Aktien Frankfurt: Dax stemmt sich gegen Tech-Schwäche
Der Dax hat nach den jüngsten
Gewinnmitnahmen am Mittwoch der internationalen Technologieschwäche
weitgehend getrotzt. Um die Mittagszeit sank der deutsche Leitindex
lediglich um 0,19 Prozent auf 26.078 Punkte. Der MDax
der mittelgroßen Börsenunternehmen kam mit 31.834 Punkten ebenso wie
der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 kaum von der
Stelle.
Die Verluste trafen in Asien wie am Vortag bereits im US-Handel vor
allem Halbleiterwerte, was sich auch negativ auf deutsche
Branchentitel auswirkte. Gerade der südkoreanische Kospi
war bis Mitte Juni zum Sinnbild des KI-Booms geworden
und hatte seinen Kursstand gegenüber dem Jahreswechsel zeitweise
mehr als verdoppelt, bis Ende Juli dann aber wieder mehr als
halbiert. Die seitherige Erholung steht nun mit schweren Verlusten
wieder auf dem Prüfstand.
Während die Rekorde der technologielastigen Indizes wie des Kospi,
des japanischen Nikkei 225 oder des
Nasdaq 100 in den USA Monate her sind, hatte der Dax
erst in der Vorwoche seinen Höchststand erreicht. Im Bereich von
26.500 Punkten lief er sich allerdings zuletzt fest.
Steigende Anleihezinsen und die problematische Lage in Nahost
hielten den Risikoappetit der Anleger gering, erklärte Marktexperte
Stephen Innes. Gerade Technologiewerte sind sehr zinssensitiv, unter
anderem aufgrund hoher, meist fremdfinanzierter Investitionen. Ein
Vorteil für die Branche könne allerdings sein, dass sich die
besonders ängstlichen Anleger bereits im Kursrutsch im Juli
verabschiedet haben dürften.
Im Dax zählte der Halbleiterkonzern Infineon mit
einem Kursrückgang um 1,6 Prozent zu den größten Verlierern. Ähnlich
sah es im MDax für den Branchenzulieferer Jenoptik
aus, dessen Titel 1,5 Prozent einbüßten, sowie für die 1,7 Prozent
schwächeren Aktien von Infineon-Branchenkollege Elmos
.
Schlusslicht im Nebenwerte-Index SDax war
Heidelberger Druckmaschinen mit einem Kursrutsch von
zuletzt noch 3,1 Prozent. Dass der Maschinenbauer trotz eines
schwachen ersten Geschäftsquartals mit einem deutlichen Rückgang bei
Umsatz und operativem Ergebnis an seinen Jahreszielen festhält,
verfing bei den Anlegern nicht. Auch der Nettoverlust fiel höher als
vor einem Jahr aus.
Die schwächelnden Titel von Redcare Pharmacy konnten
ebenso wie die des Konkurrenten DocMorris nicht
dauerhaft von dessen Geschäftszahlen profitieren. Und verloren
zuletzt 0,9 Prozent. Die Schweizer Online-Apotheke hatte im ersten
Halbjahr dank starker Zuwächse bei rezeptpflichtigen Medikamenten
und eines florierenden Geschäfts mit digitalen Dienstleistungen
ihren Verlust verringert. Er hob zudem die Jahreszielspannen für den
Umsatz und die bereingte operative Ergebnisprognose (Ebitda) an.
Die Aktionäre des Rüstungsunternehmens Renk freuten
sich über einen Kursgewinn von 2,8 Prozent auf 51,36 Euro.
JPMorgan-Analyst David Perry schürte bei den Anlegern
Übernahmefantasie. Auch wenn er aktuell kein konkretes
Übernahmeangebot ausmacht, sieht er die Augsburger doch als
attraktives Ziel für einen größeren Branchenkollegen. Schließlich
gebe es enormes Konsolidierungspotenzial im Sektor, so der Experte.
Mit seinem Kursziel von 75 Euro liegt Perry auf einem Niveau, das
die Aktien zuletzt im Oktober erreicht hatten.
Gefragt waren im Kielwasser von Renk auch Vincorion
mit plus 5,9 Prozent. Dagegen gewannen Hensoldt nur
moderat, und für Rheinmetall ging es um 0,9 Prozent
bergab./gl/jha/