ROUNDUP: Europäischer Gaspreis auf höchsten Stand seit Beginn des Iran-Kriegs
Der Preis für europäisches Erdgas hat den Höhenflug wegen Sorgen im Iran-Krieg fortgesetzt und den höchsten Stand seit Beginn des Kriegs erreicht. Am Dienstag haben Meldungen über Angriffe auf Tankschiffe in der für Energietransporte wichtigen Straße von Hormus die Notierung weiter nach oben getrieben. Der richtungweisende Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat an der Börse in Amsterdam kletterte bis auf 71,70 Euro je Megawattstunde (MWh). Das sind fast drei Prozent mehr als am Vortag. Nach Angaben des Vergleichsportals Verivox sind neben den Großhandelspreisen auch die Preise für Neukunden zuletzt deutlich gestiegen.
Mit dem jüngsten Preissprung ist Erdgas im Großhandel mittlerweile teurer als zu Beginn des Iran-Kriegs, als die Notierung an der Börse in Amsterdam im März zeitweise über 70 Euro je MWh gestiegen war. Höher war der Preis für den Rohstoff zuletzt 2022, als er nach einem russischen Lieferstopp infolge des Ukraine-Kriegs zeitweise über 300 Euro gestiegen war.
Aktueller Preistreiber ist die Sorge, dass Lieferungen von Flüssigerdgas (LNG) aus den Fördergebieten am Persischen Golf dauerhaft blockiert sein könnten. Bereits am Montag war der Gaspreis deutlich gestiegen, nachdem der Iran-Krieg nach gegenseitigen Militärschlägen der USA und des Irans wieder eskaliert war.
Zuletzt meldete das auf maritime Sicherheit spezialisierte Beratungsunternehmen Marisks, dass jüngst zwei Rohöl-Tanker von unbekannten Geschossen getroffen wurden. Nach Angaben von Marisks befanden sich beide Schiffe gerade auf der Ausfahrt aus dem Persischen Golf. Zuvor hatte die britische Behörde zur Sicherheit der Schifffahrt (UKMTO) in der Nacht gemeldet, dass in der Straße von Hormus erneut ein Öltanker angegriffen worden sei.
Rohstoffexperte Norman Liebke von der Commerzbank verwies zudem auf einen Lieferstopp des wichtigen Förderstaates Katar. Einschränkungen bei LNG-Lieferungen nach Europa und Asien seien um einen weiteren Monat verlängert worden. "Für die kommenden Wochen bleibt das Preisaufwärtsrisiko also weiterhin bestehen", sagte Liebke.
Nach Angaben des Vergleichsportals Verivox haben sich die Gaspreise auch für Endverbraucher zuletzt spürbar erhöht. Demnach kostet Gas für Neukunden derzeit etwa 11 Cent je Kilowattstunde. Das Vergleichsportal rechnet mit weiter steigenden Gaspreisen in den kommenden Tagen und Wochen, da höhere Großhandelspreise zeitverzögert auch bei den Verbrauchern ankommen.
Seit etwa drei Wochen geht es mit dem Gaspreis tendenziell nach oben. In dieser Zeit ist der Rohstoff um fast 40 Prozent teurer geworden. Neben der Blockade der Straße von Hormus als wichtige Transportroute für Energierohstoffe wird der Gaspreis auch durch eine vergleichsweise geringe Füllmenge der Gasspeicher in Europa gestützt./jkr/jsl/he
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