ROUNDUP 2/Analyse: Deutsche Autobauer verlieren weiter an Boden
(Neu: weitere Details)
STUTTGART (dpa-AFX) - Die drei deutschen Autobauer verlieren im
Vergleich zur internationalen Konkurrenz weiter an Boden. In der
ersten Jahreshälfte sanken die Umsätze von Volkswagen
Für die deutschen Hersteller handelt es sich den Angaben nach um das
dritte Umsatzminus in einem ersten Halbjahr in Folge. Noch
deutlicher werde der Rückstand im Konzern-Ranking: 15 Autobauer
verzeichneten EY zufolge ein Umsatzplus - die drei deutschen
Konzerne aber belegen die Plätze 16, 17 und 19. Den stärksten
Zuwachs erzielte Tesla
Auch beim Gewinn setzt sich die Schwäche der deutschen Autoindustrie
fort: Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) der deutschen
Autobauer sank um 19,0 Prozent auf 13,0 Milliarden Euro. Absolut
lagen VW
Der Gewinn aller betrachteten Hersteller stieg demnach um 11,4 Prozent auf 43,7 Milliarden Euro. Der Vergleich werde aber dadurch beeinflusst, dass etliche Konzerne im Vorjahreszeitraum massive Abschreibungen auf das Geschäft mit E-Autos vorgenommen hätten. Dadurch fällt der Anstieg größer aus.
EY: "Made in Germany" wird zur Achillesferse
Nach Ansicht von EY-Branchenexperte Constantin Gall steckt Deutschlands Autoindustrie in einer Profitabilitätskrise. "Die deutschen Hersteller verlieren nicht nur Marktanteile, sondern vor allem Ertragskraft", teilte Gall mit. Während internationale Wettbewerber ihre Margen stabilisierten, gerieten VW, Mercedes-Benz und BMW bei Gewinn und Rendite zunehmend ins Hintertreffen.
"Die deutschen Konzerne leiden massiv unter strukturellen Kostennachteilen", teilte Gall weiter mit. Der hohe Produktionsanteil in Deutschland sei lange ein Wettbewerbsvorteil und Symbol für Qualität und Stärke gewesen. Angesichts einer viel zu geringen Lohnkostenproduktivität, hoher Energiepreise und hoher Kosten für Regeln und Bürokratie werde er aber zunehmend zur Belastung.
Notwendige Veränderungen könnten hierzulande nicht konsequent umgesetzt werden. Daher werde es schwer, beim Thema Profitabilität den Anschluss an die Weltspitze wiederherzustellen. "Deutsche Konzerne suchen daher ihr Heil in der Abwanderung an attraktivere Standorte", erklärte Gall. Deutschland könne nur Autonation bleiben, wenn alle Beteiligten über ihre Schatten sprängen und die strukturellen Standortnachteile schnell und pragmatisch lösten.
Ein großer Bremsklotz: China
Neben den US-Zöllen macht den Autobauern insbesondere der Markt in China zu schaffen. Dieser hat sich Gall zufolge von der "Cashcow" zum Sorgenkind entwickelt: In der Volksrepublik haben die drei deutschen Autobauer demnach von Januar bis Juni einen Absatzrückgang von 25 Prozent verzeichnet. "China bleibt das größte Einzelrisiko für die deutschen Konzerne". Ein Minus in dieser Größenordnung lasse sich nicht kurzfristig in anderen Regionen ausgleichen. Da helfe es wenig, dass es für die Deutschen in Europa aktuell relativ gut laufe.
Der chinesische Markt ist Gall zufolge extrem wettbewerbsintensiv. Angesichts der schwachen Konjunktur verkaufen sich teure Premiumfahrzeuge schlechter. Und im wachsenden Elektrosegment bevorzugen chinesische Kunden demnach einheimische Marken. Der Anteil Chinas am weltweiten Absatz von Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW sank binnen eines Jahres von 28,9 auf 23,5 Prozent.
Aber auch die untersuchten Autokonzerne aus China stehen unter Druck: Ihr weltweiter Absatz sank im ersten Halbjahr um acht Prozent, während der Absatz in Europa um 44 Prozent zulegte. "Der weltweite Expansionskurs und der brutale Preiswettbewerb im Heimatmarkt kosten auch die chinesischen Hersteller viel Geld", erklärte Gall. Aber sie hielten daran fest. Das bedeute für die Anbieter aus Europa weiter steigenden Preisdruck in der Heimat.
IG Metall mobilisiert gegen Stellenabbau
Die Krise sorgt auch in der deutschen Autoindustrie für Unruhe.
Angesichts der Probleme laufen eine Reihe von Jobabbauprogrammen,
die sich über mehrere Jahre erstrecken. Zehntausende Menschen sind
betroffen - unter anderem bei Mercedes-Benz, BMW, im VW-Konzern und
den dazugehörigen Marken sowie bei Zulieferern wie Bosch, Aumovio
Dagegen macht die IG Metall am Montag an gut 200 Orten mobil. Unter dem Motto "Zukunft statt Kahlschlag" erwartet die Gewerkschaft mehr als 100.000 Teilnehmer. Die Gewerkschaft fordert von den Herstellern unter anderem mehr Investitionen in deutsche Werke, etwa in Batteriefertigung und autonomes Fahren.
Industrie: Produktion in Deutschland ist kein Naturgesetz
Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hält umgekehrt eine größere Veränderungsbereitschaft von Gewerkschaften und Beschäftigten für nötig. Produktion in Deutschland sei "kein Naturgesetz", die Auslastung von Werken "kein Selbstläufer", schrieb VDA-Präsidentin Hildegard Müller in einem Gastbeitrag für das "Handelsblatt".
Als Wettbewerbsnachteil nannte sie vor allem die hohen Arbeitskosten und die kürzeren Arbeitszeiten in Deutschland. Eine Arbeitsstunde koste in der deutschen Autoindustrie fast 65 Euro, in Tschechien 24 und in Polen 18 Euro. In Deutschland würden durchschnittlich 1300 Stunden im Jahr gearbeitet, in Tschechien 1800 und in Mexiko mehr als 2000 Stunden./jwe/DP/zb
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Relevante Links: BMW AG, Mercedes-Benz Group, Volkswagen AG, Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG, Tesla Inc., Aumovio SE, Suzuki Motor Corporation, General Motors Company, Ford Motor Company