Aktien Frankfurt: Verluste - Dax muss sich nach Erholung beweisen
Die jüngste Erholung des Dax
wird gleich zum Start in die neue Woche auf eine harte Probe
gestellt. Die Ölpreise verringerten im Tagesverlauf ihr Minus und
der deutsche Leitindex geriet im Gegenzug weiter unter Druck.
Am frühen Montagnachmittag notierte der Dax bei einem Stand von
25.300,99 Punkten 1,3 Prozent im Minus. Der MDax mit
den mittelgroßen Börsenkonzernen fiel um 0,6 Prozent auf 30.468,25
Punkte.
Damit steht der Dax-Freitagsausbruch nach oben aus dem
Korrekturtrend, den er nach dem Rekord von 26.618 Punkten Ende
August eingeschlagen hatte, auf der Kippe. Für Zurückhaltung sorgte
neben den weiterhin hohen Ölpreisen zum Wochenstart vor allem der
neuerliche Kursrutsch im US-Tech-Sektor, der den Nasdaq 100
am Freitagabend auf das tiefste Niveau seit vier
Wochen zurückgeworfen hatte. Zwar zeichneten sich am Montag Gewinne
für den Nasdaq 100 ab, den Freitagsverlust dürfte er aber laut
Indikation nicht wettmachen.
"An der Wall Street macht sich zunehmend Ernüchterung breit, denn
die Anleger stellen immer häufiger die Frage, ob sich die
gigantischen Milliardeninvestitionen in Künstliche Intelligenz am
Ende überhaupt rechnen", erklärt Marktexperte Jürgen Molnar vom
Broker RoboMarket die aktuell angeschlagene Stimmung. Hinzu komme
der weiterhin hohe Ölpreis.
Da der Dax aber weit weniger von KI-Aktien beeinflusst wird als
US-Indizes, hatte er sich schon jüngst teils besser geschlagen als
diese. "Sollte nun auch noch die Hoffnung auf Frieden in der Ukraine
konkreter werden, könnte der deutsche Aktienmarkt zusätzlichen
Rückenwind bekommen", so Molnar. Für Fantasie sorgte hier ein
Bericht des "Wall Street Journal", demzufolge Russlands Präsident
Wladimir Putin einen Dreiergipfel mit US-Präsident Donald Trump und
Chinas Staatschef Xi Jinping vorgeschlagen haben soll, um über ein
Ende seines Angriffskriegs gegen die Ukraine zu verhandeln.
Auf der Unternehmensseite richteten sich die Blicke der Anleger zum
Wochenstart auf die DHL Group . Der Logistikkonzern
hob nach einem Ergebnisanstieg im dritten Quartal zwar seine
Prognose für den operativen Gewinn des laufenden Jahres an, der
Aktienkurs sank dennoch um fast zwei Prozent. Ein Händler wertete
den neuen Ausblick positiv, eine komplette Überraschung sei er aber
nicht. Zudem waren die Papiere zuletzt schon gut gelaufen.
Schwach waren auch die Anteilsscheine des Immobilienkonzerns Vonovia
, der in Berlin stark vertreten ist, mit einem Minus
von ebenfalls fast zwei Prozent. Die Anleger schauen nervös Richtung
Berlin, wo die Grünen und die SPD bald über die Aufnahme von
Koalitionsverhandlungen mit der Linkspartei entscheiden. Im Falle
einer rot-rot-grünen Regierung droht in der Hauptstadt die
Vergesellschaftung großer privater Wohnungsbestände, wie das
Sondierungspapier der drei Parteien verrät. Nachdem das Thema
Vergesellschaftung nach Querelen zwischen den Parteien etwas in den
Hintergrund gerückt war, haben es die Anleger an der Börse nun
wieder stärker auf dem Schirm.
Norma Group stellte indes ihre Strategie bis 2031
vor. Der Verbindungstechnikhersteller und Autozulieferer will mit
seiner neuen Aufstellung leicht wachsen und dabei deutlich
profitabler werden. Für etwas Verstimmung sorgte bei den Anlegern
aber die Aussicht auf eine geringere Dividende. Ab 2027 sollen
nämlich nur noch mindestens 10 Prozent des bereinigten
Konzernjahresergebnisses ausgeschüttet werden anstelle der bisher
versprochenen 30 bis 35 Prozent. Der Aktienkurs sank um rund zwei
Prozent.
Eine Empfehlung der Citigroup lieferte den Aktien des
Autozulieferers Aumovio Rückenwind. Ihr Kurs stieg um
1,4 Prozent, nachdem die Analysten die Bewertung bei einem Kursziel
von 56 Euro mit "Buy" aufgenommen hatten. Analyst Ross MacDonald
setzt bei Autozulieferern vor allem auf jene mit antriebsneutralen
Geschäftsmodellen, sauberen Bilanzen und Wachstumsoptionen abseits
der Fahrzeugbranche.
An der Spitze des Nebenwerteindex SDax setzten die Aktien des
Raumfahrt- und Technologiekonzerns OHB ihre Rally mit einem Anstieg
um 6,4 Prozent fort. Jüngst hatte eine Einschränkung des
Starlink-Satellitennetzes der US-Firma SpaceX für die Ukraine zu
Problemen im Abwehrkampf des Landes gegen den Aggressor Russland
geführt. Das verdeutlichte einmal mehr, wie wichtig es für Europa
ist, die eigene Satellitenflotte deutlich auszubauen.
Die Aktien des Biospritherstellers Verbio trotzen mit
einem Kursplus von 0,6 Prozent ebenfalls dem schwachen Gesamtmarkt.
Nach ihrer Freitagsrally profitierten sie nun von einer möglichen
Einführung von E20-Benzin. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger
(CDU) hatte der "Augsburger Allgemeinen" auf die Frage, wie er dem
Klimaschutz Rechnung tragen wolle, gesagt: "Zurzeit setze ich mich
mit meinem französischen Amtskollegen dafür ein, dass wir die
Beimischung von Biokraftstoffen erhöhen." E20 entspräche einer
maximalen Beimischquote von 20 Prozent für Bioethanol im
Benzin./mis/stk