ROUNDUP 4: BASF streckt bei Evonik die Fühler aus - Evonik-Aktien ziehen an
(neu: BASF, Schlusskurse)
LONDON (dpa-AFX) - Mitten in einer tiefen Branchenkrise hat der
Chemiekonzern BASF
Laut Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg hat BASF seit mehreren Monaten mit Beratern einen Deal sondiert. Die "FT" berichtete am Freitag zuvor unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen, dass die Ludwigshafener hinsichtlich einer Übernahme nicht nur mit dem Unternehmen, sondern auch mit der RAG-Stiftung als Evonik-Großaktionärin gesprochen hätten.
Der weltgrößte Chemiekonzern wolle mit einem Kauf seinen regionalen Fußabdruck sowie seine Produktpalette ausbauen, unter anderem, um im Wettbewerb mit chinesischen Anbietern stärker dazustehen, hieß es in dem Blatt. Ein Deal wäre angesichts Evoniks Börsenwert groß. Dieser kletterte wegen des Kursanstiegs infolge des am Freitag bekannt gewordenen BASF?Interesses über die Marke von neun Milliarden Euro. BASF kommt auf eine Marktkapitalisierung von 45 Milliarden Euro.
BASF-Aktien schlossen knapp vier Prozent tiefer, Evonik-Papiere zogen um mehr als sieben Prozent an. Bereits am Dienstag hatte das Fachmedium "Dealreporter" über ein Interesse von BASF an Evonik berichtet. Seitdem haben sich Evonik-Aktien sukzessive erholt, nun mit kräftigem Schwung.
BASF bestätigte die Sondierungen und erklärte, Fortgang und Ausgang seien gegenwärtig offen. Der Konzern prüfe fortlaufend die strategische Option von Akquisitionen, die seine Kerngeschäfte stärken, einen hohen strategischen Fit aufwiesen sowie profitables Wachstum und Wertsteigerung förderten. Dabei gehe BASF diszipliniert vor.
Die RAG-Stiftung erklärte, von BASF auf ein etwaiges freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot angesprochen worden zu sein. Weiter wollte sich die Stiftung nicht äußern. Sie wies jedoch darauf hin, dass sie derzeit drei Schuldverschreibungen mit einem Umtauschrecht in Evonik-Aktien ausstehen hat. Die RAG-Stiftung hält eigenen Angaben zufolge rund 43,8 Prozent an dem Unternehmen, ihre Stimme gilt als wegweisend für einen möglichen Zusammenschluss.
Chemiekonzerne haben es derzeit angesichts stark anziehender Energiekosten infolge des Kriegs im Nahen Osten schwer, auch wenn es in einigen Fällen wegen Knappheiten ihrer Produkte eine Sonderkonjunktur mit steigenden Verkaufspreisen gibt.
BASF baut seit einiger Zeit Stellen ab, um die Kosten im Griff zu halten. Von Januar 2024 bis Ende Juni 2026 habe das Unternehmen weltweit rund 7.000 Stellen abgebaut, teilte das Unternehmen Ende Juli zur Halbjahresbilanz mit. Dank steigender Preise konnte BASF-Chef Markus Kamieth allerdings die Gewinnprognose für das laufende Jahr anheben.
Neben einem Stellenabbau vor allem im Stammwerk Ludwigshafen setzt
das Unternehmen auch schon länger auf den Umbau seiner Struktur. So
hat BASF Ende Juni den Verkauf von 60 Prozent des Fahrzeugserien-
und Autoreparaturlack-Geschäfts an den US-Finanzinvestor Carlyle
Auch bei Evonik wird gespart - trotz im Sommer ebenfalls erhöhter Gewinnaussichten. Bis Ende 2029 sollen weitere 3.200 Stellen gestrichen werden, davon 2.150 in Deutschland. Zudem kündigte der Chemiekonzern an, das unprofitable Polyester-Geschäft mit einem Jahresumsatz von rund 150 Millionen Euro einzustellen.
Von Massengeschäften verabschieden sich die Essener, weitere Verkäufe stehen noch an. So strebt Evonik die Trennung vom Geschäft mit Standardchemikalien der Sparte Performance Materials an. Krankheitsbedingt ist der etatmäßige Chef Christian Kullmann nach einer Operation derzeit nicht an Bord, vertreten wird er von Asien-Chef Claus Rettig./men/nas/zb
ISIN DE000BASF111 DE000EVNK013
AXC0224 2026-09-25/18:05
Relevante Links: BASF SE, Evonik Industries AG