ROUNDUP/Aktien Frankfurt Eröffnung: Dax stabilisiert sich vor US-Inflationsdaten
Der Dax hat nach seinem
jüngsten Kursrutsch am Freitag einen Stabilisierungsversuch
unternommen. Angesichts der weiter hohen Ölpreise und vor wichtigen
Inflationsdaten aus den USA hielt sich die Kaufbereitschaft der
Anleger aber in Grenzen.
Am Vormittag legte der deutsche Leitindex um 0,28 Prozent auf 25.431
Punkte zu. Damit blieb er klar über der für den mittel- bis
langfristigen Trend wichtigen 100-Tage-Linie. Auf Wochensicht
zeichnet sich aber ein Rückgang um 2,4 Prozent ab. Der MDax
der mittelgroßen Unternehmen sank zuletzt um 0,15
Prozent auf 31.548 Punkte. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50
ging es um 0,4 Prozent hoch.
Aus Übersee kommt wenig Unterstützung für die hiesigen Märkte. In
New York weiteten die wichtigsten Indizes am Donnerstag nach dem
europäischen Handelsende ihre Verluste noch etwas aus - aktuell
zeichnet sich aber auch hier eine Stabilisierung ab. Dagegen
dominierten in Asien die Verluste, insbesondere bei den
technologielastigen Leitindizes in Tokio und Seoul.
Der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent war in der Nacht mit
weiteren Angriffen auf Tanker in der Straße von Hormus sowie neuen
Gefechten zwischen jemenitischen Huthi-Milizen und saudisch
unterstützten Kräften deutlich gestiegen und der Marke von 110
US-Dollar nahe gekommen. Zuletzt gab er indes wieder deutlicher nach
in Richtung 105 Dollar.
Am Donnerstag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihrer
zweiten Zinserhöhung in diesem Jahr auf den Ölpreisschock infolge
des Iran-Kriegs reagiert. In der kommenden Woche wird von der
US-Notenbank Fed von vielen Marktteilnehmern ein ähnlicher Schritt
erwartet. Umso wichtiger werden die US-Verbraucherpreise am
Nachmittag. Der Anstieg der Erzeugerpreise hatte sich im August
bereits beschleunigt.
"Die Daten zur August-Inflation sind die letzten entscheidenden
Indikatoren vor der Sitzung der Federal Reserve am kommenden
Mittwoch, bei der eine Zinserhöhung, anders als bei der EZB, noch
längst keine ausgemachte Sache, aber eben eine Option ist",
kommentierte Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst bei CMC Markets.
Im Dax fielen zunächst die Aktien von SAP mit einem weiteren
Rückgang um 1,7 Prozent auf. Durchwachsene Branchennachrichten aus
den USA gaben den Walldorfern keine Unterstützung. Der Software- und
Rechenzentrenriese Oracle profitierte im vergangenen
Geschäftsquartal kräftig von der Nachfrage nach KI-Infrastruktur -
er konnte die Umsätze mit Cloud-Infrastruktur mehr als verdoppeln
und übertraf damit die Erwartungen. Gleiches gilt für das bereinigte
Ergebnis je Aktie. Dagegen gab Branchenkollege Adobe
einen vorsichtigen Umsatzausblick auf das laufende Quartal.
Ansonsten sorgten einige Unternehmenspersonalien für Kursverluste.
Die Titel des Online-Brokers Flatexdegiro büßten
angesichts einiger abrupter Veränderungen im Aufsichtsrat zuletzt
noch 5,6 Prozent ein - zeitweise markierten sie ein Tief seit Mai.
Der Aufsichtsratsvorsitzende Hans-Hermann Lotter legte sein Amt mit
sofortiger Wirkung nieder und scheidet spätestens am 10. Oktober
2026 aus dem Gremium aus. Zum selben Zeitpunkt folgt ihm auch
Martina Pfeifer. Für Börsianer wirft dies einige Fragen auf.
Beim Sportwarenhersteller Puma fiel das Kursminus mit
2,6 Prozent etwas geringer aus. Der angekündigte Weggang des
Vertriebsvorstands Matthias Bäumer erschwere die "Rettungsmission"
für Konzernchef Arthur Höld, zumal einem Bericht zufolge der
Wunschkandidat für die Leitung des Europageschäfts doch nicht komme,
hieß es aus dem Markt.
Die Aktien von United Internet sowie der beiden
Töchter 1&1 und Ionos reagierten
überwiegend negativ auf die angekündigten Restrukturierungsprogramme
zur Senkung der Kosten, die bei den Töchtern den Abbau von insgesamt
rund 800 Arbeitsplätzen beinhalten. Ionos und United Internet
zählten mit Abschlägen von 4,1 und 2,5 Prozent zu den schwächsten
MDax-Werten. Für 1&1 ging es im Nebenwerte-Index SDax
nur um 0,2 Prozent nach unten, obwohl das Unternehmen wegen der
anfallenden Einmalkosten für die Restrukturierung die operative
Ergebnisprognose senkte.
Gea profitierte derweil mit einem Kursplus von einem
Prozent von einer Hochstufung. Die britische Investmentbank Barclays
spricht nun eine positive Empfehlung für die Aktien des
Anlagenbauers aus. Gea könne mit seinem qualitativ starken Geschäft
und seiner attraktiven Bewertung punkten, wenn die Anleger nach
Anlagemöglichkeiten abseits des KI-Booms suchten, begründete Analyst
Timothy Lee seine Neubewertung. Die Investitionslage an den
Endmärkten von Gea bleibe günstig. Zudem sieht Lee Spielraum für
höhere Margenambitionen./gl/stk