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Ruf nach Priorisierung bei Netzanfragen von Datencenter-Projekten / Statt derzeitiger Prämisse "First come, first serve" - "Goldgräberstimmung": Anfragen übersteigen Bedarf - Anfrage für 1 GW in Oberösterreich

Für Datencenter-Projekte, die sich Netzkapazitäten in Österreich reservieren wollen, sollte es künftig eine Priorisierung geben. Das sagte Michael Haselauer, Geschäftsführer der Netz OÖ GmbH, am Donnerstag in einem Hintergrundgespräch des Forum Versorgungssicherheit. Momentan gelte im regulatorischen Umfeld nämlich die Prämisse "First come, first serve" - wer sich frühzeitig Kapazitäten sichert, kommt zum Zug. Es herrsche "Goldgräberstimmung" und gebe eine "Flut an Anfragen".

Den Netzbetreibern in Österreich würden derzeit Anfragen mit einer Kapazität von insgesamt mehr als 6.000 MW für Datencenter vorliegen, rechnete Haselauer vor. Die Austrian Data Center Association schätze den Bedarf aber nur auf rund 500 MW. Manche Projekte würden den Eindruck erwecken, dass die Betreiber "schnelles Geld mit Grundstücksvermarktungen vor Augen haben".

Informelle Anfrage für 1 GW Leistung

So habe man beispielsweise vor einigen Tagen eine informelle Netzanfrage für bis zu 1 Gigawatt Leistung bekommen, die er für "nicht wirklich endumsetzbar" halte, schilderte der Netz-OÖ-Geschäftsführer. Auf ein Jahr gerechnet käme man auf 8 TWh, "das ist genau die Menge, die die Netz Oberösterreich derzeit an all ihre Kunden inklusive der Industrie absetzt". Der Netzbetreiber könne aber nicht nach Plausibilität oder vermuteter Seriosität reihen, sondern nach Zeit. Wer die 1-GW-Anfrage gestellt habe, dürfe er aus Datenschutzgründen nicht sagen.

In Oberösterreich ist die Netz OÖ mit dem in Bau befindlichen Datencenter von Google in Kronstorf befasst. Man habe 2018/2019 erstmals Daten zu dem Projekt bekommen. In der Folge wurde dafür ein Umspannwerk geplant und errichtet. "Wir haben die Kosten natürlich dem Konzern in Rechnung gestellt und sind seit 2022 betriebsbereit." Wie hoch die Kosten für das Umspannwerk waren, könne er nicht sagen, so Haselauer. Der Marktpreis dürfte sich aber bei 15 bis 20 Mio. Euro bewegen. 150 MW Leistung werden für Google bereitgestellt, die Inbetriebnahme soll noch heuer erfolgen.

Stromaufbringung "europäisches Thema"

Laut Netz Oberösterreich dürfte der Verbrauch in der ersten Ausbaustufe bei bis zu 1,31 TWh liegen. Offenbar peilt Google aber einen weiteren Ausbau mit einer Kapazität von bis zu 500 Megawatt an, was einen Verbrauch bis zu 4,4 TWh nach sich ziehen würde. Zum Vergleich: In Oberösterreich lag der Gesamtstromverbrauch - inklusive Industrie, Verkehr und Landwirtschaft - bei rund 14 TWh Strom.

Eigenversorgung am Standort sehe man hierzulande derzeit nur im Zusammenhang mit einer Notversorgung, sagte Haselauer, aber nicht - wie es in den USA üblich sei - indem die Konzerne eigene Kraftwerke errichteten. Den benötigten Strom würde Google wohl am europäischen Strommarkt einkaufen. Daher sei es "ein europäisches Thema", woher der Strom komme und wie er aufgebracht werde.

ver/ker/cgh

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