ROUNDUP/Aktien Europa Schluss: Kursverluste - Ölpreisanstieg belastet Börsen
Die europäischen Aktienmärkte haben
zur Wochenmitte Verluste verzeichnet. Gedrückt wurde die Stimmung
von den weiter gestiegenen Ölpreisen, die bei den Anlegern die
Inflations- und Zinsängste verstärken. Im Fokus steht damit
zunehmend der Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB), bei
dem am Donnerstag fest mit einer Straffung gerechnet wird.
Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gab am Ende um
1,58 Prozent auf 6.311,56 Punkte nach. Außerhalb des Euroraums war
die Lage nicht besser: Der britische FTSE 100 büßte
1,31 Prozent auf 10.670,06 Zähler ein. In der Schweiz setzte der
Leitindex SMI seine zuletzt verstärkte Talfahrt
ungebremst mit einem Abschlag von 1,80 Prozent auf 13.804,70 Punkte
fort. Er erreichte ein Tief seit zweieinhalb Monaten.
"Die Europäische Zentralbank wird morgen die Leitzinsen um 25
Basispunkte erhöhen, so viel steht fest", so Andreas Lipkow von CMC
Markets. Umso höher seien die Erwartungen an die anschließende
Pressekonferenz mit Christine Lagarde. Insbesondere ihre
Einschätzung zur weiteren Inflationsentwicklung dürfte die
Börsenwelt dabei interessieren, denn der Preis für ein Fass Rohöl
der Referenzsorte Brent stieg am Mittwoch erstmals seit Juli wieder
über die 100-Dollar-Marke.
Von den gestiegenen Ölpreisen profitierten Aktien aus dem Öl- und
Gassektor, aus dem Eni und Totalenergies
im EuroStoxx zu den wenigen Gewinnern zählten. Der
Kampf zwischen den USA und dem Iran um die Kontrolle der Straße von
Hormus ist zuletzt weiter eskaliert. Das US-Militär zerstörte nach
eigenen Angaben als Vergeltung für Teherans Angriffe auf ein
US-Kriegsschiff fünf iranische Rohöltanker und versenkte einen
davon.
Individuell beeinflusst wurde Inditex , dessen Aktien
nach der Vorlage von Halbjahreszahlen um 3,6 Prozent absackten. Der
spanische Textilhändler habe ein durchwachsenes zweites Quartal
hinter sich, so Adam Cochrane von Deutsche Bank Research. Dem
robusten Umsatz stehe der Kostendruck gegenüber, der zu etwas
enttäuschenden Gewinnkennziffern geführt habe.
Kursverluste verzeichneten auch Luxuswerte. So ging es an der Börse
in Paris für LVMH um 2,2 Prozent nach unten. Die
HSBC-Experten haben in einer Sektor-Studie die Aktien auf "Hold"
abgestuft. Das Umfeld in der Luxusbranche könnte sich im zweiten
Halbjahr als schwieriger zu navigieren erweisen, so die Analysten.
Erleichterung kam in Zürich bei DocMorris auf: Die
Aktien zogen um 6,6 Prozent an nach der Nachricht, dass die
Online-Apotheke die Emission einer Wandelanleihe erfolgreich
abgeschlossen hat. Mit der Emission verschafft sich das Unternehmen
mit einem verlängerten Fälligkeitsprofil Luft und Zeit.
In London sorgte Victrex mit einem Kurssprung von 16
Prozent für Aufsehen. Der auf Hochleistungspolymere spezialisierte
Chemiekonzern hatte seine Prognose für den Vorsteuergewinn im
Gesamtjahr angehoben und einen Interims-Finanzvorstand
ernannt./tih/nas