ROUNDUP/Aktien Frankfurt Schluss: Dax-Gewinne reichen nicht für Rekord
Der Dax hat am Freitag eine
erfolgreiche Woche mit Gewinnen beendet. Diese schmolzen im Sog der
schwächelnden US-Börsen allerdings etwas zusammen. Zum
Handelsschluss notierte der deutsche Leitindex noch 0,53 Prozent
fester bei 26.440,31 Punkten, womit er ein Wochenplus von knapp 0,5
Prozent verbuchte. Zu seinem Rekord vom Mittwoch hatten ihm
zeitweise nur gut 30 Punkte gefehlt. Neben den jüngst gesunkenen
Inflations- und Zinssorgen stützten deutliche Kursgewinne von
Schwergewicht SAP .
Der MDax der mittelgroßen Unternehmen stieg letztlich
um 0,62 Prozent auf 32.464,39 Punkte. Für den Eurozonen-Leitindex
EuroStoxx 50 ging es hingegen um 0,1 Prozent nach
unten. In Zürich und London gaben die Leitindizes ebenfalls etwas
nach. Auch der New Yorker Leitindex Dow Jones Industrial
und der Tech-Index Nasdaq 100
notierten zum europäischen Börsenschluss in negativem Terrain.
"Der Dax schleicht sich ins Wochenende", kommentierte Marktanalyst
Andreas Lipkow vom Broker CMC Markets das hiesige Handelsgeschehen.
Bis auf den zaghaften Versuch am Nachmittag, das Rekordhoch noch
einmal anzulaufen, "ist heute nicht viel in Frankfurt passiert".
Insgesamt bleibe die Stimmung für deutsche Aktien aber positiv.
Ein Treiber der jüngsten Dax-Rekordjagd ist auch der Softwarekonzern
SAP. Dessen Titel gewannen am Freitag weitere 2,7 Prozent. Treiber
dafür ist die Branchenfantasie wegen eines Berichts der
Nachrichtenagentur Reuters, wonach der Finanzinvestor Silver Lake
derzeit über den milliardenschweren Kauf des US-Unternehmens Workday
verhandeln soll.
Auch andere deutsche Branchenwerte wie Nemetschek und
Teamviewer profitierten mit Anstiegen um 8,4 und 5,3
Prozent deutlich von dieser Fantasie. Analyst Balajee Tirupati von
der Citigroup glaubt, dass das Interesse an einem großen
Branchenkonzern die Bedenken mildert, die Anleger lange Zeit wegen
einer möglichen Verdrängung klassischer Softwarelösungen durch
KI-Angebote hatten.
Um bis zu 4 Prozent legten die Titel der Rüstungskonzerne Hensoldt
, Renk und Rheinmetall
zu. Die Branchenstimmung bessert sich schon seit Mitte Juli, was
sich vor dem Wochenende fortsetzte.
Dagegen erlitt Dax-Schlusslicht Eon einen Kursverlust
von 4,4 Prozent. Der Entwurf der Bundesnetzagentur für die fünfte
Regulierungsperiode galt hier als Enttäuschung. Versorgern für
Gasnetze soll ab 2028 eine pauschalierte Kapitalverzinsung
zugemessen werden, von der sich der Markt viel mehr erhofft habe,
hieß es von Börsianern.
Bei Energiekontor beschleunigte sich der Kursrutsch
vom Vortag mit einem weiteren Einbruch um 19 Prozent - die Aktien
markierten den tiefsten Stand seit 6 Jahren. Der Wind- und
Solarparkbetreiber hatte am Mittwoch schon mit seinen
Halbjahreszahlen enttäuscht. Die nach dem Börsenschluss gesenkte
Gewinnprognose, die das Unternehmen davor noch bestätigt hatte, gab
dem Aktienkurs den Rest. Als Grund führte Energiekontor den
verzögerten Netzanschluss mehrerer schottischer Windparkprojekte
wegen eines laufenden Rechtsstreits um eine Überlandleitung an.
Die Titel von Hellofresh sackten mit minus 5,5
Prozent auf ein weiteres Rekordtief ab. Barclays-Experte Andrew Ross
äußerte sich skeptisch zur Umsatzperspektive des
Kochboxenlieferanten sowie zur Frage, ob sich dessen Investitionen
auszahlten.
Dagegen ging es für Norma Group um 8,2 Prozent hoch,
womit die Aktien erstmals seit mehr als drei Jahren wieder mehr als
20 Euro kosteten. Ihnen half ein Aktienrückkaufangebot. Der Preis,
den der Verbindungstechnik-Spezialist für bis zu 9,3 Millionen
Aktien bietet, liegt mehr als 16 Prozent über dem
Vortags-Schlusskurs.
Gute Geschäftszahlen bescherten Talanx ein Kursplus
von 3,5 Prozent. Thorsten Wenzel von der DZ Bank lobte ein "starkes
Ergebnis" mit einem Rekordgewinn im ersten Halbjahr. Der Versicherer
wurde zudem optimistischer für 2026./gl/mis