Deutsche Börse-News: "Zunehmende Sorgen um Staatsverschuldungen" Anleihen
Hohe Inflation, hohe Verschuldung von Staaten und Tech-Unternehmen - die Renditen bleiben hoch. Die Entspannung diese Woche währte nur kurz. Gleichzeitig sind Fremdwährungsanleihen gesucht, in Austral-Dollar oder türkische Lira.
28. August 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Der Trend zu immer höheren Zinsen hat sich nicht fortgesetzt - nach unten ging es diese Woche allerdings auch nur kurzfristig. "Die Renditen bleiben hoch", berichtet ICF-Händler Arthur Brunner. Der die Inflationssorgen schürende Ölpreis war im Laufe der Woche gefallen, steigt am heutigen Freitag aber schon wieder.
Auslöser für den Zinsanstieg waren nicht nur Inflationssorgen, sondern auch die hohen Staatsschulden vielerorts - auch in den USA. Dazu kommt der immense Kapitalbedarf der US-Tech-Unternehmen zur Finanzierung der KI-Investitionen. Nach Einschätzung von Portfoliomanager Max Hanisch von der Weber Bank könnten die jüngsten Bewegungen durch den für August typischen Rückgang der Marktliquidität verstärkt worden sein. "Doch die Renditeentwicklung der vergangenen Wochen deutet darauf hin, dass der Anleihemarkt die Staatsverschuldung in vielen Ländern mit zunehmender Sorge betrachtet."
Die Rendite dreißigjähriger Bundesanleihen liegt mit aktuell 3,78 Prozent so hoch wie zuletzt 2011, ebenso die zehnjähriger mit aktuell 3,27 Prozent. Die Rendite dreißigjähriger US-Treasuries war sogar auf den höchsten Stand seit 2007 gestiegen.
Budget-Krise in Frankreich, Zeichen auf Zinserhöhung
Eine besondere Sorge im Euroraum gilt Frankreich. "Ohne einen Haushaltsbeschluss für 2027 droht das Haushaltsdefizit Berechnungen zufolge auf mindestens 5,5 Prozent des BIP zu steigen", berichtet Metzler-Analyst Leon Ferdinand Bost. Das zeige sich auch an den Anleihemärkten - mit Renditen für zehnjährige Staatsanleihen von über 4 Prozent und steigendem Aufschlag gegenüber Bundesanleihen.
Was die Entwicklung der Leitzinsen in der Eurozone angeht, wird am Markt fest von einer weiteren Zinserhöhung am 10. September ausgegangen. Bezüglich der US-Leitzinsen blickt am heutigen Freitag alles auf die um 16 Uhr deutscher Zeit anstehende Rede von US-Notenbankchef Kevin Warsh auf der Notenbanker-Konferenz in Jackson Hole. Bislang wird eine US-Zinserhöhung im September zu rund 35 Prozent eingepreist.
Norwegische Staatsanleihe beliebt
Im Handel mit Staats- und staatsnahen Anleihen sind die Umsätze in Fremdwährungen hoch, wie die Händler berichten. Gekauft werden Brunner zufolge norwegischen Staatsanleihen in Kronen. Ein Beispiel: eine mit Fälligkeit 2034 und aktueller Rendite von 4,34 Prozent (NO0013148338). Abgestoßen worden seien zwischenzeitlich US-Langläufer, und zwar mit Fälligkeit 2044 und 3,125-Kupon (US912810RH32). "Das waren wohl Gewinnmitnahmen."
Zugegriffen wird außerdem bei einer neuen, auf türkische Lira lautenden Anleihe der European Bank for Reconstruction and Development (XS3457420423), wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank meldet. Diese läuft bis 2028 und bietet zum aktuellen Kurs eine Rendite von 39 Prozent. Die Inflation in der Türkei sinkt zwar, lag im Juli aber immer noch bei 31,8 Prozent.
Interesse an australischen Dollar und türkischen Lira
Daniel sieht auch im Handel mit Unternehmensanleihen Interesse an Fremdwährungen. Gesucht sei die neue Alphabet-Anleihe in australischen Dollar mit Kupon von 6,9 Prozent und Fälligkeit 2046 (AU3CB0338747).
Beruhigt habe sich die Lage bei der in den Vorwochen extrem volatilen Anleihe von Homann Holzwerkstoffe (NO0013536169). Erholt hat sich laut Brunner der Bond der Unternehmensgruppe Hörmann Industries (NO0012938325), der Mitte des Monats unter Abgabedruck geraten war. Jetzt wird Hörmann wieder zu 102,2 Prozent gehandelt.
Neues gibt es von Leasing-Anbieter Grenke (XS3485481157), wie der ICF-Händler außerdem berichtet. Der Bond bietet 4,625 Prozent und läuft bis 2031, Mindestanlagesumme sind 1.000 Euro.
Von Anna-Maria Borse, 28. August 2026, © Deutsche Börse AG
(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)
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