die 200-Tage-Linie
sowie das bisherige Oktober-Tief angesehen.
Der US-Index Nasdaq 100 mit seinen vielen KI-Werten
hatte sich am Montag zwar etwas stabilisiert, doch in Asien war es
am Dienstag für Tech-Werte schon wieder abwärts gegangen. Die
Infineon-Titel gaben vor diesem Hintergrund als
größter Dax-Verlierer um vier Prozent nach. Im MDax erwischte es
auch mit der Chipbranche verbundene Ausrüster und Zulieferer.
Mit Hochtief und Siemens Energy
gerieten auch andere Dax-Werte mit Fantasie für den Ausbau von
Rechenzentren unter Druck. Dies galt außerdem für das
Index-Schwergewicht Siemens , dessen Aktien mit einem
Abschlag von 3,6 Prozent zum größten Indexverlierer wurden.
Rekordhohe Auftragseingänge des Schweizer Konkurrenten ABB
konnten dies nicht mildern.
In der Tech-Branche machen sich weiterhin Sorgen breit, wie lange
die enorm hohen Investitionen noch das Potenzial haben, sich zu
lohnen. Angespannt wird außerdem auf die bald erwarteten
Quartalszahlen großer US-Tech-Konzerne geblickt. SpaceX
wird am Dienstag nach Börsenschluss berichten und am
Tag darauf folgen Meta und IBM .
Laut Experte Nelson Yu von AllianceBernstein trifft die lange Zeit
gültige KI-Euphorie neuerdings auch "auf Zinsrealität". Nach Ansicht
der Landesbank Baden-Württemberg machen die massiven Ausschreitungen
in Frankreich, die es am Wochenende gegeben hatte, die Bemühungen um
eine Konsolidierung des Staatshaushalts nicht einfacher. Damit
einhergehend bleibt die Unsicherheit am Anleihemarkt groß.
Steigende Marktzinsen sind schon länger ein Problem für
Immobilienunternehmen, unter denen die Titel von Vonovia
am Dienstag um drei Prozent auf einen weiteren
Tiefstand seit 2023 abrutschten. Der Kurs von LEG
fiel um 1,1 Prozent, nachdem die US-Bank Morgan Stanley ihr Votum
auf "Underweight" gesenkt hatte.
Die Aktien von TAG Immobilien hoben sich mit fast
einem Prozent Plus positiv ab nach einer Kaufempfehlung von Goldman
Sachs. Der Wachstumsmotor Polen verhelfe zu einer branchenführenden
Gewinndynamik, schrieb der Experte Jonathan Kownator. Zudem lobte er
bei TAG die Rendite und die geringen Leerstände im deutschen
Immobilienbestand.
Im Dax waren die Aktien des Energiekonzerns Eon dank
ihres defensiven Charakters ein Lichtblick. Ein Händler verwies hier
auf das Nachwirken eines Artikels im "Manager Magazin", das am
Vortag über ein geplantes Sparprogramm berichtet hatte.
Unter den kleineren Werten im SDax waren Tonies
und Mutares gefragt. Bei dem
Hörspielboxen-Hersteller Tonies setzt Analyst Sinan Doganli von der
Investmentbank Oddo BHF auf ein gutes drittes Quartal. Das
Beteiligungsunternehmen Mutares schloss eine Vereinbarung zur
Veräußerung der polnischen Drogeriemarktkette Natura ab./tih/mis