Wiener Börse (Nachmittag) - ATX dreht trotz tiefroter RBI ins Plus / Heimischer Leitindex gewinnt 0,3 Prozent - RBI-Aktie verliert nach Short-Attacke acht Prozent
Die Wiener Börse hat sich am Donnerstagnachmittag wieder in die Gewinnzone zurückgearbeitet. In einem freundlichen Börsenumfeld bremste ein Kursrutsch der RBI-Aktie den Leitindex ATX, der mit plus 0,27 Prozent auf 6.829 Punkte etwas hinter anderen europäischen Barometern zurückblieb. Der ATX Prime gewann 0,29 Prozent auf 3.351 Zähler.
Am Vorabend hatte die US-Notenbank Fed ihre Zinsspanne wie erwartet um 0,25 Prozentpunkte angehoben. Zudem fielen Signale zum weiteren Zinspfad restriktiver aus, als vom Markt erwartet. Dass die Leitzinsen erhöht wurden, ist nach Einschätzung der Helaba-Experten positiv zu sehen, denn so demonstrieren die Währungshüter Entschlossenheit und vor allem Unabhängigkeit gegenüber der US-Administration, die stets Druck ausübt und eher Zinssenkungen als Erhöhungen wünscht.
Der Aktienkurs der Raiffeisen Bank International (RBI) sackte um knapp acht Prozent auf 59,70 Euro und damit auf den tiefsten Stand seit Anfang August ab. Belastet wurden die Titel durch einen kritischen Bericht des Leerverkäufers Grizzly Research. Der Shortseller warf der RBI vor, sich zu einem zentralen Kanal für die Umgehung von Sanktionen in der Kriegswirtschaft Russlands entwickelt zu haben. Zudem hätten Recherchen russisches Handelsvolumen in Höhe von 1,191 Mrd. US-Dollar aufgedeckt, das aus Geschäften mit Gütern bestanden habe, die zum damaligen Zeitpunkt Ein- und Ausfuhrbeschränkungen westlicher Staaten unterlägen.
Zudem haben die Analysten der Erste Group ihre Einstufung für die RBI-Aktien von "Accumulate" auf "Hold" zurückgenommen. Das Kursziel wurde hingegen deutlich von 43,0 auf 70,0 Euro erhöht.
Die Erste-Experten meldeten sich auch zur Porr-Aktie. Hier haben die Analysten ihr Kursziel für die Papiere von 45,9 auf 42,0 Euro gekürzt. Das Anlagevotum "Accumulate" für die Titel des Baukonzerns wurde gleichzeitig bestätigt. Die Porr-Aktie baute ein Plus von 0,1 Prozent auf 37,05 Euro.
Im Technologiebereich gewannen die AT&S-Titel starke 5,2 Prozent. Europaweit stand die Techbranche am Berichtstag in der Gunst der Anleger weit oben.
Andritz legten 1,6 Prozent zu. Der steirische Anlagenbauer hat als Teil eines Konsortiums den Zuschlag für die Modernisierung des Wasserkraftwerks Râul Mare Retezat in Rumänien erhalten. Der Auftragswert liege im hohen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich.
Wienerberger verbesserten sich um 0,9 Prozent. Der italienische Energiedienstleister Edison Next und der Baustoffkonzern Wienerberger haben im norditalienischen Piemont eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von knapp drei Megawatt in Betrieb genommen. Mit dem Projekt will Wienerberger die Energieversorgung des dortigen Standorts stärker auf erneuerbare Quellen ausrichten und zugleich seine Energieautonomie verbessern.
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