ROUNDUP/UN warnen: 'Die Krise wächst stündlich' im Jemen
Die Kämpfe im Jemen haben nach UN-Angaben die desolate Lage der Menschen noch verschlimmert. "Die Krise wächst stündlich", sagt Francesco Galtieri, Vertreter des UN-Bevölkerungsfonds (UNFPA), der für sexuelle und reproduktive Gesundheit zuständig ist.
22 Millionen Menschen, fast die Hälfte der gesamten Bevölkerung, seien auf humanitäre Hilfe angewiesen, sagt der Büroleiter der UN-Organisation für Migration (IOM), Abdusattor Esoev, in Aden, der Hafenstadt unter Kontrolle der Regierung. Diese bekämpft seit Jahren die islamistische, vom Iran unterstützte Huthi-Miliz, die seit 2014 den Norden des Landes und die Hauptstadt Sanaa kontrolliert. Die Miliz eroberte vergangene Woche die Rotmeerküste an der strategisch wichtigen Meerenge Bab al-Mandab. Die Kämpfe laufen im Hinterland weiter.
2.000 Schwangere auf der Flucht
Mindestens 112.000 Menschen seien vertrieben worden, davon mehr als 100.000 in den vergangenen zwei Wochen, sagt Esoev. Unzählige Frauen seien ohne jegliches Hab und Gut mit ihren Kindern auf der Flucht. Frauen hätten unter freiem Himmel und ohne jede Hilfe Babys auf die Welt gebracht.
Weitere 2.000 Schwangere sind nach Schätzung von Galtieri auf der Flucht, von denen rund 200 in Kürze ihr Baby erwarteten. Alle UN-Organisationen brauchen dringend mehr Geld, um die Menschen zu unterstützen, wie sie sagen. Manche Hilfspläne seien bislang nur zu weniger als 20 Prozent finanziert.
Bewohner von Mokka: Sind Gefangene in eigenen Häusern
"Wir wissen nicht, was uns die kommenden Tage bringen werden, nachdem wir unser Leben und unsere Habseligkeiten zurücklassen mussten", sagt die etwa 50 Jahre alte Umm Abdul Rahman der Deutschen Presse-Agentur am Telefon. Die alleinstehende Witwe und Mutter von fünf Kindern war vor Kämpfen in der Tais-Provinz in ein benachbartes Gebiet geflohen. Sie lebt mit ihrer Familie nun in einem Zelt unter extrem schwierigen humanitären Bedingungen. An Lebensmittel, Trinkwasser und weitere lebensnotwendige Güter sei nur schwer heranzukommen.
Mohammed al-Mansouri, ein Bewohner von Mokka, berichtet von schwierigen Bedingungen in der kürzlich von der Huthi-Miliz eingenommenen Hafenstadt. "Wir sind zu Gefangenen in unseren eigenen Häusern geworden. Wir können nicht gehen und sind ständig in Angst", sagt er im dpa-Gespräch. Zudem hätten die Huthi den Bewohnern der Stadt ihre eigene Währung aufgezwungen und die Lehrpläne in der Schule ihrer Ideologie angepasst.
Flüchtlinge in Dschibuti berichten von Bomben
Per Boot sind über den Golf von Aden inzwischen rund 3.000 Menschen in Dschibuti angekommen. Die kürzeste Strecke über die Meerenge Bab al-Mandab sind gut 25 Kilometer. Sie berichteten von Bombardierungen, Schießereien und ihrer Angst ums Überleben.
Viele Ankömmlinge hätten ihre Familie zurückgelassen und hofften, diese bald nachholen zu können, sagt die Vertreterin des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) in Dschibuti, Sandrine Desamours. Zurzeit sei das Meer rau, und es fehle den Menschen im Jemen Treibstoff. Dschibuti nehme die Menschen großzügig auf, obwohl das kleine Land schon 36.000 Flüchtlinge überwiegend aus Äthiopien und Somalia beherberge.
Dschibuti am Horn von Afrika selbst hat 1,2 Millionen Einwohner. Die Zahl der Flüchtlinge macht gut drei Prozent der Bevölkerung aus. Umgerechnet auf Deutschland wäre das so, als würden hier 2,5 Millionen Flüchtlinge aufgenommen./oe/DP/zb
AXC0213 2026-09-18/17:34