ROUNDUP: SAP schließt überraschend viele Cloudverträge ab - Aktie zieht stark an
Europas größter Softwarehersteller SAP
Das Tempo der Nachfrage ließ bei den Anlegern nämlich verschmerzen, dass sich das operative Ergebnis im Quartal schwächer entwickelte als gedacht und SAP-Chef Christian Klein in dem Bereich wegen zweier Zukäufe auch die Jahresprognose senkte. Die in New York gehandelten Aktien-Hinterlegungsscheine von SAP hatten nachbörslich bereits zugelegt, die Hauptnotierung der Aktie in Frankfurt gewann am Morgen 5,7 Prozent.
Für Anaylst Charles Brennan von der US-Investmentbank Jefferies war die Entwicklung des Vertragsbestands das klare Highlight der Resultate. Damit trotze SAP der Vorsicht von Investoren. Er habe zwar geschätzt, dass der Dax-Konzern die Markterwartungen schlagen könnte, aber nicht in diesem Ausmaß. Selbst die schwach ausgefallene operative Marge dürfte im Umfeld aktuell sehr vorsichtiger Anleger angesichts des Schwungs bei den Aufträgen nicht negativ ins Gewicht fallen.
Toby Ogg von JPMorgan hingegen sprach von einer negativen Überraschung bei der Margenentwicklung. Die Jahresprognose des operativen Ergebnisses hänge nun von einer Beschleunigung in der zweiten Jahreshälfte ab.
Klein führte das Abschneiden beim sogenannten Current Cloud Backlog, also dem kurzfristigen Cloud-Vertragsbestand, auf die Initiativen rund um Produkte mit Künstlicher Intelligenz (KI) zurück. "Dieses Ergebnis wird durch unsere Strategie für das autonome Unternehmen gestützt, in deren Rahmen unsere SAP Autonomous Suite und SAP Business AI Platform auf große Resonanz stoßen", sagte er laut Mitteilung.
Im Juli hatte SAP die Übernahmen von Dremio und Prior Labs abgeschlossen. Bei beiden kleineren Einheiten dürften im zweiten Halbjahr Verluste auflaufen, sagte Finanzchef Dominik Asam in einer Telefonkonferenz. Die Übernahmen seien auch der Grund für den beim Ergebnis geänderten Ausblick. So geht das Management beim um Sondereffekte bereinigten Ergebnis vor Zinsen und Steuern währungsbereinigt dieses Jahr nur noch von einem Wachstum von 13 bis 17 Prozent aus. Klein hatte zuvor noch 14 bis 18 Prozent anvisiert.
Nach Asams Darstellung hätte der Konzern aus dem rein operativen Geschäft ohne die Zukäufe gerechnet den Ergebnisausblick gar erhöhen können. Jedoch wolle der Konzern im aktuellen Umfeld Geld in die Kundengewinnung stecken und investierte dafür ins Marketing.
Im zweiten Quartal blieb SAP bei der Kennzahl auch deswegen hinter den Erwartungen zurück, sie stieg um 7 Prozent auf 2,74 Milliarden Euro. Asam verwies unter anderem auf höhere Marketingkosten für die KI-Produktangebote, aber auch auf gestiegene Kosten für die Verwendung von KI-Modellen. Vor allem in der Entwicklung von Software nutzt SAP die Programmierhilfen der Textroboter, die bei intensivem Gebrauch auch teuer werden können.
Im Gegenzug erspart die KI den Walldorfern die Suche nach neuen Mitarbeitern in dem Bereich. Chef Klein sprach im Analystencall von einer Produktivitätssteigerung von 30 Prozent in der Entwicklung von Software. Bei Einstellungen könne sich SAP nun ganz auf KI-Experten verlegen, in der Softwareentwicklung selbst seien dank der Nutzung von den Text- und Programmierrobotern keine Einstellungen mehr nötig.
Unter dem Strich machte SAP mit 2,21 Milliarden Euro in den drei Monaten bis Ende Juni gut ein Viertel mehr Gewinn als ein Jahr zuvor. Der Gesamtumsatz legte im Jahresvergleich um 9 Prozent auf 9,88 Milliarden Euro zu. Darunter zog der Cloudumsatz unerwartet kräftig um 22 Prozent an. Bei den Umsatzkennzahlen sowie dem erwarteten Barmittelzufluss von rund 10 Milliarden Euro blieb das Unternehmen denn auch bei seinen Jahresprognosen. Allerdings unterstellt das Management dabei, dass es im Nahostkrieg bald eine Deeskalation gibt./men/nas/jha/
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AXC0080 2026-07-24/09:23
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