Wiener Börse (Nachmittag) - Erneut schwache Bankaktien belasten ATX / Leitindex vor tiefroter Wochenbilanz - Lenzing nach Kapitalerhöhung weiter im freien Fall - US-Arbeitsmarktbericht hinterlässt keine Spuren
Nach dem tiefroten Vortag hat die andauernde Schwäche der Bankwerte den Wiener Aktienmarkt auch am Freitag belastet. Sinkende Ölpreise boten kaum Unterstützung, während schwache US-Arbeitsmarktdaten spurlos am hiesigen Aktienmarkt vorübergingen.
Nach einem anfänglichen Stabilisierungsversuch stand der ATX am frühen Nachmittag 0,31 Prozent im Minus auf 6.657,54 Punkten. Auf Wochensicht steuert der Leitindex jedoch einen deutlichen Verlust von gut vier Prozent an. Das wäre die schwächste Wochenbilanz seit Beginn des Iran-Kriegs Anfang März.
Für den ATX Prime ging es am Freitag um 0,34 Prozent auf 3.268,07 Zähler hinab. Das europäische Umfeld zeigte sich dagegen erholt.
Am Vortag hatte der Mix aus steigenden Ölpreisen und robusten US-Konjunkturdaten die Inflations- und Zinssorgen weiter angefacht und dadurch die Anleiherenditen weltweit in die Höhe getrieben. Mit fortschreitender Sitzung habe sich die Lage in eine klassische Risk-Off-Bewegung gewandelt, schreiben die Marktstrategen der Deutschen Bank. Nun beruhigte sich die Lage am Anleihemarkt wieder etwas, mittelfristige französische Staatsanleihen blieben aber etwas unter Druck.
Belastet wurde der ATX von den schwer gewichteten Bankaktien, bei denen nach dem schwachen Vortag weiter keine Besserung in Sicht war. BAWAG, RBI und Erste Group gaben um bis zu 2,4 Prozent nach. Etwas gestützt wurde der Leitindex dagegen von der Kurserholung der Industriewerte und der Versicherer. An der ATX-Spitze zogen AT&S wieder um 8,4 Prozent an. Europaweit waren Aktien mit KI-Fantasie wieder gefragt.
Inzwischen befinden sich die Anteilsscheine der Lenzing weiter im freien Fall. Der Aktienkurs brach um 29 Prozent auf 13,90 Euro ein, womit die Papiere den tiefsten Stand seit 2003 erreichten. Am Vortag hatte der Faserhersteller eine Kapitalerhöhung mit einem deutlichen Abschlag des Bezugspreises auf den vorherigen Aktienkurs angekündigt. Zum Wochenausklang nahm nun Berenberg ihre erst vor wenigen Monaten ausgesprochene Kaufempfehlung zurück. Das neue Anlagevotum lautet nun "Hold" mit einem deutlich niedrigerem Kursziel von 17 Euro. Die Bank war bis zuletzt das einzige Institut mit einer positiven Einschätzung zu der Aktie.
"Die bevorstehende Kapitalerhöhung in Höhe von 300 Mio. Euro lässt uns vermuten, dass der Hauptaktionär Suzano hinsichtlich seiner Beteiligung an Lenzing eher eine abwartende Haltung einnimmt, anstatt weiter auf diese zu setzen", schrieb Berenberg-Analyst Sebastian Bray. Auch hätten sich die gestiegenen Rohstoffpreise für Baumwolle und Viskose nicht im erwarteten Umfang in den Ergebnissen des Faserherstellers widergespiegelt, bemängelte Bray zudem. Im aktuellen Umfeld steigender Zinsen sei er nicht bereit, eine Kaufempfehlung beizubehalten.
Palfinger notierten etwas höher bei 26,75 Euro. Die Deutsche Bank hatte ihr Kursziel für die Aktie von 47,0 Euro auf 41,0 Euro gesenkt. Die Kaufempfehlung "Buy" wurde nach der Ankündigung einer Wertberichtigung des Russland-Geschäfts von Analyst Lars Vom-Cleff aber beibehalten.
spa/mik
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