Oberbank zum Halbjahr mit Gewinnsprung / Überschuss nach Steuern legte gegenüber der Vorjahresperiode um 11 Prozent zu - Weitere Expansion in Deutschland - Mit fast 30 Mrd. Euro Bilanzsumme bald unter EZB-Aufsicht
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Die oberösterreichische Oberbank hat im ersten Halbjahr 2026 dank eines starken Provisionsgeschäfts und eines gestiegenen Beteiligungsergebnisses ein deutliches Ergebnisplus erzielt. Wie die Bank am Mittwoch mitteilte, kletterte der Gewinn nach Steuern im Vergleich zur Vorjahresperiode um 11 Prozent auf 199 Mio. Euro. Der Gewinn je Aktie verbesserte sich von 5,08 auf 5,64 Euro. Das operative Zinsergebnis sank hingegen leicht um 0,5 Prozent auf 311,9 Mio. Euro.
"Selbst ich habe mit diesem Ergebnis, dass es so stark war, nicht gerechnet - vor allem das zweite Quartal war herausragend und auch das dritte Quartal ist gut angelaufen", berichtete der designierte Generaldirektor Martin Seiter, der zum Jahreswechsel die Agenden des langjährigen Oberbank-Chefs Franz Gasselsberger übernehmen wird, in einer Pressekonferenz in Wien.
Keine Gewinnrevision nach oben
Eine Gewinnrevision nach oben wird es dennoch nicht geben. "Wir fahren auf Sicht", betonte Seiter mit Blick auf die unberechenbare geopolitische Lage. Ein präziser Ausblick auf das Gesamtjahr sei in diesem Umfeld nicht möglich, vermerkte Gasselsberger im Halbjahresbericht.
Das Ziel für die weitere Zukunft bestätigte das Management: "Wir wollen die Dividende bis 2030 gegenüber 2023 verdoppeln", sagte Seiter, der sich zuversichtlich gab, dass das "früher gelingen wird".
Private Banking und Beteiligungen
Wachstumstreiber im ersten Halbjahr war neben dem Provisionsergebnis, das um 13,4 Prozent auf 129,1 Mio. Euro zulegte, vor allem das Beteiligungsergebnis. Das Provisionsgeschäft profitierte hauptsächlich vom Private Banking. "Wir bieten als Kommerzbank Private Banking mit an", erklärte Seiter.
Das At-Equity-Ergebnis aus assoziierten Unternehmen verbesserte sich um 82,9 Prozent auf 39,5 Mio. Euro und lag damit laut Seiter "im langjährigen Durchschnitt". Der Wert sei letztes Jahr zum Halbjahr auf besonders niedrigem Niveau gewesen, relativierte der designierte Oberbank-Chef die massive Steigerung. Die Hälfte des Equity-Ergebnisses entfalle auf die Beteiligungen BKS Bank und BTV Vier Länder Bank, die andere Hälfte auf den Linzer Stahlkonzern voestalpine.
Die Risikovorsorgen im Kreditgeschäft wurden um 9,6 Prozent auf 24,6 Mio. Euro erhöht. Die Forderungen an Kunden wuchsen seit dem Ende 2025 um 4,3 Prozent auf 22,367 Mrd. Euro, während die Kundeneinlagen um 3,0 Prozent auf 20,831 Mrd. Euro stiegen. Der Anteil der notleidenden Kredite (Non-Performing Loans, NPL) blieb auf niedrigem Niveau stabil - die NPL-Quote verbesserte sich von 2,99 auf 2,94 Prozent. Das Verhältnis von operativem Aufwand zu Erträgen (Cost-Income-Ratio) sank von 43,65 auf 42,35 Prozent.
Kommerzkreditvolumen weiter gewachsen
Das Kreditvolumen im Kommerzgeschäft erhöhte sich im ersten Halbjahr um 4,8 Prozent auf 18,6 Mrd. Euro und lag damit den Angaben zufolge über dem Gesamtmarkt mit einem Plus von nur 2,5 Prozent. Getrieben war das Wachstum unter anderem von der guten Nachfrage nach Investitions- und Exportfinanzierungen.
"Die hohen Lohn- und Energiekosten trieben die Unternehmen natürlich in Richtung Automatisierung, Digitalisierung und effizienzsteigernde Maßnahmen - Kapazitätsausweitungen passieren nicht, die passieren im weiter entfernten Ausland", so Seiter. Die Industrie und der Mittelstand hätten in den letzten Jahren "gut vorgesorgt und sind gut aufgestellt". Die 1.000 energieintensivsten Unternehmen hätten sich auch gegen die heuer stark gestiegenen Energiekosten abgesichert.
Expansion in Deutschland, Aufbruchstimmung in Ungarn
In Österreich, insbesondere in Wien, habe die Oberbank - auf hohem Niveau - weitere Marktanteile gewonnen. Überproportional gut gelaufen seien Deutschland mit einem Plus von 6,35 Prozent bei den Kreditfinanzierungen und Tschechien mit einem Zuwachs von 6,29 Prozent. Aber herausragend sei Ungarn gewesen. "Da haben wir zweistellige Zuwachsraten." Konkret waren es dort 11,25 Prozent. In Ungarn, wo die Oberbank seit 2007 aktiv ist und mittlerweile 12 Standorte betreibt, herrsche wieder Aufbruchstimmung.
Stark entwickelt hätten sich zudem generell die Leasingsparte und Finanzierungen im Tourismus. Deutschland bleibe der wichtigste Expansionsmarkt - derzeit ist die Bank dort mit 45 Standorten in 10 Bundesländern vertreten.
Commerzbank-Übernahme ist "Lotto-Sechser"
Hauptstoßrichtung bis 2030 sei vor allem Nordrhein-Westfalen. In die Hände spielt der Oberbank die sich abzeichnende Übernahme der deutschen Commerzbank durch die italienische Bank-Austria-Mutter UniCredit. "Die Übernahme der Commerzbank finde ich persönlich nicht gut - für uns als Oberbank ist es ein Lotto-Sechser, für die Oberbank ist es super", vermerkte Seiter. Die Commerzbank werde mit der Fusion mit sich selbst beschäftigt sein. "Dementsprechend können wir dort ein bisschen 'Cherry-Picking' machen."
Im Privatkundengeschäft sei das Interesse an Wohnbaufinanzierungen "ungebrochen wieder da" - mit einem Juni-Rekordwert. "Was wir schon sehen, ist ein deutlicher Shift von Neubauten in Richtung Kauf von Häusern und Wohnungen mit anschließender Sanierung", sagte Seiter.
Bald mit 30 Milliarden Bilanzsumme unter EZB-Aufsicht
Das Eigenkapital der Bank stieg zum Halbjahr um 7,6 Prozent auf 4,493 Mrd. Euro. "Wir sind auch bei der Bilanzsumme mit 29,8 Mrd. Euro ganz klar im Plan", vermerkte der designierte CEO und verwies auf einen Zuwachs von 3,4 Prozent. "Ab 30 Milliarden sind wir auch EZB-beaufsichtigt und wir erwarten, dass dieser Prozess im nächsten Jahr startet." Die Bank bereitet sich bereits seit fünf Jahren darauf vor.
Seiter freut sich eigenen Angaben zufolge auf die Beaufsichtigung durch die Europäische Zentralbank, "denn das ist ein Qualitätskriterium". Die Kernkapitalquote stieg heuer zum Halbjahr um 0,4 Prozentpunkte auf 19,2 Prozent.
kre/ivn/fel
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