Nach der Verschnaufpause zur Wochenmitte hat
der deutsche Aktienmarkt am Donnerstag etwas zugelegt. Anleger
hoffen weiterhin auf eine Lösung im Iran-Krieg und setzen auf eine
Öffnung der für den globalen Öltransport wichtigen Meerenge von
Hormus. Die daran grenzenden Golfstaaten Iran und Oman stehen nach
Angaben aus Teheran kurz vor einer Einigung auf eine neue
Schifffahrtsroute durch die blockierte Meerenge. Hierzulande steht
die Berichtssaison im Anlegerfokus. Allein aus dem Dax haben acht
Unternehmen Zahlen vorgelegt.
Der Dax stieg gegen Mittag um 0,2 Prozent auf 26.173
Punkte. Tags zuvor war der Leitindex erstmals über 26.400 Punkte
gestiegen, ehe ihm die Luft ausgegangen war. Der MDax
gewann am Donnerstagmittag 0,1 Prozent auf 32.447 Zähler. Für den
EuroStoxx 50 , Leitindex des Euroraums, ging es um 0,6
Prozent aufwärts.
Im deutschen Rüstungssektor legten die Papiere von Renk
und Hensoldt um 7,3 beziehungsweise
3,0 Prozent zu. Der Panzergetriebehersteller Renk hatte mit seinen
aktuellen Geschäftszahlen die Erwartungen erfüllt und einen
Rekordauftragseingang verzeichnet. Beide Titel lagen damit im
MDax-Spitzenfeld.
Die im Dax gelistete Rheinmetall-Aktie tat sich
zunächst schwer, stieg dann aber um zuletzt 1,1 Prozent. Der
Rüstungskonzern hatte nach dem Stopp des milliardenschweren
F126-Fregattenprojekts durch das Verteidigungsministerium wie
erwartet den Umsatzausblick für das laufende Jahr gesenkt.
Trotz starker Quartalszahlen von Siemens sackten die
Aktien des Technologiekonzerns als Schlusslicht im Dax um 6,2
Prozent ab. Marktbeobachter führten dies auf Gewinnmitnahmen zurück,
nachdem die Papiere tags zuvor mit 291,50 Euro ein weiteres
Rekordhoch erzielt hatten. Analysten lobten hingegen die operative
Entwicklung unisono.
Die Bedenken von Investoren hinsichtlich eines Überangebots und
sinkender Preise sowie einer Abschwächung der Aufträge bei
Gasturbinen seien überzogen, schrieb Deutsche-Bank-Experte Gael
de-Bray. Siemens erzielte im dritten Geschäftsquartal Rekordwerte
beim operativen Ergebnis und im Neugeschäft. Als Folge hob das
Unternehmen sein Ergebnisziel für das laufende Geschäftsjahr an.
Die Deutsche Telekom profitierte im zweiten Quartal
weiter vom Wachstum der US-Tochter und erhöhte ihren
Barmittel-Ausblick für das Gesamtjahr. Das um Sondereffekte
bereinigte operative Ergebnis (Ebitda AL) kletterte um 7,5 Prozent.
Experten hatten hier einen Tick weniger erwartet. Die Telekom weitet
zudem ihr Aktienrückkaufprogramm deutlich aus. Die T-Aktie stand mit
einem Kursplus von 5,9 Prozent an der Dax-Spitze.
Die Commerzbank verdiente im zweiten Quartal fast
doppelt so viel wie ein Jahr zuvor und sucht nun das Gespräch mit
ihrer Großaktionärin Unicredit . Nach einem
Rekordergebnis im ersten Halbjahr sieht sich die Bank "voll auf
Kurs, ihr Gewinnziel von mindestens 3,4 Milliarden Euro im
Gesamtjahr zu erreichen". Zudem will sie weitere bis zu 1,2
Milliarden Euro in den Rückkauf eigener Aktien stecken. Die Papiere
des Kreditinstituts stiegen um 0,3 Prozent.
Der Konsumgüterkonzern Henkel steigerte im ersten
Halbjahr in einem weiter schwierigen Umfeld das Ergebnis.
Branchenexperten hatten insgesamt im Durchschnitt etwas weniger auf
dem Zettel. Für das laufende Jahr zeigt sich das Management
zuversichtlicher. Für die Aktien der Düsseldorfer ging es um 3,9
Prozent nach oben.
Der Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck KGaA hob
nach unerwartet starken Quartalszahlen die Jahresziele erneut an.
Gründe seien vor allem die anhaltende Erholung der Laborsparte rund
um die Arzneimittelherstellung, starke Verkäufe von
KI-Halbleitermaterialien und nachlassender Gegenwind durch
Währungen, hieß es. Die Anteilsscheine stiegen um 1,1 Prozent.
Der Internetportal-Betreiber Scout24 beschleunigte
sein Wachstum im zweiten Quartal. Der bereinigte operative Gewinn
(Ebitda) legte im ersten Halbjahr um knapp 15 Prozent zu, verfehlte
damit aber die Erwartungen der Experten. Die Ziele für das laufende
Jahr wurden bestätigt. Die Anteilsscheine von Scout24 fielen um rund
sechs Prozent auf 72 Euro. Damit bleiben sie im seit April
bestehenden Seitwärtstrend, der zwischen rund 67 und 80 Euro
verläuft.
Der jüngste Stabilisierungsversuch der Anteilsscheine von PVA Tepla
ist schon wieder Geschichte. Die Titel des
Hightech-Anlagenbauers brachen wegen einer enttäuschenden operativen
Geschäftsentwicklung um 10,5 Prozent ein. Das operative Ergebnis sei
um mehr als die Hälfte eingebrochen und habe die Erwartungen
deutlich verfehlt, monierte Jefferies-Analyst Constantin
Hesse./edh/zb