, APA

Österreichische Staatsanleihen drehen nach Inflationsdaten ins Minus / Kerninflation in Eurozone steigt überraschend

Die Kurse österreichischer Bundesanleihen haben am Freitagnachmittag in die Verlustzone gedreht. Preisdaten aus der Eurozone zeigten einen leichten Anstieg der Kernrate, während die Ölpreise ihre Abwärtsbewegung stoppten. Die Zinsanhebungserwartungen mit Blick auf die Europäische Zentralbank (EZB) verfestigten sich daraufhin etwas, was den Renditen insbesondere auf dem kürzeren Ende Auftrieb gab.

Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen österreichischen Benchmark-Anleihe stieg um 3 Basispunkte auf 3,43 Prozent. Der Rendite-Spread zur vergleichbaren deutschen Anleihe betrug 24 Basispunkte. Der Euro-Bund-Future fiel um 0,34 Prozent auf 124,34 Punkte.

Unterstützung bekamen die Renditen durch Inflationsdaten aus dem Euroraum. Die Kerninflation in der Eurozone lag im Juli mit 2,5 Prozent etwas über den Schätzungen von Bankenvolkswirten, die eine Jahresrate von 2,4 Prozent prognostiziert hatten. Schwankungsanfällige Energie- und Lebensmittelpreise miteinberechnet betrug die Teuerungsrate im Euroraum wie erwartet 2,9 Prozent.

"Dies dürfte der Auftakt für eine steigende Kernrate sein," schrieb Commerzbank-Ökonom Vincent Stamer. "Denn im weiteren Verlauf des Jahres werden Unternehmen ihre gestiegenen Energiekosten wohl noch stärker an ihre Kunden weitergeben."

Die Teuerung in der Eurozone liegt damit weiterhin klar über der von der EZB angestrebten Zielrate von zwei Prozent, während Konjunkturdaten zuletzt überraschend robust ausgefallen waren. Eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte im September gilt an den Terminmärkten praktisch als sicher, eine weitere Anhebung darüber hinaus bis Jahresende wird als wahrscheinlich angesehen.

Laut Jörg Krämer, Chefvolkswirt bei der Commerzbank, ist eine EZB-Zinserhöhung nach der Sommerpause überfällig. Er verweist auf die erhöhten langfristigen Inflationserwartungen der Verbraucher. Krämers Pendant von der VP Bank, Thomas Gitzel, stellt hingegen eine Zinsanhebung im September infrage, denn "klare Indizien für ernst zu nehmende Zweitrundeneffekte gibt es bisher nicht."

Renditen ausgewählter österreichischer Benchmark-Anleihen:

Laufzeit Aktuell Vortag Veränderung Spread (in Basispunkten)
2 Jahre     2,86   2,82        0,04                        3
5 Jahre     3,06   3,02        0,04                       14
10 Jahre    3,43   3,40        0,03                       24
30 Jahre    3,96   3,95        0,01                       28

spa/ste

Copyright APA. Alle Rechte vorbehalten. Weiterverbreitung, Wiederveröffentlichung oder dauerhafte Speicherung ohne ausdrückliche vorherige Zustimmung von APA ist nicht gestattet.