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ROUNDUP: Sorge um Fachkräfte und Investitionen bei AfD-Wahlsieg

Top-Manager und Ökonomen erwarten große Schwierigkeiten für die Wirtschaft in Sachsen-Anhalt, falls die AfD dort nach der Landtagswahl an die Regierung kommt. Das betrifft vor allem Investitionen und Fachkräfte aus dem Ausland. Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer sagte dem "Kölner Stadt-Anzeiger": "Angesichts des Wahlprogramms ist zu erwarten, dass bei einer Regierungsübernahme der AfD das Bundesland als Standort für Fachkräfte und Unternehmen deutlich an Attraktivität verlieren würde."

Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, sieht es ebenso: "Wer um ausländische Fachkräfte konkurrieren will, darf keine Partei stark machen, die offen deren Ausweisung fordert." Für Sachsen-Anhalt wäre eine Zuwanderungspolitik nach Vorstellungen der AfD ruinös, sagte Hüther der "Rheinischen Post".

"Wegen seiner ungünstigen Demografie sinkt die Erwerbsbevölkerung in Sachsen-Anhalt nach unseren Prognosen ohne Zuwanderung bis 2045 um etwa ein Viertel." Auf jeden Erwerbsfähigen käme dann mehr als ein Mensch, der nicht arbeitet. "Wer ein Land wirtschaftlich vor die Wand fahren will, muss es genau so machen", führte der IW-Chef aus.

Siemens Energy: Sind auf internationale Fachleute angewiesen

Der Vorstandschef des Dax -Konzerns Siemens Energy nannte das AfD-Programm schlecht für den Wirtschaftsstandort Deutschland, es greife teilweise demokratische Strukturen an, sagte Christian Bruch der Deutschen Presse-Agentur. "Das halte ich für absolut kritisch."

Bruch betonte: "Unser Unternehmen und unsere deutschen Arbeitsplätze sind davon abhängig, dass wir exportieren, dass wir auch internationale Fachkräfte nach Deutschland holen und dass sich ausländische Investoren auf politische Stabilität verlassen können. Und wenn das nicht passiert, dann ist es für den Wirtschaftsstandort Deutschland nachteilig." Er blicke daher mit großer Sorge auf die Wahl am Sonntag in Sachsen-Anhalt. Der Verfassungsschutz stuft die AfD in dem Bundesland als gesichert rechtsextrem ein.

Bruch bedauerte, dass es der Politik bisher nicht gelungen sei, Kompromisse zu finden, in denen sich der Großteil der Bevölkerung wiedergefunden habe. "Das ist absolut eine kritische Situation." Doch die AfD sende mit ihrer Vision, in der sie eine Rückkehr zu früheren Erfolgen Deutschlands zeichnet, eine "dramatisch falsche Botschaft". Bruch sagte: "Ich sehe die AfD nicht veränderungsaffin, sondern nostalgisch, um es mal freundlich auszudrücken."

Der Manager fügte hinzu: "Die Menschen unterschätzen, mit welcher Geschwindigkeit sich andere Länder verändern. Wir müssen Veränderung endlich als Chance begreifen. Nostalgische Politik wirft uns immer weiter zurück." Diskussionen um eine Rückkehr zur Nukleartechnologie seien in Deutschland "müßig in einem energiepolitisch hervorragend vernetzten Europa, in dem es nun mal Kernkraftwerke in Frankreich gibt oder in Tschechien oder anderswo gebaut werden" sagte Bruch. Er halte die energiepolitischen Aussagen, die er im AfD-Programm lese, "nicht für sinnvoll".

Auch andere Manager haben bereits gewarnt

Die Münchner Ökonomie-Professorin Schnitzer wies wie Hüther darauf hin, dass in Sachsen-Anhalt in den nächsten Jahren viele Arbeitskräfte in Rente gehen. "Ohne Zuzug von außen werden deshalb bald viele Fachkräfte fehlen. Und ohne ausreichend Fachkräfte bleiben dringend benötigte Investitionen aus", fügte sie hinzu.

Zuletzt hatten wiederholt Top-Manager vor den Wirtschaftsplänen der AfD gewarnt. "Populistische Parteien geben vor, einfache Antworten zu haben", sagte etwa Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing vor wenigen Tagen in Frankfurt. "Tatsächlich propagieren sie Konzepte, die den Grundlagen unseres Erfolgs entgegenstehen: Offenheit, Vielfalt, ein starkes Europa, verlässliche Institutionen und internationale Zusammenarbeit."

Mit Blick darauf, dass auch eine absolute Mehrheit für die AfD laut Umfragen nicht ausgeschlossen ist, sagte Sewing, er hoffe "persönlich darauf, dass das nicht passiert". Aus Gesprächen mit Investoren wisse er, dass viele große Sorge haben vor einem solchen Wahlausgang.

Bereits vor Monaten hatte Bahlsen-Chef Alexander Kühnen sich klar von der AfD und ihren Positionen abgegrenzt. "Wir brauchen Fachkräfte, wir brauchen offenen Handel in Europa, wir brauchen stabile wirtschaftliche Rahmenbedingungen", sagte Kühnen. "Vor diesem Hintergrund ist die AfD für mich keine Alternative - weder unternehmerisch noch persönlich."/am/DP/zb

 ISIN  DE000ENER6Y0

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