ROUNDUP/Aktien Europa Schluss: Heftige Verluste am großen Verfallstag
Europas Börsen haben nach zwei
Erholungstagen am Freitag einen heftigen Rückschlag erlitten.
Marktanalyst Andreas Lipkow vom Broker CMC Markets hatte schon vorab
auf mögliche Kursverwerfungen im Zuge des großen Verfalls an den
Terminbörsen verwiesen.
Der EuroStoxx 50 weitete im Tagesverlauf seine
Verluste aus und schloss 1,37 Prozent tiefer mit 6.236,20 Punkten.
Das Wochenminus ist fast identisch mit dem aktuellen Kursrückgang.
Für den britischen FTSE 100 ging es am Freitag um
1,50 Prozent auf 10.654,33 Punkte bergab. Der Schweizer SMI
sank um 1,15 Prozent auf 13.786,72 Punkte.
Im marktbreiten Stoxx Europe 600 erlitten die Autowerte
angesichts einer Gewinnwarnung von Volkswagen
die heftigsten Verluste. Wegen einer
milliardenschweren Abschreibung auf Porsche, schwacher Geschäfte in
China und weiterer Kosten für den Konzernumbau senkten die
Wolfsburger ihre operative Margenprognose für das Jahr massiv. Die
Aktien büßten daraufhin an ihrem vorerst letzten Tag als
EuroStoxx-Mitglied am Indexende 5,6 Prozent ein.
Ebenfalls unter die Räder gerieten die zuletzt gut gelaufenen
Telekommunikationsaktien . Anleger nahmen eine
Abstufung von Orange zum Anlass für Gewinnmitnahmen.
Die US-Bank Morgan Stanley hatte die Aktien der Franzosen auf
"Underweight" gesenkt. Wegen politischer Unsicherheiten machen die
Analysten das Risiko eines verlangsamten Gewinnwachstums aus.
Außerdem werden zunehmender Wettbewerb in Spanien und eine
anziehende Verschuldung befürchtet. Orange verloren 5,8 Prozent, das
Sektor-Schwergewicht Deutsche Telekom büßte 4,2
Prozent ein.
Die Aktien der Nahrungsmittel und Getränkehersteller
litten unter dem Kursrutsch von Nestle um 2,6
Prozent. Russland hatte einige Gesellschaften in dem Land unter
vorübergehende Fremdverwaltung gestellt. Die Anteile bleiben formal
zwar bei Nestle, das Unternehmen verliert aber zunächst die
Kontrolle über die Beteiligungen.
Analysten schätzen, dass Russland rund ein bis zwei Prozent zum
Konzernumsatz beiträgt. Aber es geht auch um beträchtliche
Vermögenswerte. Schätzungen beziffern den Wert des russischen
Geschäfts auf gut 1,75 Milliarden Franken. Diese müssten im
schlimmsten Fall abgeschrieben werden.
Europaweit schaffte nur der Technologiesektor im
Kielwasser der erneut überwiegend gefragten US-Halbleiterwerte ein
knappes Plus./gl/nas