Rekord-Dürre kostet Verbund 370 Mio. Euro / Verbund-Chef Strugl: Trockenstes Jahr seit Aufzeichnungsbeginn - Durchschnittlicher Absatzpreis sank im ersten Halbjahr auf 86,2 Euro pro Megawattstunde - Für 2027 höhere Preise erwartet
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Die anhaltende Trockenheit sowie niedrigere Strompreise belasten Österreichs größten Stromerzeuger, den teilstaatlichen Verbund. Der Gewinn ist im ersten Halbjahr 2026 um mehr als ein Drittel auf 518 Mio. Euro eingebrochen. Der Umsatz sank um 11 Prozent auf 3,6 Mrd. Euro, wie das börsennotierte Unternehmen am Donnerstag bekannt gab. Allein die Auswirkungen der Dürre - im Vergleich zu einem Regeljahr - bezifferte der Verbund-Vorstand mit 370 Mio. Euro.
"Wir erleben das trockenste Jahr, seit wir hydrologische Aufzeichnungen machen. Das hat natürlich Auswirkungen auf unser Ergebnis", sagte Verbund-Chef Michael Strugl in einer Pressekonferenz. "Uns fehlt schlicht ein Drittel der Wassermenge." Im Juli ist der Erzeugungskoeffizient noch weiter - auf 0,65 - gesunken.
Verbund musste Strom zurückkaufen
Weil der Verbund im ersten Halbjahr sogar weniger Strom erzeugt als verkauft hat, musste er Strom zu Marktpreisen zurückkaufen. "Das hat uns in den ersten sechs Monaten einiges gekostet, das waren fast 200 Mio. Euro", sagte Finanzvorstand Peter Kollmann. Zur Erklärung: Der Verbund verkauft auf Basis seiner Strategie immer 80 Prozent der Stromproduktion eines Regeljahres bereits im Voraus über Terminmärkte.
Wie das Unternehmen mitteilte, lag der Erzeugungskoeffizient der Laufwasserkraftwerke im ersten Halbjahr mit 0,68 um 8 Prozentpunkte unter dem Wert des Vorjahres und um 32 Prozentpunkte unter dem langjährigen Durchschnitt. Dadurch sank die Stromproduktion aus Wasserkraft um fast 10 Prozent auf 11,2 Terawattstunden (TWh). Gestiegen sei indes die Stromerzeugung aus den neuen erneuerbaren Stromerzeugungsanlagen. Der Erzeugungskoeffizient aus Wind und Photovoltaik sei zwar unter den Erwartungen gelegen, die Stromproduktion stieg - dank des Ausbaus - dennoch um 10 Prozent auf 1,2 TWh.
Durchschnittlicher Absatzpreis sank deutlich
"Negativ auf die Ergebnisentwicklung wirkte darüber hinaus der niedrigere durchschnittlich erzielte Absatzpreis bezogen auf die Eigenerzeugung aus Wasserkraft", erklärte der Verbund. Der Absatzpreis fiel demnach um 31 auf 86,2 Euro pro Megawattstunde (MWh). Der Rückgang sei auf den hohen Absatzpreis in den ersten beiden Quartalen 2025 zurückzuführen, "der insbesondere aus vorzeitigen 'Limit'-Verkäufen im Jahr 2023 zu hohen Großhandelspreisen resultierte", wie es in der Mitteilung hieß.
Der Verbund hatte in den vergangenen Jahren aufgrund der drastisch gestiegenen Energiepreise Rekordgewinne geschrieben, auf die die Politik mit der Abschöpfung von "Überschusserlösen" reagiert hatte.
Für das Gesamtjahr erwartet der Vorstand einen Gewinn von rund 1 bis 1,2 Mrd. Euro, wovon die Hälfte an die Aktionäre ausgeschüttet werden soll.
Höhere Preise 2027
Die zuletzt aufgrund des Iran-Kriegs wieder gestiegenen Gaspreise, die vor allem im Winter auch auf die Strompreise durchschlagen, haben sich auf das Halbjahresergebnis des Verbunds noch nicht ausgewirkt. Für 2027 geht Kollmann aber von einem höheren Preisniveau aus. Für die Aktionäre - und damit auch die Steuerzahler - seien das "positive Nachrichten".
Mehr Geld kann der Verbund, der zu rund 80 Prozent in öffentlichem Eigentum steht, gut gebrauchen. Bis 2028 investiert der Verbund 6,8 Mrd. Euro, davon 4 Mrd. Euro in Österreich. Davon fließen 2,5 Mrd. Euro ins Netz, 2,1 Mrd. in Windräder und PV-Anlagen, 1,4 Mrd. in Wasserkraft und 820 Mio. in Batteriespeicher und sonstige Innovationsprojekte.
Richtungswechsel bei Windrädern
Bei der Windkraft befinden sich die meisten Verbund-Projekte allerdings außerhalb Österreichs, etwa in Spanien, Italien oder Rumänien. "Es ist in Österreich am schwersten, Windkraftwerke zu bauen", kritisierte Strugl und mahnte einen Richtungswechsel ein: "Ich glaube, das werden wir uns in Zukunft nicht mehr leisten können, wenn wir sehen, dass wir mehr Strom und einen ausgewogeneren Strommix brauchen."
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