ROUNDUP/Aktien Europa Schluss: Erholung geht weiter - 'Risiken werden ignoriert'
Europas Aktienmärkte haben ihre
Vortagesgewinne trotz Nahost-Krise und damit weiter steigender
Ölpreise zur Wochenmitte ausgebaut. Geopolitische Risiken würden
derzeit ausgeblendet und darauf gewettet, dass starke Quartalszahlen
alle anderen Sorgen überstrahlen werden, beschrieb
Kapitalmarktexperte Jürgen Molnar vom Broker RoboMarkets das
Anlegerverhalten. Er warnte aber zugleich: "Das kann gutgehen - muss
es aber nicht."
Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 legte am
Mittwoch - nicht zuletzt auch dank stabiler US-Börsen - um 0,50
Prozent auf 6.316,99 Punkte zu. Auch der französische Cac 40
, der spanische Ibex 35 , der
italienische FTSE MIB verbuchten Gewinne. Außerhalb
des Euroraums gewann der schweizerische SMI 0,12
Prozent auf 14.315,88 Zähler. Der britische FTSE 100
rückte um 1,24 Prozent auf 10.716,97 Punkte vor und wurde dabei
stark von Ölaktien nach oben gezogen.
Mit Blick auf den Iran-Krieg setzen die Marktteilnehmer nach wie vor
darauf, dass die Tür zu Verhandlungen nicht endgültig zugeschlagen
ist. Und das, obwohl die Situation zwischen den Vereinigten Staaten
und dem Iran erneut zu eskalieren scheint. Denn US-Präsident Donald
Trump kündigte an, die USA würden künftig jedes Mal eine Brücke oder
ein Kraftwerk im Iran "bombardieren und zerstören", wenn die
Islamische Republik ein Schiff in der Straße von Hormus beschieße.
Im Bankensektor richtete sich der Blick auf Santander
, denn die spanische Großbank profitierte im zweiten
Quartal von höheren Zinsen und anderen Erträgen. Sie übertraf bei
allen wichtigen Kennzahlen die Analystenerwartungen und ist auf Kurs
zu ihren Jahreszielen. Mit einem Plus von 1,4 Prozent ging die Aktie
aus dem Handel. Im Schlepptau legten auch die Anteile der BBVA
, von Intesa Sanpaolo , BNP oder Nordea
um etwas mehr als ein Prozent zu.
Airbus als Spitzenreiter im EuroStoxx gewannen 7,0
Prozent. Der weltgrößte Flugzeugbauer will wegen einer starken
Nachfrage nach Passagierjets bis 2029 deutlich mehr Gewinn erzielen.
Akzo Nobel gewannen nach einem überraschend starken
operativen Quartalsergebnis des Farben- und Lackspezialisten in
Amsterdam 1,7 Prozent.
Im Versorgersektor schwächelten die Aktien des Schwergewichts
Iberdrola leicht mit minus 0,2 Prozent. Der spanische
Energiekonzern überzeugte ebenfalls mit seiner Quartalsbilanz, der
Aktienkurs allerdings wurde durch die Übernahme des finnischen
Netzbetreibers Caruna ausgebremst. Der Schritt passe zwar in die
Unternehmensstrategie, die Beteiligung sei aber hoch bewertet, hieß
es etwa vom Analysehaus Jefferies.
Abseits der Bilanzen rückten am Nachmittag Aktien von
Fluggesellschaften, insbesondere die von Easyjet in
den Blick. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters will
die EU die Vorschriften für ausländische Eigentumsverhältnisse bei
Fluggesellschaften überprüfen. Dies könnte Übernahmeangebote aus den
USA für die britische Billigfluggesellschaft verhindern.
Erst Anfang Juli hatten die zwei US-Investmentfonds Castlelake und
Apollo Global Management konkurrierende Offerten für Easyjet
vorgelegt. Nun sackte die Aktie um 11,6 Prozent ab. Die Papiere der
Konkurrentin Ryanair gingen mit minus 1,9 Prozent aus
dem Tag, und auch Air France-KLM schlossen schwach
mit minus 3,3 Prozent./ck/jha/