ROUNDUP/Aktien Frankfurt Schluss: Kaum verändert - Dax am Tropf des Ölpreises
Der deutsche Aktienmarkt hat sich nach den
Verlusten zu Wochenbeginn etwas stabilisiert. Eine leichte
Entspannung bei den Ölpreisen und bei den Anleiherenditen stützte am
Dienstag die Kurse, sodass die wichtigsten Indizes letztlich kaum
verändert schlossen. Für eine gewisse Beruhigung sorgte zudem die
Ankündigung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), angesichts der
hohen Spritpreise für Entlastungen zu sorgen. Merz sagte beim
Unternehmertag des Handelsverbands BGA, er gehe davon aus, "dass wir
handeln müssen".
Der Leitindex Dax war im frühen Handel zunächst um
mehr als ein Prozent auf das niedrigste Niveau seit mehr als sieben
Wochen gefallen, bevor er sich deutlich erholte. Am Ende stand noch
ein Minus von 0,15 Prozent auf 25.402,28 Punkte zu Buche. Der MDax
der mittelgroßen Unternehmen legte um 0,25 Prozent
auf 31.135,75 Zähler zu.
Vor den mit Spannung erwarteten Ergebnissen der Fed-Notenbanksitzung
am Mittwoch ließen Anleger am deutschen Aktienmarkt nichts
anbrennen, schrieb Timo Emden, Chefmarktanalyst des Handelshauses
CapTrader. Der Dax hänge nach wie vor am Tropf des Ölpreises. Die
Anleger bleiben Emden zufolge "in einem Dreieck aus hohen
Energiepreisen, der Sorge vor einer restriktiven Geldpolitik und
geopolitischen Risiken gefangen". Der September mache seinem Ruf als
schwieriger Börsenmonat nach wie vor alle Ehre.
In einem von Zurückhaltung geprägten Marktumfeld zählten
Rüstungswerte zu den Gewinnern. Als Antrieb hatten sich unter
anderem Lieferengpässe in den USA und ein Bericht erwiesen, wonach
Japan seine Verteidigungsausgaben auf Druck der USA von knapp 2 auf
3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erhöhen könnte. Die Papiere
von Rheinmetall stiegen an der Dax-Spitze um 3,2
Prozent. Die Anteilsscheine von TKMS zogen um 2,2
Prozent an.
Aktien aus der europäischen Stahlbranche zogen wegen Nachrichten aus
China an. Die Aktien von Salzgitter setzten sich mit
plus 5,3 Prozent an die Spitze des MDax, noch weit vor Thyssenkrupp
mit plus ein Prozent. Aus einer Mitteilung des
chinesischen Stahlverbands auf der Plattform WeChat geht laut der
Nachrichtenagentur Bloomberg hervor, dass führende chinesische
Stahlhersteller gemeinsam zu strengeren Produktionsbeschränkungen
und einem Abbau der Lagerbestände aufgerufen haben. Börsianer
versprechen sich davon auch international etwas Entlastung beim
Preisdruck aus China, was positiv sei für die Stahlpreise am
Weltmarkt.
Der Chemiesektor setzte seine Talfahrt der vergangenen zwei Wochen
nach kritischen Analystenkommentaren fort. Die US-Bank JPMorgan
hatte das Kursziel für Lanxess wegen drohenden
Gegenwinds von der Energiekostenseite reduziert. Für Evonik
stufte Lisa De Neve von Morgan Stanley ihr Votum von
"Overweight" auf "Equal-weight" ab. Damit erwartet die US-Bank
lediglich eine durchschnittliche Gesamtrendite der Aktien im
Vergleich zu den anderen von der Bank beobachteten Werten derselben
Branche. Die Lanxess-Papiere büßten 2,6 Prozent ein. Der Evonik-Kurs
fiel um 2,9 Prozent.
Die Titel der Deutschen Bank wurden von schlechten
US-Vorgaben belastet und verloren 2,4 Prozent. Als Belastung für die
tags zuvor deutlich gefallenen US-Bankenkurse galten Aussagen des
Chefs der Bank of America, Brian Moynihan. Der Manager erwartet,
dass die Handelserträge im Vergleich zum dritten Quartal des
Vorjahres lediglich "relativ unverändert" bleiben dürften.
Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 fiel um 0,38
Prozent auf 6.236,50 Punkte. Außerhalb der Eurozone gaben der
britische FTSE 100 und der Schweizer Leitindex SMI
ebenfalls etwas nach. In New York verlor der Dow
Jones Industrial zum europäischen Handelsschluss
knapp ein Prozent./la/nas